Perfektes Blog-Dinner im Olsen?

Damals war ich großer Ärzte-Fan. Alles wurde gesammelt. Jeder Bericht wurde im Fernsehen verfolgt. Und da blieb es nicht aus, dass man ständig etwas von der „Roten Gourmet Fraktion“ las. Das machte neugierig: Wer oder was steckt dahinter? Was hat die RGF mit Musik am Hut? Im Internet erste Recherchen angestellt und kurz darauf lag das Buch „Rote Gourmet Fraktion- Kochen für Rockstars“ vor mir. Ich las Wort für Wort. Zeile für Zeile. Seite für Seite. Ich habe es regelrecht verschlungen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die folgenden Zeilen, die sich auf der Buchrückseite befinden, erklären kurz und knapp, um was es sich bei der RGF handelt. Besser, als ich es je könnte:
„Die Nase voll vom normalen Restaurantbetrieb mit nörgelnden Chefkochs und langweiligen Speisekarten, fassten Jörg Raufeisen und Ole Plogstedt vor gut 10 Jahren einen Entschluss: Raus hier! Sie gründen die Rote Gourmet Fraktion als Caterings-Service für Musikbands auf Tour. Von Bela B. bekamen sie damals den ersten Job und fehlen bis heute auf keiner der großen Ärzte-Tourneen.“


Für mich damals natürlich noch viel interessanter, denn ich steckte zu dieser Zeit mitten in einer Kochausbildung. Und je öfter ich dieses Buch gelesen habe, umso größer wurde der Wunsch, selbst einmal ein Mitglied (wenn auch nur für eine kurze Zeit) der RGF zu sein. Reinzuschnuppern. Erleben, wie man sich auf engsten Raum eine provisorische Küche einrichtet. Und darin auch noch kocht. Zu lernen. Und eventuell doch noch das Feuer für diesen Beruf zu entfachen.

Viele Jahre später zappte ich im Fernsehen rum. Blieb bei RTL 2 hängen. Die Kochprofis liefen. Und auf einmal sah ich ein bekanntes Gesicht: „Moooooooooment! Ist das nicht..? Ach, klar! Das ist er doch! Ole Plogstedt, verdammt nochmal!“ Den wird man aber auch nie los!

Vor 2 ½ Jahren zog ich nach Hamburg. Jetziger Wohnort in Eimsbüttel. Und irgendwann las ich: Ole Plogstedt eröffnet ein Restaurant in Hamburg. Das Olsen. In der Bellealliancestraße. Ich konnte es nicht fassen, denn das ist in unmittelbarer Nachbarschaft. Keine 5 Minuten zu Fuß entfernt. Verfolgt mich Ole etwa? Oder ich ihn? Bis jetzt habe ich noch keine Antwort darauf gefunden. Schicksal, behaupte ich einfach mal an dieser Stelle.

Sehr oft vorgenommen, und am 8. August auch endlich geschafft: Ein Besuch im Olsen. Mit der geschätzten Lieblingstape- Besitzerin Ara.

Foto: Von der Olsenbande.

Foto: Von der Olsenbande.

Schönes Wetter begleitete uns, als wir aufbrachen. Nicht zu kalt, nicht zu warm. Die Sonne drehte ihre Runde. Angekommen. Die erste Frage, die wir uns stellten: Wollen wir rein oder doch die Terrasse in Anspruch nehmen? Wir entschieden uns für Letzteres. Das Olsen liegt in einer ruhigen Nebenstraße, sodass es recht angenehm war, sich nach draußen zu setzen. Man konnte so auch gut die Leute beobachten, die vorüberzogen.

Den passenden Tisch gefunden. Wir saßen keine 10 Sekunden, schon kam uns eine gutgelaunte Dame entgegen (leider steht auf der Rechnung kein Name der Kellnerin, deswegen nennen wir sie einfach mal: Dame mit der Tätowierung auf dem Oberarm! Auch nett.), die uns prompt Sitzkissen rüberreichte. Ja, wir waren doch recht pünktlich zum Abendgeschäft da. Vielleicht etwas zeitig. Aber wir werden noch am Timing arbeiten!

Nichtsdestotrotz: Ein mehr als netter Empfang.

Für mich persönlich auch sehr wichtig: Es ist ein kleines feines Restaurant. Es gibt dort keinerlei Spießigkeit. Eher im Gegenteil: Es geht locker zu, möchte man meinen. Und das hat mich gleich am Anfang mehr als überzeugt.

Entschuldigung, aber ich finde, dass es nichts Schlimmeres gibt, als den Gast in den Arsch zu kriechen. Und etwas Aufgesetztes dabei im Spiel ist. Dieses überfreundliche, was man hier und dort an Kellnern in diversen Restaurants antreffen kann. Muss das sein? Nein! Natürlich steht der Gast an erster Stelle. Keine Frage. Aber muss man das so offensichtlich zeigen, dass man schon fast kotzen möchte? Ich weiß, wovon ich rede. Aber: Ich schweife ab!

Kommen wir zur ersten Bewertung: Für den Wohlfühlfaktor vergeben wir 5 von 5 Sternen!

Während wir die Karte durchblätterten, konnte man uns das ein oder andere Mal sicherlich leise seufzen hören. „Was soll man denn da nehmen? Das hört sich alles sehr gut an! Was nimmst du? Was? Wo steht das? Ach da! Mmh, ist bestimmt gut. Oder was sagst du dazu? Ich kann mich nicht entscheiden!“

Schließlich wählte ich die vegetarische Lasagne. Mit allerlei Tomaten.

Seltsam. Mag ich Tomaten zum Beispiel nicht wirklich. Also im rohen Zustand kann man mich mit dem Zeug jagen. Mein Opa ist damals immer schon gescheitert, als er mir diese andrehen wollte. Aber nun saß ich in einem Restaurant und bestellte Lasagne. Mit viel Tomaten. Aber zu meiner Verteidigung: Diese hatte ich auch nicht roh zu erwarten.

Während wir warteten und an den Getränken nippten, brachte uns die Dame mit dem tätowierten Oberarm (Ha, die Beschreibung macht sich gut, nicht wahr?) einen leckeren Kräuterdip, frisches Brot und kalte Fenchelsuppe (in der Flasche) an den Tisch. Das Brot und der Dip waren der Renner. Mit einfachen Sachen kann man uns bereits zufrieden stellen.

Die kalte Fenchelsuppe war das andere Thema: Meinen Geschmack hat diese leider nicht wirklich getroffen. Leicht ölig kam diese daher. Dennoch: Schöne Idee, diese so zu servieren. Aber wie alles im Leben: Es ist Geschmackssache.

Deswegen vergebe ich für den kleinen „Einheizer“ 4 von 5 Sternen.

Lieblingstape-Ara bekam ihre Vorspeise gebracht. Tomatensuppe. Auch mir lieferte man einen Löffel, sodass ich probieren konnte und nicht so lange auf den Hauptgang warten musste.

Der erste Löffel von der Suppe: „Ja, ist okay.“
Der zweite Löffel: „Die Suppe hat irgendetwas an sich.“
Der dritte Löffel: „Kann es sein, dass die Suppe bei jedem Probieren besser wird?“
Der vierte Löffel: „Oh mein Gott. Das trifft tatsächlich zu!“
Der fünfte Löffel: „Meine Fresse, ist die lecker! Meeeeeehr, bitte!“

Wäre es meine eigene Vorspeise gewesen, hätte ich sogar locker mehr als 5 Punkte vergeben!

Danach folgte der Hauptgang. Für mich gab es die Lasagne, Ara bekam die selbstgemachten Tagliatelle.

Tomatenstapelei. Foto: Ara.

Als ich den Teller vor mir stehen hatte, fragte ich mich als erstes: Wie zum Henker soll ich das jetzt essen? Es war so schön angerichtet, dass ich es eigentlich nicht zerstören wollte. Zumindest nicht mit brachialer Gewalt. Ein geschichteter Tomaten- Traum. Man tastete sich vor: Schicht für Schicht. Der Bauch wurde immer voller, der Teller leerer. Ein abgerundetes Geschmackserlebnis.

PositiverNebeneffekt: Ich verlor die „Angst“ vor dem roten Gemüse.

Tagliatelle. Foto: Ara

Aber kennt ihr das auch: Ihr seid irgendwann so satt, dass nichts mehr reingeht? Diesen Punkt hatte ich irgendwann erreicht. Leider befand sich noch was auf meinem Teller. Und ich hasse das. Denn man weiß genau, welche Frage einen dann ereilt: „Hat es dir nicht geschmeckt?“ Bäm. Schon steht man da und denkt: Egal was ich jetzt sage- man wird es mir bestimmt nicht glauben. Wie vermittelt man einer Person, dass es wirklich gut geschmeckt hat, man aber echt nicht mehr kann? Ja, das ist unheimlich schwierig.

Der Hauptgang war lecker. Punkt. Auch, wenn ich nicht alles essen konnte.

Somit kann ich dafür ruhigen Gewissens 5 von 5 Sternen vergeben.

Fassen wir zusammen: Ein gemütliches Restaurant in Eimsbüttel. Lockeres Personal. Leckeres Essen. Auch für Vegetarier/Veganer perfekt. Faire Preise.

Wer also mal in der Nähe sein sollte: Stattet dem Olsen einen Besuch ab! Ihr werdet begeistert sein. Versprochen!

Restaurant Olsen: Klick!

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Lieblingstape: Klick!

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