Wie lief denn eigentlich die Tour von…

Gaslight in Berlin.

… The Gaslight Anthem, Dave Hause & Blood Red Shoes? Puh. Ich war nun fast zwei Wochen unterwegs. Ich habe meinen letzten Urlaub in diesem Jahr damit verbracht, um unzählige Stunden in Zügen und vor der Bühne zu verbringen. Zwischen „Wann geht es denn nun endlich los?“, „Waren die beim Umbauen gestern auch so lahm?“ und „Ich möchte, dass diese Tour nie wieder endet!“. War am Anfang meiner Planung ein Offday in Wien verzeichnet, wurde dieser auch schnell wieder gestrichen, als ich mitbekam, dass Dave Hause eine Soloshow in Graz spielen sollte. Fucking Hell. Alles mitnehmen, was geht! So wurden kurz vor Abreise nochmal sämtliche Wien-Pläne über den Haufen geworfen. Und schon zwei Tage später begann die Tour.

Leider habe ich es nicht geschafft, über jeden Abend einen kurzen Bericht abzuliefern. Entweder hat die Zeit gefehlt. Oder das andere Mal die Lust auf das Schreiben. Tut mir leid! Deswegen habe ich mich dazu entschieden, das Erlebte in Interviewform zu pressen. Vielleicht gefällt euch das ja auch!

Warum hast du dich ausgerechnet für die Tour von The Gaslight Anthem entschieden?

The Gaslight Anthem waren mir eine sehr große Hilfe, als ich für ein komplettes Jahr ein ziemliches nervliches Wrack war. Lebensretter, wenn man so will. Gerade zu dieser Zeit habe ich die Alben hoch und runter gehört. Besonders „Sink or swim“ war mein ständiger Begleiter. Sie wuchsen mir immer mehr ans Herz. Und deswegen überlegte ich nicht lange, als es hieß, dass die Jungs im Oktober eine kleine Tour in Deutschland geben sollten. So bestellte ich mir alle Tickets dafür und fieberte der Tour entgegen.

Was hat dich diese Tour gekostet?

Viel Geld! Da ich eigentlich wirklich in jeder Stadt ein Hotelzimmer gebucht hatte, außer in Hamburg. Dazu noch die Bahnkosten. Konzertkarten. Verpflegung. Eine konkrete Zahl werde ich jetzt nicht nennen, sonst heißt es wieder: „Was? Das wäre doch auch billiger gegangen!“ Wäre es bestimmt, aber solang ich es mir leisten kann, ist alles gut.

Gab es auch mal den Moment, wo du dir gesagt hast: „Boah, ich will nicht mehr!“?

Ja, den gab es. Aber dieser Gedanke flackerte nur ganz kurz auf. Die ersten Tage der Tour hatte ich Probleme mit meinem rechten Fuß und humpelte nur so vor mich hin. Da hätten mich die vorhandenen Schmerzen fast zum Einknicken gebracht. Aber ich biss mich durch, machte das Beste daraus & die Schmerzen verließen mich dann auch am vierten oder fünften Tag langsam. Somit war auch dieser Gedanke schnell aus meinem Kopf verschwunden.

Wie genau sah der komplette Tourplan aus?

23.10. Revival Tour in Köln
24.10. Dave Hause in Lippstadt
25.10. Gaslight/Dave/BRS in Köln
26.10. Gaslight/Dave/BRS in Köln
27.10. Gaslight/Dave/BRS in Frankfurt
28.10. Gaslight/Dave/BRS in München
29.10. Gaslight/Dave/BRS in Wien
30.10. Dave Hause in Graz
31.10. The Divine Comedy in Linz
01.11. Gaslight/Dave/BRS in Hamburg
02.11. Gaslight/Dave/BRS in Berlin
03.11. Gaslight/Dave/BRS in St. Ingbert

Wie reagieren Leute darauf, wenn diese erfahren, dass man fast eine komplette Tour mitmacht?

Dave Hause in Lippstadt

Das ist tatsächlich sehr unterschiedlich. Wenige können es nachvollziehen. Die, die das können, sind auch selber leidenschaftliche „Tourer“. Andere hingegen gucken dich mit großen Augen und offenen Mund an. Nach dem Motto: „Dann bist du doch bestimmt Groupie, oder?“ Schön auch, als ich nach dem Konzert in Lippstadt angesprochen wurde, ob ich nicht am Vortag auch in Köln bei der Revival Tour war. Als ich dieses bejahte und ich gefragt wurde, ob ich in Lippstadt wohnen würde, ich verneinte und mit „Hamburg“ antwortete, bekam ich genau diesen entsetzten und fassungslosen Gesichtsausdruck zu spüren. Aber sowas bringt mich dann doch eher zum Lachen. Für mich ist das einfach normal, mich nicht nur zu Konzerten zu begeben, die sich in der Stadt abspielen, in der ich momentan wohne. Warum auch? Wenn ich das Geld und die nötige Zeit zur Verfügung habe, dann fahre ich auch mal ein paar Kilometer weiter. Was ist schon dabei? Es kam auch schon vor, dass ich deswegen wirklich schon als Groupie abgestempelt wurde. Aber bei diesem Begriff sehe ich sofort ROT. Da hört der Spaß für mich tatsächlich auf! Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal die Fresse halten!

Was ist das anstrengende an einer Tour?

Für mich dieses ständige aufraffen und unter Menschen zu gehen. Obwohl ich denke: Heute wäre mir einfach nach Bettgammel zumute. Oder einfach nur schlafen. Was ja auch ganz gerne zu kurz kommt. Nach ein paar Tagen wacht man mit Augenringen auf, mit denen man schon Dave Hause Konkurrenz machen könnte.

Und das Gegenteil davon: Was macht Spaß?

Diese Unabhängigkeit. Rumstreunen. Fremde Städte entdecken und lieben lernen. Wie zum Beispiel Graz! Love! Unerkannt bleiben. Jedes kleinste Detail aufsaugen, im Hirn abspeichern und immer wieder abrufen können. Erinnerungen, die einen niemand mehr nehmen kann. Punkt.

Es gibt ja viele verschiedene Arten von Konzertgängern. Welche gehen dir am meisten auf die Nerven?

Da hätten wir zum Beispiel die Gattung „Paare“. Ganz furchtbar! Einige Male mitbekommen und fast im Kreis gekotzt. Die Typen wollen ihre Freundin vor den bösen Leuten beschützen, die einen immer wieder „anrempeln“. Wie ein Fels in der Brandung steht dieser hinter seiner Geliebten und bestraft die übrigen Rüpel mit finsteren Blicken oder schubst auch mal ganz gerne. „Wir stehen hier bei Gaslight Anthem fast mittig in der zweiten Reihe und wollen bitte keinen Körperkontakt zu fremden Leuten haben!“

Blood Red Shoes, Berlin

Achja: Leute, die überhaupt keine Rücksicht auf die übrigen Konzertbesucher nehmen. Die Ellenbogen, Füße und sonst was zur Hilfe nehmen und damit doch eher wie wildgewordene Vollpfosten durch die Menge springen. Pogo, ausgelassene Tänze- alles kein Problem. Aber bitte mit Sinn und Verstand.

Leute, die nur bei „45“ oder „Handwritten“ total abgehen, sich aber bei den übrigen Songs eher gelangweilt in die erste Reihe stellen und den Securitytypen ihre volle Aufmerksamkeit schenken.

Und: Die Leute, die nur am Fotografieren und Filmen sind. Hass!

Und: Mädels, die sich Tonnen von Schminke in die Fresse klopfen, den Haarglätter überstrapaziert haben, sich in die feinsten (und engsten!) Klamotten gezwängt haben, um bei Brian einen guten Eindruck zu hinterlassen. Aber keinen einzigen Song mitsingen können.

Welcher „Konzertgänger“ bist du?

Irgendwas zwischen „Genießer“, „Bewunderer“, „Text mitsingen und dabei die Augen schließen“, „sich in die erste oder zweite Reihe gesellen & mitbrüllen“, „über die Witze und Streiche von Brian & Crew lachen“. Um diesen Dreh.

Ein paar Worte zu den Blood Red Shoes?

Ehrlich gesagt, kannte ich die vor Tourbeginn nicht wirklich. Hatte mir vorher eine Handvoll Videos angesehen, aber das hatte mich nicht wirklich gepackt. So sah ich sie dann das erste Mal im Kölner E-Werk. Und mir kam ihr Set so verdammt lang vor und ich wünschte mir, dass sie 2 bis 3 Songs weniger spielen würden.

Aber ich muss sagen, dass sie mich von Abend zu Abend mehr überzeugten. Wirklich! Irgendwann bekam ich sogar den einen oder anderen Ohrwurm ihrer Songs. Fand es auch etwas schade, dass sie es doch eher schwer hatten, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Denn sah ich mich manchmal so um, wie sie bei den anderen ankamen, sah man eher in ausdruckslose Gesichter. Okay, so ging es mir auch am Anfang mit ihnen.

Was mir aber sofort bei Sängerin LauraMary gefiel: Diese unbeeindruckte Art. Sie verzog kaum eine Miene, kam aber nichtsdestotrotz wie eine coole Sau rüber.

Schlagzeuger Steven zog mich dann doch sehr in seinen Bann. Wie ein Irrer trommelte er umher, der Ventilator, der sich an seiner Seite befand, sorgte dafür, dass er nicht zu sehr überhitzte. Sang sich um Kopf und Kragen und versuchte das Publikum zu animieren.

Doch. Das war schon ein guter Support! Hat bei mir zwar eine Weile gedauert, bis das Feuer entfacht wurde, aber besser spät als nie, oder?

Und was gibt es über Dave Hause zu sagen?

Herrje. Zu viel! Dieser Mann ist unglaublich. Ich hatte damals schon Freudensprünge gemacht, als rauskam, dass er ebenfalls als Support am Start ist. Aber ich wusste nicht, wie Dave in größeren Hallen angenommen werden würde. Sah ich ihn doch bisher in kleineren Clubs. „Wird er untergehen, wenn er nur mit Gitarre auf der großen Bühne steht & die Songs spielt? Wird das Publikum anfangen zu quatschen? Oder? Oder? Oder?“

Aber nichts davon passierte. Klar gab es hier und da Leute, die ihre Fresse nicht halten konnten. Aber zum größten Teil hatte Dave die Leute schon beim ersten Song auf seiner Seite. Es wurde mitgeklatscht und mitgesungen.

Dieser Mann hat einfach wahnsinnig viel Talent & umso mehr freute es mich, dass seine Musik Anklang fand. Ich gönne es ihm vom Herzen! Ich bin auch froh, dass ich diesen Kerl in diesem Jahr 17x erleben durfte. Und: Man hat noch immer nicht genug!

Deine persönlichen Highlights bei den Gaslight-Konzerten?

Für mich persönlich war es immer wunderbar, wenn Brian scheinbar einen guten Tag hatte & redete. Und redete. Und redete! Man steht dann nur da, hört diesem Mann zu, lacht und schüttelt gleichzeitig den Kopf. Oder wenn er selber vor Lachen während eines Liedes völlig zusammenbrach.

Oder wenn beim Song „American Slang“ nochmal Dave Hause die Bühne stürmte und es kleine Albereien zwischen ihm und Brian gab.

Man merkte einfach, dass Band und Crew wahnsinnig viel Spaß hatten. Abend für Abend.

Der Geburtstag von Schlagzeuger Benny wurde in Hamburg gebührend gefeiert. Mit jeder Menge Luftballons, Konfetti & einem herzerwärmenden Ständchen.

In Wien ging sprichwörtlich die Post ab. Flogen am Anfang eher leere Becher auf die Bühne, kamen dazu noch Kleingeld und sogar ein Schlips. Dave hielt es auch da nicht lange aus & kam mit Anlauf hinter der Bühne hervor und sprang in das überraschte Publikum & wurde auf Händen getragen, während er Gaslight auf der Bühne abfeierte.

Brian Fallon, Hamburg

Das letzte Konzert in St. Ingbert war etwas seltsam. Gab es bei den anderen Konzerten schon ab dem zweiten Song extreme Publikumsbewegung, passierte in St. Ingbert- nichts! Das war so absurd, weil man irgendwie noch genug Platz hatte und atmen konnte. Und das in der zweiten Reihe fast mittig. Meine Begleitung und ich sahen uns mehrmals verdutzt an, mussten aber doch sehr darüber lachen. Wir hatten unseren Spaß. Ich bekam irgendwann einen Lachanfall. Und ich habe das Gefühl gehabt, dass Brian das auch irgendwie mitbekam. Aber irgendwann taute das Publikum doch mal auf & schon war man mehrmals eingequetscht zwischen fremden Leuten. Doch. Für mich mit das beste Konzert, irgendwie.

Und ich hatte in dieser Stadt noch die Möglichkeit, Dave Hause einige Fragen zu stellen. Es war der dritte Anlauf während der Tour und am letzten Abend hat es tatsächlich geklappt! Mehr dazu: Zu einem späteren Zeitpunkt. Aber hier mal ein kleiner Ausschnitt daraus:

Und was gefiel nicht so?

Da fällt mir direkt eine Sache ein: Beim Konzert in Wien. Der letzte Song „Great Expectations“. Da hielt es tatsächlich jemand für nötig, ein Bengalo zu entzünden und in die Menge zu schmeißen. Einige bekamen das nicht mit- ich auch nicht. Bis die Band plötzlich den Song beendete, Brian die Hände über den Kopf zusammenschlug und meinte, dass man doch hier doch kein Feuer entzünden darf. Die Securitymänner rissen die Leute zur Seite und entfernten es. Bei der Band gab es ein Kopfschütteln nach dem nächsten und tauschten ungläubige Blicke untereinander aus. Brian vergewisserte sich, dass auch niemanden etwas passiert ist.

Aber trotzdem: hirnrissige Aktion, die das Konzert zum Schluss hin etwas in den Keller zog.

Du warst auch bei der Revival Tour in Köln dabei- dazu einige Worte?

Großartig! Klar war es schwer die Revival Tour im letzten Jahr mit Brian Fallon, Dave Hause & Dan Andriano zu toppen. Aber ich fand es für meinen Teil wirklich sehr sehr schön. Selbst mit Emily Barker wurde ich warm, kann ich doch eigentlich nur schwer weibliche Stimmen ertragen. Auf Cory Branan hatte ich mich im Vorfeld auch schon sehr gefreut, ebenso auf Rocky Votolato, den ich noch nie auf der Bühne erleben konnte, weil immer etwas dazwischen kam. Auch Jay Malinowski wusste zu überzeugen.

Aber meine heimlichen Favoriten werden wohl immer Chuck Ragan & Joe Ginsberg bleiben! Gott, wie ich diese zwei Männer liebe! Mein persönliches Highlight: Irgendwann wurde Joe Ginsberg ans Mikro geholt und Chuck nahm den Platz am Bass ein. Joe Ginsberg- eine wahre Rampensau! So hoffe ich für 2013, dass ein Platz für Baywood im Bus sein wird und wir somit viel mehr von Joe hören und sehen werden.

Schöner Abend war das! Und auch eine sehr sehr gute Aktion, dass man vorher Lebensmittel spenden konnte. Was ich tat. Ihr hoffentlich auch!

Vergleich der Soloshows von Dave Hause in Lippstadt und Graz!

Lippstadt: Eine wunderschöne kleine Stadt, in der es nach gebrannten Mandeln roch und sich irgendwie gleich wohlfühlte- auch bei der knackigen Außentemperatur. Support North Alone wusste zu überzeugen, mit seiner angehauchten Chuck Ragan- Stimme. Bei Dave Hause war es alles etwas verhalten. Dennoch wurde mitgesungen und geklatscht. Aber ich fand, dass der Funke nicht wirklich überspringen wollte. Ein guter Abend, der bereits schon kurz nach 22 Uhr beendet wurde. Bericht dazu: Klick!

Graz: Schon bei Ankunft in diese Stadt verliebt. Eh man den kleinen Club fand, fragte man sich durch, aber nicht viele wussten, wo überhaupt die Mondscheingasse zu finden war. Irgendwann fand man doch die richtigen Leute, die einen sogar bis fast zur Eingangstür begleiteten. Ach, waren die alle nett da!

Interview Dave Hause

Winziger Raum. Es durfte dort leider geraucht werden. Es gab gleich zwei Supportacts, die mich beide maßlos enttäuschten. Gott, wie grottig das war. Aber dann tauchte irgendwann Dave auf- und es war mit das beste Solokonzert, was ich von ihm sah. Neben seinem Auftritt damals auf der MS Hoppetosse in Berlin. Im Vorfeld habe ich mir schon den Song „I swear“ gewünscht. Und was soll ich sagen? Er hat es tatsächlich gespielt. Ich musste aufpassen, dass ich nicht gleich losheule oder nach dem Song auf die Bühne renne & diesen kleinen Mann umarme. Gänsehautfeeling.

Das Publikum übertönte größtenteils Dave Hause, er nahm dann einen Meter Abstand vom Mikro und übergab uns das Kommando. Er grinste dabei in sich hinein. Es war ergreifend. Der ganze Abend!

Songs, über die du dich immer am meisten gefreut hast:

„She loves you“ immer ganz vorne dabei. Aber auch „The Backseat“, weil er sich am Ende wieder so schön steigert. Ach, ehrlich gesagt: Es gab keinen Song, den ich scheiße fand.

Fazit:

Ich würde solch eine Tour immer wieder machen. The Gaslight Anthem sind bodenständige Typen geblieben, verbreiten gute Laune und haben einfach Spaß an dem, was sie machen. Und so muss das sein. Ich bereue keine einzige Sekunde. The Gaslight Anthem 2013? Ich wäre garantiert wieder am Start!

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