Eine Lybe zur Musik, eine Lybe zu Tomte.

Kennt ihr das auch? Ihr schaut euch ein Video von eurer absoluten Lieblingsband an. Und es fängt an zu rattern im Kopf. Erinnerungen kommen hoch. Man sieht sich auf einmal wieder zurück ins Jahr 2006 versetzt. Damals schrieb mir jemand: „Kennst du die Band Tomte? Hör mal rein, es könnte dir gefallen!“ Ich klickte auf den beigefügten Link. Und hörte zum ersten Mal den Song „Ich sang die ganze Zeit von dir“. Und es gefiel. „Tomte spielt am 25. März im Berliner Fritzclub. Willst du mitkommen?“ Ich sagte zu. Klickte mich bis zu diesem besagten Datum quer durch sämtliche Videos.

25. März 2006. Berlin Ostbahnhof. Fritzclub. Einlass lief bereits. Als Support waren die Kilians dabei. Viel Andrang herrschte noch nicht, sodass man sich in aller Ruhe Richtung Bühne bewegen konnte, ohne böse Blicke zu ernten. So fand ich mich plötzlich links vor der Bühne wieder. Mir gefiel diese Band. Man merkte ihnen an, dass sie etwas aufgeregt waren. Aber das machte sie irgendwie sympathisch.

Danach begann das Warten. Zu dieser Zeit war das Album „Buchstaben über der Stadt“ frisch auf dem Markt. Songs, wie „Was den Himmel erhellt“, „Walter & Gail“ oder „New York“ setzten sich im Gehörgang fest. Und sorgten für wiederkehrende Ohrwürmer.

Und da kamen die Herren auch schon auf die Bühne: Dennis, Max, Timo , Oliver & Thees.

Vor mir befand sich Oliver. Schön mit anzusehen, wie er im Takt tänzelte. Ich hatte immer etwas Angst, dass er sich im Kabel verheddern würde, aber das blieb ihm Gott sei Dank erspart.

Max am Keyboard. Er machte eher einen zurückhaltenden und schüchternen Eindruck. Verzauberte aber gekonnt mit einem Lächeln.

Timo Bodenstein. Foto: Christian Erkes

Timo Bodenstein am Schlagzeug. Im glatzköpfigen Format. Der Fels in der Brandung. Es kam so rüber, als ob er auch locker im Schlaf hätte trommeln können. Ich hätte es ihm zugetraut. Aber andererseits dachte ich auch: „Also im Dunkeln möchte ich Timo nicht begegnen!“

Dennis auf der rechten Seite. Einer, der scheinbar über alles Witze reißen konnte. Und es war so schön, als man ihn während der Ansagen von Thees im Hintergrund lachen hören konnte. Und das steckte an. Wahrscheinlich der Schelm aus der Band. Irgendwie habe ich ihn damals immer gerne mit Michel aus Lönneberga verglichen. Ob er auch ständig irgendwelche Streiche spielte?

Thees Uhlmann. In seiner legendären Lederjacke. Mit der Zahnlücke, die bei jedem Grinsen zum Vorschein kam. Der irgendwann schwitzte wie nichts Gutes, aber sich dennoch nicht von der Jacke trennen konnte. Der Geschichten erzählte, untermauert mit wilden Gestikulationen. Der die Vokale in den Songs bis zum äußersten zog. Aber nie so weit, dass es nervig wurde.

So lernte ich Tomte kennen. Und lyben.

Im Jahr 2007 sah ich Thees Uhlmann häufiger. Ich bin extra nach Hamburg zum Dockville Festival gefahren, weil er dort zusammen mit Hilmar Bender eine Lesung gab. Und ich kann mich bis heute dafür treten, dass ich mir danach nicht noch Robocop Kraus ansah, sondern stattdessen den Weg vom Festivalgelände suchte.

Ich fuhr nach Remscheid, wo Herr Uhlmann alleine spielte. Open Air. Und das Publikum war bereits am frühen Nachmittag betrunken. Es ähnelte auch eher einem kleinen Stadtfest, als alles andere. Die Kilians spielten am selben Tag. Auch sie hatten es nicht gerade leicht, gaben trotzdem ihr Bestes.

Im Oktober fuhr ich mit einem Freund zusammen nach Halle. In einem winzigen Club spielte Thees seine Songs und ich merkte, wie der Sauerstoff immer knapper wurde. Dazu kam, dass fröhlich weiter geraucht werden durfte und es scheinbar niemand anderen störte. Als das Konzert irgendwann zu Ende war, dachte ich: Gott sei Dank! Und stürmte raus an die frische Luft. Ich roch, als ob ich gerade fünf Stangen Zigaretten intus gehabt hätte.

Nagel mit Köpfen fand auch noch 2007 statt. So zog es mich nach Karlsruhe, Berlin & Regensburg, um den Gesprächen von Nagel, Hilmar & Thees zu lauschen. Und zu sehen, wie an Bier und Wein genippt wurde und sie sich immer mehr anstachelten.

2008 wurde mein persönliches Tomte-Jahr.

Ich weiß zum Beispiel noch ganz gut, als Tomte auf dem Red Bull- Bus in Hamburg spielen sollten. So fuhr ich mit dem Zug bis nach Stendal. Dort sackte mich jemand ein und es ging mit dem Auto bis nach Hamburg. Da wir etwas in Zeitdruck waren, fuhr der Herr etwas schneller. „Du weißt, dass du etwas zu schnell…“Ich konnte den Satz nicht beenden, denn schon kam der Blitz! Welch eine teure Fahrt, nur um diese Band nicht zu verpassen!

Oder der Auftritt in einem kleinen Abstellraum im Hamburger Media Markt. Es passten wahrlich nicht viele Leute rein. Die, die zu spät kamen, mussten dann leider draußen bleiben.

Foto: Christian Erkes

Viele kleine Auftritte sah ich, bis Anfang November die Tour startete. Und ich mir vorher überlegte: „Verdammt! Ich muss unbedingt ein Interview mit Thees Uhlmann machen!“ Damals besaß ich noch keinen eigenen Blog. So schrieb ich irgendwann Markus von Regioactive an, ob Interesse bestünde, dieses Interview dann später zu veröffentlichen. Hat funktioniert & so stand auch fest, dass das Interview im Capitol in Hannover stattfinden sollte. Ich war vielleicht aufgeregt, das kann man sich nicht vorstellen! Hände und Stimme zitterten, als er vor uns saß und es losgehen konnte. Ich klammerte mich regelrecht an den Zettel, auf denen die Fragen standen. Und ich hatte Angst, dass Thees mein Herz klopfen hören konnte. Weil es mir selbst schon so vorkam, als ob es wahnsinnig laut war. Aber so ist das wohl, wenn man Musiker verehrt & diese dann plötzlich vor sich sitzen hat, oder? (Interview: Klick!)

Ich weiß nicht mehr warum, aber wir hatten Thees noch etwas mitgebracht: Ich habe ihm etwas Alkoholisches überreicht. Und ein Feuerzeug, wenn ich mich nicht irre. Und von Nico, der mich damals begleitete, gab es eine nagelneue Nasendusche. Haha… Ob diese Sachen wohl Verwendung fanden?

8 Konzerte nahm ich von dieser Tour mit. Es waren die 8 besten Abende, die ich erleben durfte. Und ich war wahnsinnig froh, dass sie Novillero als Support dabei hatten, in die ich mich auch unsterblich verliebte.

Tomte. Diese Band wird für immer meine Lieblingsband bleiben.

Undes bricht mir verdammt nochmal das Herz, dass diese auf Eis liegt. Ich meine: Ich mag auch seinen Solokram, so ist es nicht. Aber für mich bleibt es eher ein „Nebenprojekt“. Ich kann verstehen, dass er mal ausbrechen und neue Sachen auf die Beine stellen wollte. Neue Band, neue Songs, neues Glück!

Max. Foto: Christian Erkes

Aber dennoch: Die Songs von Tomte werden unerreichbar bleiben. Mir fehlt die alte Band. Ich möchte endlich wieder die Lieder hören, die mir so unsagbar viel bedeuten! Von „Das war ich“, und „Endlich einmal“, über „Heureka“ bis zu „Das Orchester spielt einen Walzer“. Einmal quer Beet.

Die Schönheit der Chance“ darf dabei natürlich auch nicht fehlen. Denn wie schön war das bitte immer, als am Ende das Publikum den Gesang übernahm, die Band sich hinsetzte & es in vollen Zügen genoss?

Ich habe mir heute, nachdem ich die ganzen alten Songs schon ewig nicht mehr gehört habe, einige Videos angesehen. Und es fühlte sich so gut an. Aber andererseits schmerzt es auch furchtbar, denn: Wird es mit Tomte überhaupt nochmal weitergehen? Oder war es das? Es ist einfach diese Ungewissheit. Keiner weiß was. Es wird totgeschwiegen.

Wird es in Zukunft wieder eine Tour geben? Oder sogar ein neues Album? Oder nichts davon? Es ist nicht schön, wenn die Lieblingsband irgendwo begraben liegt. Und man diese schmerzlich vermisst.

Somit heißt es wohl: Weiter warten. Auf ein Statement. Auf irgendetwas.
Vielleicht gibt es ja eine Aussage zu diesem Thema, wenn am 26. August das 10-jährige vom Grand Hotel van Cleef gefeiert wird. Denn dort gibt es Tomte zu sehen- in Originalbesetzung! Also Daumen gedrückt, dass man irgendetwas Positives raushören kann, wenn es um die Zukunft dieser Band geht!

Und ich bin wahrscheinlich nicht alleine damit, wenn ich sage: Soloprojekt schön und gut. Aber es darf auch bald wieder mit Tomte weitergehen!

Vor der Bühne stehen. Die Songs zu singen, die einen nun schon seit guten 6 Jahren die Treue halten. Und mit einer Träne im Auge den Abend mit folgenden Sätzen beenden:

„Die Schönheit der Chance, dass wir unser Leben lieben, so spät es auch ist. Das ist nicht die Sonne, die untergeht. Sondern die Erde, die sich dreht.“ (Klick!)

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One response to “Eine Lybe zur Musik, eine Lybe zu Tomte.”

  1. Manuel says :

    Amen! Man kann nur hoffen, dass die Erde sich bald gedreht hat und man wieder Sonne sieht.
    Lybe!

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