„Danke Gehirnbrei“

schreibenWährend sich andere Leute eher den Kopf darüber zerbrechen, welche Platten ihnen 2012 am meisten zusagten oder sich um die ganz persönlichen Konzerthighlights kümmern, wendet sich mein Kopf anderen Dingen zu. Ich meine: Solche „Das waren die Alben 2012!“ gibt es gerade wie Sand am Meer. Da fehlt mir der Anreiz, mich dieser Musik-Polonaise anzuschließen. Stattdessen geht es bei diesem Artikel eher um die Frage: Wie zum Henker bin ich eigentlich zum Schreiben gekommen? Und warum über Musik?

Ich weiß noch, dass ich damals, als ich meine ersten Konzerte besuchte, immer den Drang hatte alles aufzuschreiben. Alles was passierte. Was mich zum Lachen brachte. Oder wo die Tränen zurückgehalten werden mussten. Das Herz kurzzeitig höher schlug oder warum ich an manchen Stellen den Kopf schütteln musste. Sowas eben. Und das alles handschriftlich. Teilweise auf zwei A4-Blättern verteilt. Es sollte mich an schöne Abende erinnern. Ich finde es immer schön, wenn man sich geschriebene Zeilen durchliest, die man zum Beispiel vor fünf Jahren verfasst hat. Denn plötzlich steht man wieder im Berliner Fritzclub. Man weiß teilweise noch, welche Klamotten man trug. Und wie die Atmosphäre war. Man schließt die Augen und schon sieht man sich vor der Bühne stehen. Sieht die Band Tomte vor sich & man selbst war völlig fasziniert.

Diese Erinnerungsstücke aus vergangenen Jahren. Irgendwann hatte ich sogar mal ein Heft angefangen, wo all die Konzertberichte reingeschrieben werden sollten. Aber wie das dann eben so ist: Man verliert die Lust daran.

2008 war ich dann wieder Feuer & Flamme! Ich hatte mir folgendes in den Kopf gesetzt: Ich muss Thees Uhlmann unbedingt vor das Diktiergerät bekommen! Warum ich das unbedingt wollte, weiß ich allerdings auch nicht mehr. Also: Warum gerade ein Interview? Ich wusste, dass die Aufregung mich auffressen würde. Trotzdem machte ich mich auf die Suche nach einem Onlinemagazin, welches dieses dann auch veröffentlichen wollen würde. Ja, 2008 hatte ich noch keinen Musikblog im Rücken. Fündig wurde ich dann bei Regioactive. Es wurde gemeint: Klar, gerne!

Das Interview lief. Naja. Es war mein allererstes. Das darf man nicht vergessen. Ob Thees es hören konnte, welchen Krawall mein Herz erzeugte? Ich glaube schon!

Aber irgendetwas faszinierte mich daran. Das Schreiben. Das Ausdenken von irgendwelchen Fragen. Das Abtippen danach ist teilweise schon die reinste Hölle, weil es verdammt viel Zeit in Anspruch nimmt & man in der Mitte gerne abbrechen möchte. Aber ist es dann fertig, strahlt man wie ein Honigkuchenpferd vor sich hin.

So blieb ich tatsächlich eine Weile bei Regioactive, weil mich das Schreibfieber gepackt hatte.

Aber irgendwann wollte ich mehr. Ich hatte da schon gemerkt, dass ich gerne andere Dinge ausprobieren wollte. Interviews konnte ich auch nur schlecht auf acht Fragen reduzieren. Dafür hatte ich einfach so vieles, was mich interessierte, worüber mir der Musiker, den ich vor mir zu sitzen hatte, Auskunft geben musste.

Ein eigener Musikblog musste her. & mit Doro fand ich dann auch noch die passende Teilhaberin für dieses Projekt.

Ich liebe es, wenn man seiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Ich mag keine 08/15 Interviews. Bei mir muss immer irgendetwas Besonderes dabei sein. Ob nun Karten oder Fotos. Hauptsache, es wird mir nicht langweilig. Und dem Musiker auch nicht. Denn ich weiß, dass manche Musiker unzählige Interviews geben müssen & sich dann auch schon die passenden Antworten quasi zurechtlegen. Und das möchte ich gerne vermeiden- diese Fragen, die es ständig zu beantworten gibt.

Andererseits mache ich es mir dadurch nur unnötig schwerer. Denn ich zerbreche mir teilweise über Wochen hinweg den Kopf darüber, was ich machen kann. Und wie oft habe ich schon die eine oder andere Idee wieder verworfen? Wie oft wollte ich schon ein Interview absagen, weil ich dachte: „Nee, das würde selbst mir nicht gefallen!“?

Das Schöne ist natürlich: Man kann seinen Lieblingsmusikern die Fragen stellen, die schon immer unter den Nägeln brannten. Zum Beispiel: Warum Dave Hause sofort aufhört den Song „Trusty Chords“ von Hot Water Music zu spielen, wenn er merkt, dass jemand mit filmt? Sowas alles. Aber wenn es dann tatsächlich die Herzensmusiker sind, die plötzlich vor dir sitzen, wird man wieder wie ein kleines Kind. Tollpatschig & aufgedreht. Aber das ist gut, finde ich. Denn dann weiß man, dass es einen wirklich viel bedeutet, dass man diese Chance überhaupt bekommt. Ich meine: Dieser Blog steckt einfach noch in Kinderschuhen. Lybe ist unbekannt. Und wenn dann ein Dave Hause sagt: „Wir machen das!“, dann ist das nur sehr schwer in Worte zu fassen.

Wollte ich vor zwei Wochen noch eine Schreibpause einlegen, sagte mir mein Kopf ständig: „Ey, ich habe da eine Idee!“ Das ist ein Fluch. Ich habe diese Pause nur einige Tage durchgehalten, denn ich hatte wirklich ständig auf dem Schirm, was noch gemacht werden muss oder möchte. Und ich hatte das Gefühl, dass mein Kopf bestimmt bald explodieren wird, wenn ich nicht bald wieder anfange mit dem Schreiben.

Und hier sitze ich nun. Im Wohnzimmer. Mit dem Laptop auf dem Schoß. WordPress geöffnet und diese Zeilen vor mir. Dieser Wunsch nach einer Pause. Aber andererseits dieser Drang, der mich fest im Griff hat.

Fluch oder Segen- Ich kann es nicht so genau sagen.

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One response to “„Danke Gehirnbrei“”

  1. Manuel says :

    Super Artikel! 🙂
    Tomte fassen es doch schon perfekt zusammen.
    Es ist eben Lybe.

    Grüße aus Hamburg

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