Jetzt mal Butter bei die Fische!

Renke sein Name. Das Label Zeitstrafe seine Arbeit. Nein, vielleicht doch eher sein Leben. „Zeitstrafe..Wann kam mir dieser Name das erste Mal unter die Augen?“ Das dürfte gewesen sein, als ich das Interview mit Rainer G. Ott (Grand Hotel van Cleef) und Lars Lewerenz (Audiolith Records) hatte. Danach immer wieder mal. Und letztens, als ich Henri Parker zu Gast hatte & er mich erneut auf Zeitstrafe brachte. „Ha! Mensch. Ich schreib gleich mal eine Mail hin. Vielleicht möchte Renke ja einige Fragen beantworten!“ Ein Blick auf die Homepage brachte mich bei den FAQs zum Lachen. Etwas rotzig. Frech. Pampig. Das liebe ich ja!

Deswegen bekam der Herr auch dazugehörige Fragen geschickt. Fand ich passender! Und es hat auch ganz gut funktioniert, obwohl sich Renke doch schon sehr zusammengerissen hat. Test bestanden, würde ich mal sagen!

Wat? Wer bist du denn?

Moin, ich bin Renke und mache das Label Zeitstrafe.

Haste vorher auch mal was Vernünftiges angestellt, eh du mit Zeitstrafe um die Ecke gekommen bist?

Prust. Gacker. Nee, ich habe tatsächlich nichts Vernünftiges gelernt. Ich habe mal angefangen, Politikwissenschaft zu studieren. War aber Quatsch und den Studentenstatus habe ich nur verwaltet, um günstig versichert zu sein und im Winter billigen Glühwein in der Mensa zu trinken. Ich hab auch keine Ausbildung und ein schlechtes Abi. Gott, ich bin am Arsch.

Ich glaub, es hackt! Seit wann ist dir Mukke denn so wichtig?

Ich habe ein schlechtes Gedächtnis und kann die Frage nur lückenhaft beantworten. Also meine Eltern hatten einen riesigen Platten-Stapel und haben sehr viel gearbeitet, darum habe ich mich oft alleine mit ihm beschäftigt. Da blieb sicher was hängen. Meine Mutter hat mir auch mal erzählt, dass ich schon als Kleinkind immer die Sachen aus dem Radio mitgesungen hab, süß. Ein Schlüsselerlebnis war sicherlich, dass mein großer Bruder die „Appetite For Destruction“ LP von Guns N‘ Roses zum Geburtstag bekommen hat. Die hat er mir dann überspielt und ich habe sie den ganzen Tag gehört. Ich war total besessen davon und wurde zum Ultra GN’R Fan, so richtig mit Fan-Ordner anlegen, etc. Da muss ich so 7 Jahre alt gewesen sein. Seitdem finde ich Rockmusik gut.

Sach mal…! Wer hat dir denn eigentlich diesen verdammten Floh ins Ohr gesetzt? Warum hast du damit angefangen? Warum nur..?

Es ging 2003 los, da hab ich die erste Vinyl- Single von drei Freunden von mir veröffentlicht. Die hatten eine Band, die ich gut fand. Es ging auch nur darum. Es ist also nicht so, dass ich da schon das Label „gegründet“ habe, mit der Intention, irgendwann viele Releases zu haben und Gewerbeamt da, Steuererklärung hier. Das war einfach nur: Punk schockt, DIY schockt, Platten schocken, ich häng bei der Band im Proberaum ab und will auch was machen, also bring ich die Platte raus und helf ihnen beim Konzerte finden. Normal.

Zeitstrafe? Versteh ich nicht! Erklär mal, was das soll!

Was folgt ist sehr langweilig! Ich wollte einen Namen mit „Zeit“ drin, weiß nicht mehr, warum. „Zeitgeist“ fand ich super, gab es aber schon. Dann bin ich alle Wörter durchgegangen und Zeitstrafe erschien irgendwie ok und ich mochte den Sport-Bezug. Gibt’s ja bei Hardcore-Bands und Labels oft (siehe Bands wie Highscore oder Sportswear, Mailorder wie XFairplayX, usw…). Darum – wegen Hardcore! Zum Glück ist dann aus Zeitstrafe ein gayes Arty-Farty-Post-Punk-Irgendwas Kollektiv geworden und kein „richtiges“ Hardcore Label. Dafür danke ich dem Allmächtigen täglich.

Welche armen Musiker mussten dir bereits ihre Seele verkaufen?

Sie tragen so illustre Namen wie Charlotte Simon oder Malek Scharifi. Insgesamt sind es um die Sechzig. Man sieht, ich kenn total viele Leute, was arg cool ist. Viele von ihnen sind Künstler und wir rauchen oft zusammen, trinken Wein und hören analytisch Musik. Es bedeutet uns aber nichts in dem Moment. Gar nichts!

Du arbeitest nur mit „Freunden“ zusammen? Kein anderer darf dich mal doof von der Seite anmachen und sagen: „Ey, Diggah! Ich hab ´nen Tape von meiner Band dabei. Willste nich mal reinhören..?“ Warum stellst du dich so quer?

Ach, das behauptet doch heutzutage jeder Hans und Franz. Jedes Label, jede Band, jedes Magazin, jeder Booking-Kram…. alles passiert nur noch ausschließlich aus Leidenschaft und mit gaaaanz viel „Herzblut“ (Scheißwort) drin. Und klar, natürlich arbeitet man dabei NUR mit Freunden zusammen. In der gesamten Musikszenerie gibt es scheinbar nicht eine  Geschäftsbeziehung mehr. „Ja, dings, wir haben jetzt auch einen Booker und einen Manager, aber das sind seit hundert Jahren unsere engsten FREUNDE“. Sowas wirkt total romantisch. Falsche Realness als coole Außendarstellung und Verkaufsargument. Ich will Wörter wie Freundschaft oder Leidenschaft nicht inflationär benutzen, bis sie nichts mehr wert sind. Musik von Menschen zu veröffentlichen, zu denen ich keine persönliche Bindung habe, erscheint mir dennoch absurd und in meinem Umfeld passiert einfach genug Musik, die für mich und das Label interessant ist. Darum der „Ich möchte keine Demos“  – Satz in den FAQs.

Musiklabels gibt es wie Sand am Meer. Meinste doch auch, oder? Und da ich gerade etwas ratlos bin, frage ich einfach nach: Stichst du aus diesem meterlangen Sandstrand irgendwie heraus?

Das kann ich nicht selber beurteilen. Für mich ist das Label natürlich etwas Besonderes, aber inwiefern es irgendwo heraussticht, oder auch nicht, weiß ich nicht.

Sag mir jetzt nicht, dass du schon irgendwelche Sachen mit so einem überflüssigen Musik-Ding erreichen konntest!? Und lüg mich jetzt ja nicht an!

Dieses Musikding ist für mich kein Sport, kein Wetbewerb, bei dem es etwas zu erreichen gibt. Es sind vielmehr viele kleine schöne Erlebnisse, die das Label für mich durchaus zu einer großen Sache machen. Zeitstrafe ist aber nachwievor ein kleines DIY Label, welches nie eine Platte in den Charts haben wird und deren Bands niemals Zweitausender-Hallen füllen werden. Sowas gilt wohl gemeinhin als Erfolg, den man vorzeigen und verwerten kann. Für mich sind es wie gesagt tausend kleine Schnippsel, die alle aufzuzählen würde den Rahmen dieses Internets sprengen.

Komm schon! Du wolltest das Label garantiert mal von der Brücke werfen oder von einem Auto überfahren lassen. Ist doch so, oder?

Nein, nie ernsthaft. Klar ist man mal wegen irgendwas genervt, was die Labelarbeit mit sich bringt, aber das liegt dann eher an der Sache an sich, als am Label. Ich stell mir das so vor, wie wenn man ein Kind hat, was mal krank ist und den ganzen Tag kotzt. Die Kotze ist sicherlich unschön, aber sie führt ja nicht dazu, dass man das Kind weniger mag. Tolle Metapher, macht einen ganz ergriffen. Zum Glück hab ich noch etwas sarkastisches hinterhergeschrieben, so dass ich mein Gesicht vor den Saturierten gewahrt habe.

Besitzt du eigene Sklaven, die dir den Arsch hinterhertragen müssen?

Im Prinzip bin das Label nur ich und ich mache fast alles alleine, oder eben zusammen mit den Bands. Davon ab hab ich natürlich auch Leute, die immer mal wieder helfen, z.B. Benjamin Kleemann von Black Ink Press bei Grafik und Druck.

Was kotzt dich denn so richtig an dieser Labelsache an? Raus damit!

Mich kotzt nichts richtig an, ernsthaft.

„Spaß“ und „Arbeit“. Diese Dinge passen doch nicht zusammen. Oder etwa doch?

Egal! Diese Einordnung „Spaß“ = super, positiv, geilgeil und „Arbeit“ = abfuck, negativ, schlimmschlimm finde ich blöd bzw. sie greift für mich nicht. Das, was gemeinhin als „Spaß“ gilt, schlaucht meiner Meinung nach oft viel mehr, als sogenannte Arbeit und nutzt sich nicht weniger schnell ab.  „Spaß“ kann genauso stumpf, dämlich und stressig sein, wie (Lohn-)Arbeit.  Und Arbeit kann etwas total Schönes, Beruhigendes und Erfüllendes sein. In Bezug auf mein Label denke ich relativ wenig darüber nach, ob das, was ich mache, sich wie Spaß anfühlt oder wie auch immer. Wie sagt Laura von Against Me! so schön: „We’d do it all because we have to, not because we know why“. Das trifft es für mich.

Falls sich dieses sogenannte Label über Wasser halten sollte: Welche Höllenqualen werden wir in naher Zukunft noch durchleiden müssen?

Yo, im Herbst stehen drei neue Veröffentlichungen an. Shit is dope.

Letzte Worte?

Dankeschön.

Danke, Renke!

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