In 24 Geschichten um die Welt: ‚Drive-By Shots‘ von Nagel

Nagel - Drive-By Shots - Cover (Foto: Doro)

Nagel – Drive-By Shots – Cover (Foto: Doro)

Nicht mit einem Papierschiff, nein, mit Stift und Fotokamera geht es für Nagel um die Welt. In seinem dritten literarischen Werk reist Nagel mal weiter und auch mal nicht so weit weg. Hauptsache unterwegs sein, am besten alleine und am Ende jeder Reise, egal wie nah oder fern, gibt es mindestens eine gute Geschichte, die man zum Erzählen mitbringen kann. Ganiert mit passendem Fotowerk entstand daraus ‚Drive-By Shots‘.

Weit verfehlt, der hier an ein Buch denkt, bei dem der Autor unterschwellig angibt, an welch tollen exotischen Orten er gewesen sei, welch prächtige Bauten er gesehen habe und an welch tollen Stränden er sich die Sonne auf den Bauch hat scheinen lassen. Dazu noch die achso großatigen Hochglanzfotos, die mit der besten, zurzeit erwerbbaren Fotokamera geschossen wurden. Genau dies ist das neue Buch von Nagel nicht. Ja, er berichtet von seinen Reisen und was er erlebte. Das Erlebte wird dabei aber so schonungslos erzählt, das würde man in garantiert keiner anderen Reiseerzählung finden. Die dazugehörigen Fotos zeigen das, was Nagel ins Auge gesprungen ist, was in ihm seine Gedanken ausgelöst hat.

Foto: Doro

(Foto: Doro)

Nagel ist geübt im Schreiben. Genauer im Aufschreiben all dessen, was er erlebt hat und ihm widerfährt. Der Taktik entsprechend: Nie mehr etwas vergessen. Alles aufschreiben. Per Hand in einem Notizbuch. Nach 16 Jahren „Muff Potter“-Bandgeschichte mit unzähligen Tourneen, den Lesereisen seitdem er als Autor tätig ist und den privaten Reisen, machen Nagel zu einem alten Hasen in Sachen unterwegs sein und Eindrücke sammeln.

(Foto: Doro)

(Foto: Doro)

Die Reisegeschichten, die Nagel in seinem aktuellen Buch erzählt, stammen aus ungefähr den letzten 5 Jahren. Dazu kommen noch Rückblenden und Erinnerungen, wodurch man die undatierten Erzählungen gar nicht wirklich zeitlich festmachen kann. Relevant ist dies auch gar nicht. Zudem ist es ein Trick des Autors, dem Ganzen doch eine gewisse Unnahbarkeit anzuhaften. Erschienen die letzten beiden Bücher von Nagel jeweils mit der Zusatzzeile „Roman“, der ultimativen Autorenwaffe, Dichtung und Wahrheit verwischen zu lassen, steht Nagel nun mit seinem vollen Ich in den Geschichten. Oder zumindest dem, was uns Nagel glauben lassen will. Wir können und wollen ihm all das glauben, was er erlebt. Nicht, dass ich niemanden solch eine Phantasie zutrauen würde, aber manchmal schreibt das Leben ja dann doch die besten Geschichten.

Und von denen hat Nagel genügend zu erzählen. Von seinen Lesereisen durch Deutschlands Groß- und Kleinstädte bis hin von Reisen aus Orten in Amerika oder Israel. Was diese Orte einen ist der Blick, mit denen sie betrachtet wurden. Nagel bereitet sich für lange Reisen gut vor, lässt uns sogar hier und da an Landesinformationen teilhaben. Hauptbestandteil aller Erzählungen sind aber Nagels Gedanken und Einstellungen zu z.B. Hardcorefestivals in Istanbul, über seine Tauchpartner in Ägypten oder auch einfach nur zu Kuriositäten, wie sie in Deutschland zu finden sind. Anhand der ‚Beweis’fotos bekommt der Leser ein gewisses Gefühl, selbst dabei zu sein und vor allem, dass diese Erzählungen zu einem großen Teil der Wahrheit entsprechen. Auch Fotos können lügen, ja, auch wird Nagel seine Geschichten in gewisser Form modifiziert haben. Jeder würde das tun. Solange dabei ein so unterhaltsames Buch herauskommt, nehmen wir doch gerne eine gewisse Illusion in Kauf.

Never judge a book by it’s cover, heißt es im englischen Volksmund. Aber der Mainzer Ventil Verlag, bei dem sich sogut wie alle bekannten Popkulturautoren gesellen, hat sich nicht lumpen lassen und ein wirklich ansehnliches Buch aus Nagels Geschichten gemacht. Ein Hardcover mit Farbfotos in schönstem Design, bei dem nicht nur den Bibliophilen unter uns das Herz schneller schlägt.

Bisher erschienen sind von Nagel die Romane „Wo die wilden Maden graben“ (2007, Ventil Verlag) und „Was kostet die Welt“ (2010, Heyne Verlag).

Nagel (Foto: Harald Hoffmann)

Nagel (Foto: Harald Hoffmann)

Nagel auf Lesereise mit „Drive-By Shots“:

23.03.15  Frankfurt, Brotfabrik
24.03.15  Esslingen, Komm
25.03.15  Heidelberg, Karlstorbahnhof
26.03.15  Wiesbaden, Schlachthof
27.03.15  Essen, Zeche Carl
28.03.15  Bonn, Limes Musikcafe
29.03.15  Siegen, Vortex
30.03.15  Wuppertal, Hutmacher
31.03.15  Hamburg, Uebel & Gefährlich
10.04.15  Fürstenwalde, Park Club
12.04.15  Münster, Pension Schmidt
17.04.15  Gießen, Alte Kupferschmiede
19.04.15  Köln, WDR (1Live Klubbing)
21.04.15  Berlin, Fahimi
24.04.15  Bernburg, Hotel Wien
25.04.15  Altenburg, Finnegans
26.04.15  Darmstadt, 603 qm
27.04.15  Kassel, GoldGrube
28.04.15  Erfurt, Engelsburg
29.04.15  Leipzig, Werk 2
22.05.15  Trier, Ex-Haus
24.05.15  Mannheim, Maifeld Derby Festival
26.05.15  Köln, Die Wohngemeinschaft
05.10.15  Hannover, Bei Chez Heinz
06.10.15  Offenbach, Hafen 2
07.10.15  Mainz, Schon Schön
08.10.15  Stuttgart, Merlin
11.10.15  Wien, B72
12.10.15  München, Volkstheater
22.10.15  Flensburg, Volksbad
24.10.15  Osnabrück, Lagerhalle
25.10.15  Düsseldorf, Zakk
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