Von A bis Z: Tigeryouth…

… steht im Interview Rede und Antwort. Dafür liebt man das Internet: Ich bekam von einer Freundin einen Link geschickt. Dieser führte mich zum Song „Gespielt“ von Tigeryouth.

„Tigeryouth? Mmh, noch nie gehört! Reinhören schadet ja nicht..“

Und ich bin froh, dass ich es gemacht habe!

„In meiner Kehle brennt ein Feuer, meine Füße sind wie Steine. Ich bin nicht halb so ruhig wie ich scheine. Ich kann nicht schlafen ohne Träume. Es könnte so viel passieren in der Zeit, die ich vergeude. Ich habe nichts geschafft in den letzten Wochen. Ich hab vom Nichtstun so müde Knochen.

Raue Stimme. Ausdrucksstark. Ergreifend. Einfache und kurze Texte, die aber genau ins Schwarze treffen. Ich habe mich sofort verliebt! Youtube durchsucht & fündig geworden. Die EP „Alles geht kaputt“, sowie das Demo „Schlechte Laune“, welche als kostenlosen Download zur Verfügung stehen (da und da) sofort ins Herz geschlossen.

Jetzt lassen wir den jungen Mann aber mal zu Wort kommen. Es ging von A bis Z. Von Tim Vantol zu Castingshows, über peinliche Bühnenerlebnisse bis zu seinen Anfängen und umgekehrt. Viel Spaß!

Anfänge: Mit Filzmatte auf’m Kopf in der schlechtesten Grunge(Echt wahr, Grunge)-Band der Stadt. Als Bassist. Der Bassverstärker war aber auf Konzerten nicht an.

Foto: P. Diercks

Bedeutung Musik:  Ich brauch das. Frust absingen und das, was um mich herum und mit mir passiert in meinen Songs verarbeiten. Ich glaube, sonst wäre ich ’n mieser Miesepeter. Und ich bin gerne gut gelaunt.

Clown oder Streber: Ein bisschen mehr Streber hätte mir zwischendurch ganz gut getan.

Das schönste Kompliment, was du je für deine Musik bekommen hast: Das Beste ist immer, wenn es Leuten gefällt, die sonst nicht auf so einen Kram stehen. Ansonsten sind die Komplimente von guten Freunden immer die, die am schönsten sind. Deren Kritik ist gleichzeitig auch die, die am meisten zieht.

Erstes Konzert: Hab ich vergessen, aber bestimmt in der Scheune, in Ibbenbüren.

Filme, die dich zum Weinen bringen: So gut wie alle. Selbst beim größten Kitsch, leider.

Genre: Ich jetzt? Was weiß ich. Wehe, irgendwer sagt Singer-Songwriter. Am liebsten irgendwas mit Punk, aber was jetzt genau kann ich nicht sagen. Schlechte-Laune-Akustikpunk oder so.

Highlights deiner bisherigen Musikkarriere: Beim Abschlußkonzert der Tour mit The Driftwood Fairytales, Diane Parker’s little Accidents und Smile and Burn hab‘ ich von allen Gitarren, die ich in die Hand bekommen hab, Saiten durchgehauen. Ich hab‘ dann einfach ohne Gitarre weitergemacht und wurde so niedergebrüllt, wie noch nie. Das beste Gefühl der Welt. (Schaut rein: Robota!)

Ich würde gerne mit folgenden Musikern zusammen auf Tour gehen: Ich würde gerne mal ein paar Shows mit ClickClickDecker spielen. Ansonsten immer mit Freunden.

Jugendsünde: Alles, was je auf meinem Kopf passiert ist, bevor ich’s gelassen hab. Und die Grunge-Band.

Kleinkram, der bei jeder Tour dabei sein muss: Taschentücher, Nasenspray, Nagelschere, Deo, Stifte, Notizbuch, Gitarrensaiten und Tabak. Ich hab auch immer Belladonna-Kügelchen, Aspirin-Complex und Kopfschmerz-Tabletten dabei. Und einen Aufsatz für eine elektrische Zahnbürste. Und meine Ohrstöpsel, die ich leider viel zu oft vergesse.

Leute, mit denen du für 24 Stunden gerne das Leben tauschen würdest: Mir fällt keiner ein, ich glaube aber, ich würd es dann im Endeffekt auch nicht machen wollen. Das ist für mich eine richtige Horror-Vorstellung.

Matze Rossi: Sehe ich hoffentlich bald wieder. Wir sind da was am planen dran.

Name Tigeryouth: Mein guter Freund Maarten von The Dimensions, Underparts und Annotation hatte mal das Projekt Electrohead, mit der grandiosen EP „Tigeryouth“. Als ich den ersten (vernünftigen) deutschen Song geschrieben hab, hat er bei uns Bass gespielt. Wir hatten da einen so grauenhaften Namen, der weg musste, und haben, glaube ich, einfach abgestimmt.
Weil wir dann ja auch noch ’ne Weile zu zweit Tigeryouth waren, machte er als Bandname immer noch Sinn. Und sich jetzt was Neues zu überlegen, wäre Mist.

Och, damals als Kind war dies mein erster Berufswunsch: Weiß ich beim besten Willen nicht mehr.

Peinlichstes Bühnenerlebnis: Bei oben schon erwähnter Grunge-Band hab ich mir dann irgendwann überlegt, auch einen Song zu singen. Nicht nur, dass der Song wahrscheinlich eh schrecklich war, mein Gequietsche und dass ich mir die ganze Zeit über wie wild auf die Brust geschlagen habe, war dann irgendwie peinlich.

Quatsch! Dieses Gerücht wurde über mich in die Welt gesetzt. Aber ich fand es insgeheim doch recht amüsant: Während der letzten Schuljahre bin ich nicht mehr besonders regelmäßig hingegangen. Irgendwann hat dann irgendwer meiner Lehrerin erzählt, ich würde nie kommen, weil ich so wahnsinnig viel kiffe. Das war Quatsch und auch nicht so witzig, weil die Lehrerin mit der Story erstmal meine Eltern angerufen hat.

Rezensionen halte ich für: Ok. Ich lese Rezensionen immer gerne. Kann für einen Musiker wahrscheinlich genauso schön und erbauend wie schrecklich sein. Bin mal gespannt, was bei meiner Platte so kommt.

Schlechte Laune: Einer meiner ältesten Songs und auch einer von denen, die ich am schlechtesten spielen kann. Ab dem Moment, wenn denn wer mitsingt, wo das „Ich nicht, ich nicht“ kommt, ist mir das aber egal. Ich bin im Übrigen fast immer gut gelaunt.

Tim Vantol: Eine der ersten Touren, da waren wir noch zu zweit, hab ich mit Tim Vantol gespielt, bzw. Tim mit uns. Da waren auch schon immer ein paar Leute für Tim da, letztens hab ich mit ihm in Münster gespielt, da war der Laden brechend voll. Zu Recht! Bestes Beispiel für jemanden, der sich richtig den Arsch aufreißt.

Und da sehe ich mich in 10 Jahren: So weit reicht meine Denke nicht.

Vorbilder: Immer wieder und noch Rio Reiser. Die großartigsten deutschen Texte, die jemals irgendwer geschrieben hat.

Weitere Veröffentlichungen: Von mir? Im März (hoffentlich) eine 12inch mit alten und neuen Songs. Rausbringen wird das Heads Down Records aus Zittau und Lala Records aus Leipzig.

X-beliebige Shows, in denen „Musiktalente“ gesucht werden. Deine Meinung dazu: Abschaffen. Ich erwische mich manchmal dabei, wie ich mir die Videos von solchen Shows angucke und zwischendurch sind auch richtig gute Musiker dabei. Ich verstehe nur nicht, wie die ernsthaft davon ausgehen können, dass sie die Shows als Sprungbrett nutzen können. Für mich verliert da jeder seine Glaubwürdigkeit als Musiker. Dasselbe gilt für Bandwettbewerbe, Singer-Songwriter-Slams und ähnlichen Kappes. Da gibt’s immer Ausnahmen und teilweise auch wirklich vernünftige Dinge, die eine Band auch weiterbringen, zu gewinnen. Dieser Konkurrenz-Gedanke bei solchen Gelegenheiten geht mir aber auf den Sack.
Ich hab letztens auch bei so einem Slam gespielt. Die Leute da spielen 5-10 Mal im Jahr bei so was und machen sonst nichts mit ihrer Musik. Erwarten die, da entdeckt zu werden, oder was? Ich verstehe es nicht.

Youtube-Videos: Ich lass mich immer schnell einfangen von dem Zeug und häng dann stundenlang vor’m Rechner und gucke mir an, wie Skater von Wachmännern verkloppt oder Tiere synchronisiert werden. Ich kann mich dann einfach nicht losreißen. Eigentlich schrecklich. Ich hab dann auch immer ein ganz schlechtes Gewissen.

Ziele: Touren.

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