Und deswegen haut der jetzt mal auf den Tisch: Das Debüt Album von Adam Angst

Adam Angst - Cover

Adam Angst – Cover (VÖ: 20.02.2015 / Grand Hotel van Cleef)

Da ist einer wütend. Aus gutem Grund sogar. Die aktuelle politische und gesellschaftliche Lage steht Kopf und könnte kurz davor sein, in ziemlich hässliche Lager abzutriften. Die Platte von Adam Angst kommt genau richtig. Keine andere Platte könnte so punktgenau auf die 12 all das aufzeigen, worüber wir verdammt wütend sein sollten. Der Adam ist sehr gut im wütend sein. Und deswegen ist sein Debüt-Album so verdammt wichtig für genau jetzt.

Adam Angst ist alles, was wir hassen. Er ist die Verkörperung all unserer kleinen Fehltritte, jedes noch so dümmliche Klischee und das Rudel aller unserer Schweinehunde. Gleichzeitig ist er aber auch der, der im richtigen Moment auf den Tisch haut und schreit: So geht das nicht! Ja, er scheit. Und das verdammt gut. Er ist wütend und das soll auch jeder erfahren.

Bei Adam Angst handelt es sich um die neue Band um Felix Schönfuss. Seine markante Stimme ist jenen bekannt, die schon bei Frau Potz und Escapado mit den Füßen zum Takt stampften oder die Faust in die Luft reckten. Wütend sein konnte Felix also schon immer ganz gut. Als Adam trifft er passgenau und streut präzise Salz in die Wunde. Nämlich in die Wunden, die nicht heilen dürfen, weil sie noch immer argen liegen.

Da kommt Adam als Jesus Christ Superstar auf die Erde zurück, als wäre er John Nivens Roman ‚Gott bewahre‘ entsprungen. Erst will er nicht so richtig, sind die Menschen nicht gerade freundlich mit ihm umgegangen, so lässt er sich über 2000 Jahre später als Superstar mit eigenem Youtube-Channel zelebrieren. Weiter auf der Platte stellt Adam Feindbilder auf: Er wettert gegen Trash-TV, das Ausgehverhalten der Jugend an einem Freitagabend, die Abrechnung mit dem/die Ex-Freund/in, unseren eigenen täglichen Schweinehund namens ‚Ich würd ja gerne, hab aber keine Lust‘ und so manch anderes, was angeprangert gehört. Dass das alles texlich auf höchstem Niveau passiert, dürfte niemanden überraschen, der schon Felix‘ frühere Bands zu schätzen wusste. Die Band hinter Felix stellt sich aus Mitglieder der Bands Blackmail, FJØRT und Monopeople zusammen.

Nehmen wir doch die aktuelle Single ‚Professoren‘ als Beispiel, warum dieses Album so verdammt gut ist. In diesem Fall gilt das ‚aktuell‘ tatsächlich der seit Wochen entbrannten Diskussion, die gar keine Diskussion sein dürfte. Was im Video für mancheinen übertrieben dargestellt wird, ist leider Realität. Toleranz ist immer noch ein Wort, das nicht jeder begriffen zu haben scheint. Eine Schande. Man nimmt die Zeitung zur Hand, ließt, was in Paris und Kopenhagen geschehen ist. Es ist es völlig normal als erste Reaktion geschockt zu sein. Unbegreiflich ist das, zu was Menschen fähig sind, die an einer fixen Idee festhalten. Doch unsere zweite Reaktion sollte Wut sein. Doch wir dürfen nicht in reaktionäres Verhalten abrutschen. Wir sind klug. Wir müssen Zeichen setzen. Das Video von Adam Angst ist so eines.

Und wer kann bitte in einem 4 Minuten Song alle politischen Schieflagen der Welt zusammenfassen? Adam Angst kann das. ‚Splitter von Granaten‘ ist wohl der wichtigste Song dieser Zeit. Das ganze Album ist so vorherschauend geschrieben worden, dass es jetzt bei seiner Veröffentlichung zu allen aktuellen Brennpunkten seine Meinung liefern kann.

Natürlich ist Adam wütend. Auch ich bin wütend. Seit Jahren schon. Denn jeden verdammten Morgen schlage ich die Zeitung auf und weiß um all das Falsche in der Welt. Da bin ich sicherlich nicht die einzige. Noch schlimmer wird es, wenn einem bewusst ist, dass wir nur einen Bruchteil dessen überhaupt durch die Medien mitbekommen. Stichwort: Nachrichtenselektion. Doch anders ist das ja nicht ertragbar, als mit dem Blick auf den Fernseher mit Halli-Galli-Ablenkung. Auch ein Adam Angst kann sich davon nicht freisprechen. Aber es ist gut, dass da jemand ist, der rüttelt. Und damit das Rütteln nicht verebbt, ist es verdammt gut die Wut auf eine Platte zu packen. Für das immer wieder gerüttelt werden wollen, das uns davor bewahrt, gänzlich abgestumpft in den We love to entertain you-Abgrund zu stürzen.

Danke, Adam. Rüttel bitte weiter und reib noch mehr Salz in die Wunden. Das hat die Welt (leider wieder) gerade mehr als nötig.

Adam Angst aka. Felix Schönfuss

Adam Angst aka. Felix Schönfuss

Tourdaten ADAM ANGST 2015:

10.03.15 Köln, Underground
11.03.15 Hamburg, Molotow
12.03.15 Berlin, Cassiopeia
13.03.15 Dresden, Beatpol
14.03.15 Nürnberg, Club Stereo
15.03.15 Frankfurt, Elfer Club
17.03.15 Stuttgart, Keller Klub
19.03.15 Hannover, Chez Heinz
20.03.15 Oberhausen, Druckluft
21.03.15 Osnabrück, Glanz & Gloria

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One response to “Und deswegen haut der jetzt mal auf den Tisch: Das Debüt Album von Adam Angst”

  1. franko15 says :

    Eine herrliche und treffende Rezension – und ja bitte weiter rütteln und wütend sein, auch stellvertretend schreien für uns, die wir seltener gehört werden, oder uns nicht trauen. Neue Lieblingsplatte beim LieblingsBlog – Danke euch/dir 😉

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