Ian Fisher & Harmen Ridderbos in Hamburg, Teil I

Foto: Sander Vermeulen

„That was horrible- it was the wrong button!“
Diese Aussage kam vom „Monitor-Mann“. Warum? Noch vor Konzertbeginn begab er sich in das Hinterzimmer. Kurz darauf ertönte 2 bis 3x für einige Sekunden laute (& teils undefinierbare) Musik aus den Lautsprechern. Niemand wusste woher das plötzlich kam, bis dann endlich der Herr mit dem Satz: „That was horrible- It was the wrong button!“ aus dem Hinterzimmer schlich. Das Konzert von Ian Fisher fand am Montag in der Pony Bar in Hamburg statt. Mitten im „Studentenviertel“. Für mich war das eher eine spontane Entscheidung, denn ich kannte nicht wirklich viele Songs von Ian. Aber auch das Unbekannte zieht einen meistens immer magisch an. Und da ich am Dienstag nicht zur Arbeit musste, ging es im angenehmen Tempo durch die Straßen, bis ich vor der Pony Bar stand.

Zusammen mit Frau Z. ging es rein in die gute Stube. Es ist ein recht kleiner Raum, der mit einigen Sitzmöglichkeiten ausgestattet war. Wir blieben etwas weiter hinten stehen und beobachteten das Treiben.

Ehrlich gesagt hatte ich nicht die große Lust auf einen Support. Im Vorfeld las ich den Namen Harmen Ridderbos (Town of Saints), der mir überhaupt nichts sagte. Ich dachte mir nur: „Was wird da wohl auf mich zukommen? Kann man nicht gleich mit Ian starten?“ Diese Gedanken habe ich nach dem Auftritt von Harmen bereut..! Warum?

Darum: Kurz nach 21 Uhr betrat ein junger Herr im karierten Hemd die Bühne. Groß war er im Gegensatz zu Ian. Die Gitarre schnallte er sich mit Schwung um und begann mit dem ersten Song. Hat man ihn vorher noch im Raum stehen sehen, zurückhaltend und ruhig, zeigte er auf der Bühne seine andere Seite: Es war, als ob die Melodie, die er auf der Gitarre spielte, direkt in sein Blut und Herz überging. Er fing etwas ruhig an, ließ dann aber von der einen auf die andere Sekunde seine Stimme explodieren und den Körper vibrieren.

Würde man im Duden  nach dem Wort „(Holländischer) Ausdruckstanz“ suchen, würde darunter ein Bild von Harmen zu sehen sein und dazu noch ein passender Link. Es steckte einfach an. Er benutzte die ganze Bühne, ging von A nach B und sang um sein Leben. Du meine Güte.. Es gibt nur wenige Musiker, die mich bereits beim ersten Lied überzeugen. Er ist definitiv einer davon. Ganz großes Kino! Vor dem zweiten Song versuchte er eine deutsche Ansage, was ihm eigentlich auch ganz gut gelang. Da konnte man wirklich nicht meckern! Für einige Verwirrung sorgte er dann nur, als er meinte, dass jetzt das „letzte Lied“ käme. Wie? Er hatte doch gerade erst angefangen! Aber scheinbar verwechselte er nur „nächste“ mit „letzte“. Kann passieren und wurde dem Holländer schnell verziehen.

Zwischen den schönen Songs erzählte er, dass er die  EP „Never sleep“ dabei hätte, welche man für läppische 8 Euro bei ihm kaufen könnte. Außerdem meinte er, dass er meistens immer in Begleitung einer reizenden Dame namens Heta Salkolaht unterwegs wäre, die ihm sonst immer mit Gesang & Geige tatkräftig unter die Arme greift. Da diese Dame aber in Finnland verweilt, konnte sie bei dieser kleinen Tour nicht dabei sein. Aber auch alleine machte er mehr als eine gute Figur!

Vor dem letzten Song stöpselte er die Gitarre aus. Nanu? Was hatte er denn vor? Er fing an zu spielen- ohne jegliche Verstärkung. Er sprang von der Bühne, sang weiter und war inzwischen  in der Mitte des Raumes angekommen. Dynamischer Ausdruckstanz folgte, die Augen des Publikums folgten ihn auf Schritt und Tritt. Er schrie sich die Seele aus dem Leib, wankte von der einen auf die andere Seite & riss mit seiner unglaublichen Show nun auch den letzten Zweifler vom Hocker. Hut ab! Ein verdienter Applaus folgte und er verließ –etwas außer Atem- die Bühne. Wahnsinn. Wahnsinn. Wahnsinn!

Kurze Pause folgte, Harmen verzog sich nach draußen, um sich eine Zigarette zu gönnen. Einige Minuten später tauchte er wieder auf, zog die Jacke aus, legte diese auf unser Zeug und fragte mit einem leicht skeptischen Blick und einem schelmischen Grinsen, ob sie denn bei uns sicher wäre. Nachdem ich bejahte ging er Richtung Bühne. Warf dann aber nochmal einen prüfenden Blick in unsere Richtung. Ich riss nur meine Hände hoch, nach dem Motto: „Hey, sei dir sicher: Ich werde dir weder den Inhalt noch die Jacke klauen!“ Er fing an zu lachen und machte es sich auf dem Stuhl bequem. Habe ich schon erwähnt, dass Holländer toll sind? Nein? Holländer sind toll!

Das Publikum war ruhig und aufmerksam- zumindest bei Harmen. Ich habe eh immer leichte Bedenken, wenn ich weiß, dass man keinen Eintritt bezahlen muss. Denn dann hat man meistens das Pech, dass sich Leute einfinden, die eigentlich nur quatschen und trinken wollen und sich nicht sonderlich darum kümmern, was auf der Bühne gerade geboten wird. Was dann sehr störend für die Leute ist, die wirklich wegen der Musik gekommen sind. Ich meine: Gespräche über das vergangene Wochenende müssen doch nicht unbedingt dann stattfinden, wenn ein Musiker nur mit seiner Gitarre bewaffnet auf der Bühne steht. Oder? Alles schon erlebt, deswegen begründete Zweifel wenn es heißt: Kostet keinen Eintritt.

Ian Fisher

Ian Fisherbetrat die Bühne. Aber nicht allein: Er kam in Begleitung von Olli (wenn ich mir den Namen jetzt richtig gemerkt habe), der die Pedal-Steel-Gitarre unter Beschlag nahm. Diese vertrauten Klänge von dem wunderbaren Instrument warfen mich in Gedanken wieder kurz zurück zur ClickClickDecker-Tour. Dort fand es ebenfalls gebrauch und hatte auch denselben Effekt wie in der Pony Bar: Es lud förmlich dazu auf die Augen zu schließen und alles andere um sich herum zu vergessen. Gepaart mit dem zarten Gitarrenspiel und der Stimme von Ian träumte man vor sich hin.
Leider ist mir das meiste entfallen, was Herr Fisher zwischen den Songs erzählte. Aber auch er machte fleißig Werbung für sein Album „Anchor & Ship“, welches er mit dabei hatte & für einen Zehner am Ende des Konzertes zu erstehen geben würde.

Im Publikum konnten wir auch Leute sehen, die sich im Headbangen probierten. Ähm, Entschuldigung: Aber sind wir doch bei einem Metalkonzert gelandet und wir haben es nur nicht gemerkt? Ich bin mir nicht sicher.

Das Träumen war dann doch leider viel zu schnell vorbei: Ein paar junge Männer kamen in den Raum und stellten sich direkt hinter uns. In der Gruppe kann man natürlich nicht leise sein, verständlich! Nicht.

Halten wir fest:

Vor uns: Menschen, die fast 2m an Körpergröße erreicht haben.

Rechts von uns: Menschen, die das Headbangen bei doch eher ruhigeren Musik populär machen wollen.

Hinter uns: Die Horde Männer, die bei der Ansage von Ian („Jetzt kommt ein Song übers Trinken!“) pubertär angefangen haben zu jubeln und zu gackern. Die Zwischendurch rülpsten, lachten und lauthals redeten.

Links von uns: Die Wand, die uns wenigstens etwas halt gab.

Trotz einiger Minuspunkte  habe ich es versucht zu genießen, was uns auf der Bühne geboten wurde. Auch das Publikum war größtenteils verzaubert und beim letzten Song voll dabei als es hieß:

SO LONG IT´S BEEN GOOD TO KNOW YOU!

Danach kam der Holländer wieder bei uns vorbei und bedankte sich für das Aufpassen. Ja, sehr gerne!

Mein Weg führte vorne ans Klavier, um mir die EP von Town of Saints zu kaufen. Mit einem Zehner bewaffnet ging ich zu Ian, der kurz in seinen Taschen wühlte, aber keine 2 Euro fand. So fragte er mich, ob ich es nicht passend hätte. Ich stiefelte zurück, um im letzten Kleingeld zu wühlen und wurde fündig. Und hätte ich gewusst, dass er sich paar Tage später in der Hasenschaukel noch an diese Sache erinnert… Aber dazu bald mehr! Dieser Artikel wird auch in Kürze folgen!

Ich lege es euch wirklich wirklich wirklich(!) sehr ans Herz: Wenn ihr mitbekommt, dass Ian Fisher und/oder Harmon Riddenbos/Town of Saints in eurer Stadt spielen- nichts wie hin da! Musik, die berührt. Fesselt. Musik, bei denen die Füße nur schwer stillhalten können.

Geht hin, habt einen schönen Abend & legt euch am Ende noch die CD´s zu. Es lohnt sich. Das verspreche ich euch!

29.01. Brause – Düsseldorf
01.02. Skek – Amsterdam (NL)
02.02. Kroeg van Klaas – Groningen (NL)
03.02. De Bakkerij – Castricum (NL)
04.02. Bernhard’s Room – Hoogeveen (NL)
05.02. Oude Kerk – Scheemda (NL)
07.02. Fehrfeld – Bremen
24.04. Nieuwe Anita – Amsterdam (NL)
13.05. Living Room – Pekela (NL)
19.05. Melodica Festival Aarhus – Aarhus (DK)

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