Henri Parker im Kartenrausch, Teil 1: „Das gibt tiefe Einblicke!“

Henri Parker & the Lowered Lids

Henri Parker. Die erste Begegnung? Wo war das noch gleich? Ach, ich weiß wieder: Als Tigeryouth in der Astra Stube in Hamburg spielte, saß dieser Herr an der Theke. Irgendwann kam man ins Gespräch. Landete bei seiner Musik und diesem Blog. Ich konnte ihn dort noch nicht richtig zuordnen, bis ich auch mal fragte, unter welchem Namen er überhaupt Musik machen würde. Henri Parker seine Antwort, schon ratterte es im Kopf. „Henri Parker…Henri Parker.. Mensch, bei dem habe ich doch letztens erst reingehört! Und ich fand es gut!“ Hallo, Zufall! Irgendwann traf man sich vor dem Grünen Jäger wieder, wo er mir seine neue Platte „Mutual Ties“ feierlich überreichte. Und wie schön ich einfach dieses Cover fand und noch immer finde! Ab da ratterte es noch mehr im Kopf: „Wie mache ich das nun? Ich lasse mir dafür irgendetwas einfallen. Eine stumpfe Rezension kann doch mittlerweile jeder schreiben..“

Im Halbschlaf kam mir dann folgende Idee: Kartenbingo. Dies war der Oberbegriff, der plötzlich aus dem Nichts auftauchte. „Bingo muss es ja jetzt nicht sein. Aber Karten? Karten wären super!“ Diese Notiz kritzelte ich mir auf ein Stück Papier und hoffte, dass ich es am Morgen noch entziffern könnte. Ich konnte es. Edding & zwei Kartenspiele wurden gekauft. Darauf schrieb ich abwechselnd je einen Song von der Platte und für Zwischendurch ein paar andere Fragen.

Diese wurden von mir und Henri (leider ohne Gunnar, sodass sich Henri alleine mit den vielen vielen Fragen auseinandersetzen musste…) abwechselnd gezogen und was dabei rauskam könnt ihr jetzt lesen:

„This Floor“

Dies ist der dritte Song auf der Platte. Was fällt mir dazu ein? Das ist der Song, bei dem wir alle zusammen bei der Aufnahme diesen Engelschor gemacht haben. Und das gefällt mir daran am allerbesten. Helge (früher Escapado) hatte mega bock gehabt, bei dieser Platte mitzusingen. Er ist mittlerweile verheiratet und Vater. Er hat gesagt: Wenn wir aufnehmen, dann sollen wir auf jeden Fall Bescheid sagen und er kommt vorbei. Er hat dann Frau und Tochter mitgebracht. Eigentlich war ich darauf nicht wirklich vorbereitet und habe überlegt, wo er mitwirken könnte. Er hat erst mal bei „Thousend Man“ den Refrain gesungen. Danach wurde weiter überlegt. Seine Frau erzählte, dass sie in einem Chor ist. Erst wollte sie nicht mitsingen, entschied sich dann aber doch dafür. So haben wir uns alle ein paar Mal hingestellt und eingesungen. Matze, der das aufgenommen hat, spielte dabei den Dirigenten.

Der Song handelt von keiner bestimmten Person. Es geht um Menschen an sich, die schlecht nein sagen können, es anderen Leuten immer recht machen wollen und dadurch ausgenutzt werden, bis diese sich verschließen.

Angefangen hat der Song mit der Zeile „This floor, it´s so forgiving.“ Denn beim Proben ist uns eine Cola umgekippt- direkt auf den Teppich. Und das ließ sich nur sehr schwer wegwischen. Damit fing der Song an und hat sich so entwickelt.

Peinliche Bühnenerlebnisse!?

Eigentlich ist jeder Auftritt peinlich! Mir macht das Auftreten sehr viel spaß, aber ich bin total schlecht im Ansagen! Früher wurde ich dafür immer ausgelacht. Die anderen aus der Band  haben mir nach dem Auftritt mitgeteilt, was ich für einen quatsch gesagt habe. Die haben sich immer gewünscht, dass es aufgenommen worden wäre, damit ich das auch mal selber höre. Denn ich konnte mich nie daran erinnern.

Meistens ist es ja so, dass es einem in diesen Moment peinlich ist. Man will etwas sagen, es kommt aber nicht richtig raus. Dann kommt aber auch schon der nächste Song und es ist schnell vergessen.

Mit der Zeit ist das immer besser geworden. Früher fand ich das immer ganz schrecklich und habe meine Bandkollegen gefragt: „Habe ich jetzt irgendetwas schlimmes gesagt? Oder habe ich das Essen nicht richtig gelobt?“

Mittlerweile weiß ich, dass ich es nicht gut kann, dann ist es auch nicht mehr so schlimm.

Ansonsten? Peinlich ist es, wenn ich mich bücke und dabei das Maurerdekolleté zu sehen ist. Das vergesse ich manchmal ganz gerne. Wenn man dabei ist, den ganzen Bühnenkram einzusammeln und sich dabei dann von der Bühne wegdreht… Naja! Das gibt tiefe Einblicke!

„The Fear“

Es gibt da die Platte von Defiance, Ohio: The Fear, The Fear, The Fear. Hat mit dem Song nichts zu tun, aber ich warte nur darauf, dass es mal jemanden auffällt!

Ansonsten ist der Song anders als die anderen: Von der Stimmung her ist es eher düsterer. Auch was das Cello und Gitarrenspiel angeht. Bei diesem Song mit einem Chor: Ich habe so gesungen wie immer und Helge, Matze und Gunnar haben ihre Stimmen quasi Drumherum gebastelt. Sie wussten genau, was sie taten. Es war richtig cool, sie dabei gehabt zu haben.

Es ist ein Song über Zukunftsangst. Entscheidungsangst. Was jeder wohl so ein wenig hat. Gerade wenn es um das Ding zwischen Job und Privatleben geht. Die Entscheidung, ob man eine Familie gründet und man das wegen der Arbeit hinauszögert. Aber wenn man dann diese Entscheidung getroffen hat, denkt man sich: „Das hätte ich schon viel früher machen sollen!“ Darüber geht der Song.

„Bus Window“

Renke von Zeitstrafe meinte, dass das sein Lieblingssong wäre. Weil er schnell ist und mit Banjo. Da habe ich aber auch bock drauf, dass das mit der Band so Hillbilly-mäßig klingt. Gerade bei dem Song kommt das am meisten raus.

Von der Situation her geht es um eine Busfahrt. Ich habe Holzkram studiert und da ging es für eine Exkursion nach Eisenach.

Die Situation ist dann etwas ersponnen: Im Bus versuchen zu schlafen. Sich ständig hin- und herdrehen. Nicht richtig schlafen können. Das kennt wohl jeder. Es ist so ein wenig wie bei „The Fear“: Das Ding mit der Arbeitswelt und wie man sich selber davon freimachen kann. Dass es einfacher wäre, lieber in den Wald zu rennen, sich dort eine Hütte zu bauen, nie mehr zurückzukommen und dort glücklich zu werden. Es ist eine schöne Metapher.

Ich bin Halbfinne: Meine Familie in Finnland hat dort eine Hütte, die mein Onkel selbst gebaut hat. Dort fahren wir einmal im Jahr hin. Da sitzt man dann in der Hütte: ohne Strom und fließend Wasser. Da gibt es gar nichts! Man guckt die ganze Zeit auf einen See und man will dort echt nicht mehr weg.

Davon handelt der Song- im weitesten Sinne. Und auch darum, dass das Geld scheißegal ist. Um glücklich zu werden ist es einfach nicht wichtig.

Deine größte Macke?

Unzufriedenheit. Wenn es um die Musik geht, denke ich meistens: „Das müsste noch etwas besser sein.“ Da fällt es mir schwer zu sagen: „Das ist jetzt fertig und gut so, wie es ist.“ Da ist einfach dieser Hang zum Perfektionismus vorhanden.

Ansonsten denke ich viel zu viel nach. Ich bin zwar ein sehr optimistischer Typ, aber es kommt schon sehr häufig vor, dass ich zu sehr über irgendwelche Sachen nachdenke. Was manchmal auch einfach nichts bringt. Zu viele Sorgen… Dabei hat man die gar nicht. Man muss nur mal in die übrige Welt gucken, dann sieht man Leute, denen es sehr viel schlechter geht.

Und ich spiele immer zu viel mit meinem iPhone rum! Das ist schrecklich! Ich habe mir jetzt vorgenommen, das Ding nicht mehr mit ins Bett zu nehmen. Ich lege das immer woanders hin, damit ich nicht in Versuchung komme. Klappt hin und wieder.

Das sind meine Macken.

Fortsetzung folgt…

HEAVY BOOTS: Reinhören!

FACEBOOK: Klick!

Advertisements

Schlagwörter: , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: