„I´m just kidding!“

Ian Fisher & Harmen Ridderbos in Hamburg, Hasenschaukel.
Nach dem Konzert in der Pony Bar bekamen wir mit, wie das Wort „Hasenschaukel“ genannt wurde und „Thursday“. Mit diesen Wortfetzen, die wir nur nebenbei hörten, machten wir uns sofort auf die Suche im Internet. Und siehe da: Sie sollten  tatsächlich nur ein paar Tage später erneut in Hamburg spielen. Was wäre die Welt heut zu Tage nur ohne internetfähige Handys? Ich sollte mir langsam mal eines zulegen, denn Frau Z. wird ja nicht immer an meiner Seite sein. Aber ich komme vom Thema ab: Jedenfalls war ich am Montagabend in der Pony Bar Feuer und Flamme dafür, die zwei Typen noch einmal zu sehen.


Der besagte „Thursday“:

„Oh, heute spielen ja wieder Ian und Harmen in Hamburg. Da wollte ich eigentlich hin. Aber irgendwie habe ich keine richtige Lust dazu, den Weg anzutreten.“

Wo ist das Feuer geblieben, welches noch vor einigen Tagen in mir brannte? Gelöscht durch die Kälte, welche sich durch die Straßen schlug? Gepaart mit der Antriebslosigkeit, die schon seit Wochen und Monaten meinen Körper in Beschlag nahm? Und auch dadurch bedingt, dass das letzte Konzert, was ich in der Hasenschaukel gesehen habe, eher „geht so“ war? Da konnte man das Publikum in die Tonne treten, denn man hörte eher das Gequatsche als den Musiker. Schon damals sagte ich mir: So schön die Hasenschaukel auch ist- Das war das letzte Mal, dass ich mir hier ein Konzert angesehen habe.

Aber irgendwann beschloss ich, dass ich der Hasenschaukel nochmal eine Chance gebe & schon befanden wir uns in der Bahn, stiegen St. Pauli aus, ließen uns vom kalten Wind durch die Straßen fegen und standen in der Hasenschaukel. Nachdem wir uns halbwegs aufgewärmt hatten, stand Harmen auch recht pünktlich um 21.30 Uhr auf der kleinen Bühne. Wir suchten uns einen Platz bei der Tür, angelehnt an der Wand. Es war übersichtlich gefüllt, alle Sitzmöglichkeiten waren besetzt.

In den vergangenen Tagen hatte ich die CD „Never sleep“ hoch und runter gehört. Wunderbare Stücke. Da sind 8 Euro mehr als gut investiert. Auch Youtube durchstöberte ich und fand einige großartige Performances. Stücke wie „Curtains“, „Start something“ oder „Last day of the year“ wuchsen mir sehr schnell ans Herz. Genauso wie Town of Saints.

Harmen spielte. Und ich hatte das Gefühl, dass er, im Gegensatz zum Auftritt in der Pony- Bar, sich von Lied zu Lied steigerte. Das Publikum war- zu meiner Überraschung- recht aufmerksam. Und als er die stilleren Songs vortrug, war es zwischenzeitlich so ruhig, dass ich schon fast den Atem anhalten wollte, weil es einfach so ergreifend war.

„Curtains for your windows
They take away the morning sun.
Visions of the future
Will trouble you with every turn.
We don´t walk a straight line.
We walk in the sunlight.
We don´t follow road signs.
Cause we live the high life.”

Natürlich durfte auch an diesem Abend die kleine Werbung für seine CD nicht fehlen. Außerdem kam er noch kurz auf Ian Fisher zu sprechen. Ich weiß leider nicht mehr in welchem Zusammenhang es war, aber Harmen betitelte ihn als „Bitch“, wenn ich das richtig verstanden habe. Jedenfalls schienen das andere auch so im Ohr gehabt zu haben, wenn man nach dem Lachen der restlichen Leute geurteilt hätte. Aber kurz darauf zog er das natürlich zurück! Vielleicht sollten wir mal ein „Enthüllungsinterview“ führen. Da kommen bestimmt interessante Sachen ans Licht!


Auch an diesem Abend gab es alles, was das Herz begehrte: Songs, die unter die Haut gingen, mitrissen und den Fuß im Takt mitwippen ließen. Und das schöne ist einfach: Harmen sieht man an, wie gerne er in diesem Moment auf der Bühne steht. Diese schier endlose Spielfreude, die er in sich trägt.

Ob er sich nun alles von Herz & Seele schrie, die leisen Töne in Angriff nahm oder wie ein Wahnsinniger auf seiner Gitarre spielte. Das Herz, zumindest bei mir, kam aus den Freudensprüngen nicht mehr raus.

Nach einem Cover von Nick Cave war es das auch schon wieder und Herr Ridderbos verließ die Bühne unter angemessenen Applaus. Vielen Dank, Harmen!

Kurze Pause. Ich schaute auf die Uhr. Denn mein Problem war es, dass ich um 4 Uhr wieder aufstehen musste, um langsam zur Arbeit aufzubrechen.

„Nun gut, wenn ich ungefähr 3 Stunden Schlaf abbekomme, sollte das doch reichen. Und sehr lange wird Ian doch nicht spielen. Falls doch, muss ich halt eher gehen.“

Natürlich hält man sich eh nie an das, was man sich vornimmt. In diesem Falle muss ich schon sagen: Gott sei Dank!

Inmitten der Leute sah man zwei mit Kameras, die den Auftritt von Ian filmen sollten. Ich bin gespannt, wo dieses Material eines Tages auftauchen wird. Es wurde voller und uns wurde auch nach kurzer Zeit die Sicht genommen. Auch hier war Ian in Begleitung von Olli, der an der Pedal Steel- Gitarre saß und eine sehr gute Figur machte.

Ian scheint der Ruhepol auf der Bühne zu sein- zumindest wenn man ihn mit Harmen vergleicht. Herr Ridderbos geht eher in die Richtung: „Ich schlage hier gleich mit meiner Gitarre alles kurz & klein!“ Während Ian eher der Typ: „Lass den verrückten Holländer mal machen. Ich kann das auch alles ohne Gewalt!“ ist.

Nichtsdestotrotz sind es zwei Sympathiebolzen, die wissen, wie sie das Publikum schnell um den Finger wickeln können. Und das hat man auch an diesem Abend spüren können: Schon nach wenigen Songs von Ian sah man in das Publikum: Einige hatten ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen, die anderen bewegten sich im Takt der Musik, manch anderer hatte für ein paar Sekunden die Augen geschlossen.

Frau Z. und ich wurden kurze Zeit später ziemlich abgelenkt. Warum?

Darum: Wir waren eingeschlossen. Mit dem Rücken an der Wand. Links von uns gab es den Tisch, an dem Harmen mit seiner Gang saß. Rechts von uns zwei englischsprachige Typen. Vor uns: 3 jüngere Typen und eine ältere Frau, angetrunken und etwas.. ja, wie soll man sagen? Verrückt? Nicht mehr sehr Zurechnungsfähig? Ja, lassen wir es bei der Beschreibung.

Uns umgab also eine Mischung aus Absurditäten, welches man jetzt aber nicht Negativ auffassen sollte.

Ganz im Gegenteil. Wir wurden gut unterhalten! Nehmen wir zum Beispiel die englischsprachigen Typen auf der rechten Seite. Einer von denen hatte ein Glas in der Hand, versehen mit einem Strohhalm. Leider war irgendwann das Getränk leer, was er scheinbar öfters vergaß und dennoch genüsslich am Strohhalm zog. Und ihr wisst, welches Geräusch uns dort permanent um die Ohren flog und nicht überhört werden konnte. Wahrscheinlich war das auch eine schlecht versteckte Aufforderung an seine Begleitung, ihm etwas Neues zu holen. Wir wissen es nicht. Hat es uns anfangs genervt, mussten wir uns später das Lachen verkneifen, wenn er einen neuen Versuch startete.

Kommen wir zur Harmen-Gang auf der linken Seite. Auch sie haben sich köstlich amüsiert. Im Blickwinkel hatte ich immer Herrn Ridderbos, wie er gerade irgendwas mit den Armen veranstaltete (Schlagzeug- oder Gitarrensolo) und andere Blödeleien veranstaltete. Ich konnte nichts dafür. Er saß halt so ungünstig, dass ich es wirklich jedes Mal mitbekam. Und mir das Lachen ebenfalls kaum mehr verkneifen konnte. Sagte Ian etwas über seinen Support, versuchte er mit Handzeichen auf sich aufmerksam zu machen, weil vor ihm Leute standen und er quasi nicht wirklich sichtbar für Ian war. Es war eine reine Freude.

Die Leute vor uns. Die ältere Frau. Links und rechts von ihr paar Typen. Irgendwann versuchte sie, den englischsprachigen Kerl mit dem Strohhalm das Ohr abzukauen. Bis er etwas genervt sagte, dass sie sich auf die Musik konzentrieren solle. Das tat sie auch. Für einen Moment. Dann kam sie einem anderen Typen zu nahe, der dann einen spontanen Platzwechsel vollzog. Zwischenzeitlich schwang sie ihre Hüften, vollführte sogar eine Drehung und sang manchmal mit. Natürlich nicht das, was Ian gerade sang. Aber hey, wir wollen da mal nicht so sein! Irgendwann war ihr Glas leer und stellte es – nicht gerade leise- auf den Tisch der Harmen-Gang. Herr Ridderbos schaute sie an, sie grinste ihn an und hat ihm zugewunken. Wohlgemerkt aus 30cm Entfernung! Der Blick von Harmen: überrascht, belustigt und irritiert. Alles auf einmal. Was kurz darauf, als die Frau sich abwendete, zu einem Lachen wurde.  Ein Bild für die Götter.

So saßen wir im Strudel der Verrücktheit. Die anfängliche Genervtheit verwandelte sich in einem nicht mehr zurückhaltbaren Lachanfall. So fand man uns beim letzten Song am Boden. Mit Tränen in den Augen. Wir konnten dem Ganzen nicht mehr standhalten. Und das war auch wirklich das allererste Mal, dass wir bei einem Konzert vor Lachen zusammenbrachen. Was wohl die um uns herum dachten, als wir dort halb am Fußboden lagen? Ich weiß es nicht!

Mir tut es nur ein wenig leid, dass wir uns nicht mehr auf Ian konzentrieren konnten. Aber unsere Umgebung hat es uns auch echt nicht leicht gemacht.

Achja, Ian erzählte etwas davon, dass sie sich einen kleinen Wettkampf liefern würden: Wer verkauft die meisten CD´s? Und Herr Fisher war schon sehr siegessicher. Aber wer hat denn nun gewonnen? Obwohl, die Tour geht ja noch bis nächsten Dienstag. Danach möchte ich bitte konkrete Zahlen zu diesem Wettkampf lesen!


Das Konzert war zu Ende und wir beruhigten uns langsam wieder. Mein Blick auf die Uhr sagte mir: Jetzt aber schnell! Mein Weg führte noch kurz Richtung Bühne, um mir das Album von Ian zu kaufen. Ich hatte nur einen 20 Euro- Schein dabei und dachte: Wenn der jetzt wieder kein Wechselgeld hat, dann wird es aber eng!

Und was soll ich sagen? Ich hatte das Album in der Hand, gab ihm den Schein.. Und was meinte er? Ob ich es passend hätte. Innerlich fing ich schon an zu fluchen, bis er mit einem verschmitzten Grinsen meinte:

I´m just kidding!“

Wie war das noch gleich mit „Bitch“?

Vielen vielen Dank Ian! Vielen vielen Dank Harmen! Es waren zwei grandiose Abende! Und wer weiß, vielleicht verschlägt es mich am Dienstag doch noch nach Bremen!

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