„Und alte Haut sieht auch ohne Tattoos scheiße aus.“

Der Fuß von Lieblingstape-Eileen

Huch! Wie die Zeit vergeht! Im November letzten Jahres haben wir unsere allererste Umfrage zusammen mit Lieblingstape gestartet. Aus einer anfänglichen Schnapsidee wurde bitterer ernst. Wir waren uns zwischendurch nicht ganz sicher: „Wie wird das bei den Leuten ankommen? Ist es interessant genug? Möchte überhaupt jemand an dieser Umfrage teilnehmen?“ Unsere Unsicherheit legte sich dann langsam, als die ersten Leute sagten: „Klar, da machen wir mit!“ Auch Musiker wie Nagel oder Torsun sagten nicht nein und gaben ihren Senf dazu. So ergab sich eine wunderbare Mischung aus Musikern und Musikverrückten. Und das kam an! So beschlossen wir, dass dies nicht die letzte Umfrage gewesen sein wird.

Januar 2012: „Ey, lass mal wieder eine neue Umfrage machen!“ Gesagt, getan!

Das Thema war relativ schnell gefunden: Bandtattoos.

Und da wir sehr viele Antworten dazu bekamen, haben wir es dieses Mal in 3 Teile geteilt! Nun aber Vorhang auf für die erste Runde.

Habt viel Spaß beim Lesen!

FABIAN: „Grundlegend muss ich sagen, dass ich selbst aktuell keine Tattoos habe, aber die werden irgendwann kommen. Heißt also: Ich habe es vor, mir welche stechen zu lassen. Da Musik eine große Leidenschaft, wenn nicht sogar mein Leben ist, wird es auch in diesem Bezug wohl welche geben. Ich finde es großartig, wenn man sich Bandtattoos stechen lässt. Das ist mit die größte Ehre für einen Künstler, da man sich entscheidet, ein Leben lang damit rumzulaufen und die persönliche Bedeutung dieser Band damit doppelt und dreifach unterstreicht. Ich selbst plane solche Tattoos und kann mit Aussagen wie „Was, wenn es dir in 20 Jahren nicht mehr gefällt?“ wenig anfangen. Sollte es wirklich so sein, kann ich sagen, dass dieses Tattoo mich an einen Teil meines Lebens für immer erinnern wird, der mir sehr wichtig war und immer noch ist. Außerdem finde ich es abstrus, wenn man sich über die Tattoos von anderen Leuten äußert. Es ist, wie bei der Musik, immer noch eine Geschmackssache. Jeder findet etwas anderes gut- und das ist auch gut so!“

WAUZ (Sänger bei Red Tape Parade): „Mit Bandtattoos ist das so eine Sache.

Wauz & sein Bandtattoo von Good Riddance

Die meisten raten einem ja davon ab: Es wäre genauso blöd, wie sich den Namen seiner Freundin tätowieren zu lassen, meinen sie. Weil: Geschmack ändert sich. Und wenn der sich nicht ändert, dann ändern sich eben die Bands selber und spielen auf einmal Musik, die man gar nicht mag. Oder es geht noch schlimmer: Die Mitglieder der Band entpuppen sich als ziemliche Arschlöcher. Dann steht man dumm da. Dann hat man den Bandnamen/das Logo/eine Textzeile auf der Haut und mag die Band gar nicht mehr. Oder hasst das neue Zeug von denen. Oder eben die Typen selbst.

Das ist mir alles schon passiert. Ich habe 7 Bandtattoos.“

Aber: Ich habe kein einziges für nur eine Sekunde bereut!

RISTO: „Ich denke ein Bandtattoo kommt für mich nicht in Frage, da es a) meine absolute Lieblingsband sein müsste, die b) aber auch ein an sich sehr schönes Logo hat und nicht nur ihren Namen als Schriftzug. Für mich persönlich kommen eher Teile eines Songtextes in Frage.

JAQUELINE: „Also: Ich finde das Bandtattoos eine tolle Sache sind. Man verbindet damit persönliche Erinnerungen. An schöne Zeiten und teilweise auch an schlechte Zeiten. Allerdings sollte man sich bei einem Bandtattoo meiner Meinung nach gut überlegen, ob man die Band wirklich auch in 5 Jahren noch genauso sehr mag, schließlich trägt man sie mit dem Tattoo ja für immer auf der Haut. Ich persönlich habe ein Tattoo… mein erstes: Ein Bela- Autogramm. Mit dem Tattoo verbinde ich einen unvergesslichen Sommer, lange Reisen und viele neue Freunde & vor allem Musik, die mich in jeder Lebenslage begleitet hat. Am Samstag kam Rods Autogramm dazu, das auch noch gestochen wird, einfach um eine Erinnerung zu haben an die Menschen die mir mit ihrer Musik so viel Spaß gebracht haben. Bei den Tattoos kann ich mir sicher sein, dass ich mit 80 auch noch da sitzen werde und denke: Das war eine schöne Zeit. Es liegt im Ermessen jedes einzelnen was er sich stechen lassen möchte, aber bei mir persönlich wären Logos von 10 verschiedenen Bands auf der Haut zu viel. Kleine Textzeilen finde ich jedoch toll, weil man mit denen auch sehr viel verbindet.“

JOHNNY KASALLA: „Bei einem Bandtattoo sollte man sich natürlich schon sehr sicher sein mit seiner musikalischen Verliebtheit, und eventuelle Warnungen der Musikpolizei nicht sofort in den Wind schießen.

Johnny Kasalla

Ich selbst war in meiner Jugend ca. zwei Jahre lang der größte Fan der Gruppe „Huey Lewis & The News“. Zum Glück war ich zu diesem Zeitpunkt noch zu jung und Tattoos waren nicht in jedem online-Shop zu erwerben. Ansonsten hätte ich heute wahrscheinlich – anstelle von „It´s My Life“ (welches ein großartiger Dr. Alban-Gassenhauer aus den 90ern ist) – den Huey-Lewis-Hit „It´s Hip To Be Square“ in großen Lettern auf meinen Rücken stehen, zumindest aber den aus gefühlten eintausend Zeichen bestehenden Bandnamen dieser Truppe…

Tatsächlich habe ich mich – allerdings erst im zarten Alter von 30 Jahren – für ein Tattoo der größten Band des Universums – nämlich und namentlich „The Cure“ – entschieden. Damit kann ich sehr gut leben und auch gerne 90 Jahre alt werden, schließlich gehört diese Band seit meinem 15. Lebensjahr zu meinem Leben und wird mich nach heutigen Erkenntnissen auch bis zum Lebensende begleiten (und es gibt kein Album, welches ich bis zum heutigen Tage öfter aufgelegt habe als deren „Disintegration“).

Bei der Frage nach einem Bandtattoo gibt es natürlich kein grundsätzliches dafür oder dagegen, das muss jeder schon für sich selbst entscheiden. Aber ich möchte dennoch jeden warnen: Einmal drauf, gehen die Dinger ganz schlecht wieder ab!“

MARISA: „Hätt ich nur gewusst, dass meine Tattoos nicht mehr ab gehen…Und auf meinem Rücken steht ganz groß It’s my life!“ klagt Johnny Kasalla in seinem Song „Bunt“. Aber wieso entschließt man sich bewusst dazu, den Rest seines Lebens (unschöne Weglaser-Aktionen als Lösung seien hier mal mit dem Stempel unakzeptabel versehen) mit einem mehr oder weniger bunten musikalischen Statement auf dem Körper zu verbringen?

Bandnamen, Logos, Frontmann-Portraits, Albumcover, Liedtitel, Songzeilen, die man sich unter Schmerzen in die Haut stechen lässt, sollten gut überlegt sein. Wäre ich anno 1999 alt, reich und dumm genug gewesen, würde ich jetzt wahrscheinlich mit einem verschnörkelten Britney Spears-Schriftzug als Arschgeweih durch die Gegend laufen. In der Pubertät hätte ich am liebsten jeden von Weltschmerz und „Niemand versteht mich“-Attitüde getragenen Songtext für immer bei mir getragen, um ein paar Wochen oder Monate später aus Lust am sanften Rebellentum das Cover von Green Days‘ Album „American Idiot“ als Must Have zu deklarieren. Zum Glück ist es nichts von all dem geworden.

Die Motivationen für ein Bandtattoo sind zahlreich. Sei es das Festklammern an der Jugend, indem man sich – Jahre nach der ersten Begegnung – seine allererste musikalische Liebe stechen lässt oder das Ausleben des puren Groupietums, sei es ein Portrait, weil die Person als lebenslange Inspirationsquelle gelten soll oder ein Songfragment, das den Träger in schweren, schönen, auf irgendeine Art und Weise besonderen Momenten begleitet hat. Musik als wohl zugänglichste Kunst prägt unser Denken und beeinflusst das Seelenleben. Warum sollte man diesem besonderen Teil also nicht einen Platz auf seinem Körper einräumen?

Nach dutzenden Überlegungen und genauso vielen Verwerfungen werde ich mir demnächst eine Textzeile stechen lassen. Es ist nicht meine Lieblingsband, es ist nicht mein Lieblingslied, aber die Message stimmt. Sie steht für gute Zeiten, sie steht für schlechte Zeiten und erinnert mich daran, die schlechten in gute zu verwandeln. Ich kann mir zu 99% sicher sein, dass ich das Lied und speziell diese Stelle niemals hassen werde. Mehr kann man nicht erwarten. Und alte Haut sieht auch ohne Tattoos scheiße aus.“

Punkt.

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3 responses to “„Und alte Haut sieht auch ohne Tattoos scheiße aus.“”

  1. Www.Ergraiders.Es says :

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