Lybe beim Verhör!

Ja, tatsächlich! Wie es dazu kam und aus welchem Grund ich mit zum Revier musste darf ich leider nicht verraten- noch nicht. Nur gut, dass ich mich noch daran erinnern konnte, was ich im März/April und September gemacht habe. Somit bin ich, hoffentlich, aus der Sache raus! ClickClickDecker, Petula, Senore Matze Rossi & Captain´s Diary sei Dank!

„Frau D.! Da wir sie hier als Tatverdächtige sitzen haben, müssen Sie uns einige Fragen wahrheitsgemäß beantworten! Alles klar?“

Frau D.: „Alles klar!“

„Berichten und Augenzeugen zu folge sollen Sie in diesem Jahr sehr oft unterwegs gewesen sein. Stimmt das?“

Frau D.: „Ja, das stimmt.“

„Dann können Sie mir bestimmt sagen, wo Sie sich an folgenden Tagen aufgehalten haben:  Verschwunden waren Sie zwischen dem 31. März bis 10. April. Und zwischen dem 07. September und 18. September. Ist das korrekt?“

Frau D.: „Ja, das ist ebenfalls korrekt.“

„Wo hielten sie sich auf? In welchen Städten?“

Frau D.: „Muss ich jetzt wirklich jede einzelne Stadt aufzählen? Das ist doch nicht nötig, oder?“

„Was nötig ist oder nicht entscheiden noch immer wir! Also?“

Frau D.: „Ist ja schon gut! Im besagten ersten Zeitraum hielt ich mich in Oberhausen, Ibbenbüren, Münster, Bremen, Hannover, Heidelberg, Düsseldorf, Leipzig, Berlin und Osnabrück auf. Im September zog es mich nach Göttingen, München, Reutlingen, Köln, Künzelsau, Jena, Bielefeld, Potsdam und…“

„Und? Raus damit!“

Frau D.: „Ja, Moment! Mir ist die eine Stadt tatsächlich entfallen!“

„Das ist doch nicht Ihr ernst!“

Frau D.: „Glauben Sie es oder nicht! Wahrscheinlich war es so schrecklich dort, dass ich diese Stadt aus meiner Erinnerung verbannt habe…“

„Denken Sie nach!“

Frau D.: „Okay, okay! Ich weiß noch, dass mein Hotel direkt am Bahnhof lag. Drückendes Wetter, kein Internetempfang. Trist. Eine Straßenbahn, mehrere Autos und wenige Menschen kreuzten meinen Weg. Es wurde kein sehr schöner Abend… Mmh… Ach, ich weiß! Magdeburg heißt diese Stadt! Furchtbar.“

„Sind Sie sich sicher?“

Frau D.: „Absolut sicher!“

„Okay. Bevor wir dazu kommen, was Sie in den ganzen Städten gemacht haben, kommen noch ein paar andere Fragen. Wie waren Sie unterwegs? Mit dem Auto?“

Frau D.: „Nein! Ich habe nur die Bahn benutzt. Ab und an musste auch mal ein Bus herhalten. Aber es war okay. Ich habe mir einen Trekkingrucksack umgeschnallt und los ging es.“

„Und in Hotels übernachtet?“

Frau D.: „Genau! Größtenteils. Ab und an auch mal bei Freunden.“

„Gut. Warum waren Sie in den Städten? Es muss ja schon einen guten Grund gegeben haben, warum Sie die teils langen Strecken auf sich nahmen…“

Frau D.: „Das ist eine gute Frage und ich versuche, diese so gut es geht zu beantworten. Ich war unterwegs, weil ich mir bestimmte Musiker ansehen wollte. Ich war quasi auf Tour. Angefangen hat es mit zwei Konzerten von Senore Matze Rossi & Captain´s Diary. Danach folgten fast nur noch Auftitte von ClickClickDecker und Petula.“

„ClickClick… was??“

Frau D.: „CLICKCLICKDECKER! Ein faszinierender Musiker aus Hamburg, der die Musik wohlmöglich bereits mit der Muttermilch eingeflößt bekam. Diese Texte, die er mit links zu schreiben scheint. Ohne Mühe. Wie sehr haben diese mich durch schwere Zeiten begleitet. Wenn ich da zum Beispiel nur an den Song „Mit Naumanns Füßen“ denke, überkommt mich eine Gänsehaut! Aber ich schweife ab…“

„Und wie hieß der andere doch gleich? Petulla?“

Petula

Frau D.: „PETULA, wenn ich bitten darf! Ein Musiker aus Berlin. Er spielt seine Songs an jedem Abend neu ein und das Publikum lässt er daran teilhaben. Für einige wird es auf Dauer etwas anstrengend, für mich ist es aber ein wahrer Genuss! Was dieser Mann mit den Händen und Füßen alles anstellt! Es ist nur schwer in Worte zu fassen. Sein Song „Realgold“ ist immer der Höhepunkt eines Konzertes. Für mich.“

„Okay. Aber warum fast die kompletten Touren? Hätte nicht ein Konzert gereicht..?“

Frau D.: „Nein, definitiv nicht! Ich weiß auch nicht mehr genau, wie es dazu kam, dass ich die erste Tour von 10 Tagen unbedingt mitmachen wollte. Wahrscheinlich hat mich irgendjemand dazu überredet. Aber ich finde es gut, dass ich es gemacht habe. Wissen Sie, ich habe einen Job, der mich körperlich & nervlich teilweise sehr strapaziert. Das wird Ihnen vielleicht nicht anders gehen. Und kennen Sie das Gefühl, dass man nur noch ausbrechen und einfach sagen möchte: „Hey, es reicht, ich brauche eine Auszeit! Ich bin dann mal weg!“ Diese Auszeit habe ich mir genommen und es tat mir wahnsinnig gut. Wahrscheinlich, weil ich während der Tour total entspannt war. Die zweite Tour im September war nicht mein verschulden. Also nicht ganz…“

„Nicht ganz?“

Frau D.: „Nein. Eigentlich müssen wir unsere Urlaubsanträge komplett bis Ende März eingereicht haben. Ich habe dieses natürlich versäumt und hatte noch etwa 10 Tage, die ich für das restliche Jahr verplanen musste. Und da der März schon längst vorüber war, sprach mich irgendwann der Chef an: „Wann möchten Sie den Urlaub haben? Offen wäre nur noch etwas im Juli –schön in der Touristenzeit- oder September. Also?“ Ich habe mich für den September entschieden- vom 05. bis zum 16.! Und paar Wochen später kamen die Daten für die nächste ClickClickDecker-Tour raus, welche genau in meinem Urlaub lag. Dafür konnte ich natürlich nichts.“

„Ob ich Ihnen das so glauben kann? Ich werde mich demnächst mit Ihrem Chef unterhalten müssen…“

Frau D.: „Tun Sie das. Er wird Ihnen nichts anderes erzählen.“

„Mich erreichte eben auch die Nachricht, dass ClickClickDecker vor kurzem für 4 Tage unterwegs war. Waren Sie auch dort?“

Frau D.: „War fest geplant, dass ich alle 4 Termine mitmache. Es ging leider doch nicht, sodass ich es kurzfristig absagen musste. Ich habe mir selber strikte „Bettruhe“ verordnet. Aber es hat mir, zugegeben, etwas das Herz gebrochen, nicht dabei gewesen zu sein.“

„Aber es waren doch schon einige Konzerte in diesem Jahr…“

Frau D.: „Genau. 20 Konzerte von ClickClickDecker. Und ebenfalls 20 Konzerte von Petula, welchen ich auch 2x neben der Click-Tour sah.“

„Was hat das alles gekostet?“

Frau D.: „Das möchten Sie wirklich nicht wissen! Das wird mein Geheimnis bleiben.“

„Woher nehmen Sie das Geld für die ganzen Konzerte, Unterkünfte & überhaupt?“

Frau D.: „Ich gehe täglich arbeiten. Ich verdiene jetzt nicht das große Geld, das ist klar. Aber ich bin ein sparsamer Mensch. Ich gönne mir recht wenig. Deswegen  geht bei mir vieles für Musik drauf: Konzertkarten, Unterkünfte in anderen Städten, Zugtickets, CD´s und so weiter. Es ist einfach mein Hobby.“

„Was ich mich ja auch Frage, neben der Sache mit dem Geld: Wird das nicht irgendwann langweilig?“

Frau D.: „Das denken viele und da bekommt man die Frage auch

"Dialog mit dem Tölpel" Foto: Doro

häufiger von anderen Personen gestellt. Nein, es wird nicht langweilig. Im Großen und Ganzen läuft so ein Konzert natürlich wie am Vorabend ab. Von den Songs her gibt es zum Beispiel keine sehr großen Unterschiede, das stimmt. Aber dennoch hat jeder Abend etwas Besonderes an sich: Man befindet sich immer in anderen Clubs. Es passieren neue Dinge, es werden diverse Geschichten erzählt. Ansonsten ist es auch immer schön zu beobachten, wie sich Kevin Hamann und Oliver Stangl gegenseitig die Klinke in die Hand geben. Es ist ein freundliches miteinander gespickt mit kleinen Späßen. Um aber nochmal zu den Songs zurück zu kommen: Wenn man sich mit den Songs identifizieren kann und diese einen viel bedeuten, dann kann man die auch ohne Probleme 1000x hintereinander hören.“

„Also würden Sie solch eine Tour nochmal machen?“

Frau D.: „Ohne lange zu überlegen: Sofort! Außer die Musiker sagen eines Tages: „Jetzt ist mal Schluss! Bleib für ein paar Tage zu Hause, wir können dich nicht mehr sehen!“ Dann ist das natürlich wieder eine andere Geschichte. Aber solch eine Tour ist einfach etwas Schönes: Fremde Städte, viele Konzerte. Verschiedene Eindrücke. Erinnerungen, die einen niemand mehr nehmen kann. Es ist eine Herzensangelegenheit geworden. Punkt.“

„Wie ist das denn, wenn man weiß: Das ist jetzt das letzte Konzert der Tour!?“

Frau D.: „Ein gemischtes Gefühl. Einerseits kommt Wehmut auf und man denkt: Das kann doch jetzt nicht schon das Ende sein! Denn es ist seltsam: Man hat die Musiker an jedem Tag gesehen und plötzlich sind sie nicht mehr da. Es gab an jedem Abend ein Konzert und nun? Alles vorbei und der Alltag macht sich wieder breit. Andererseits freut man sich nach 10 oder 11 Tagen wieder darauf, die Nacht im eigenen Bett verbringen zu können.“

„Und haben oder hatten Sie irgendwann das Gefühl, dass die Musiker das nicht verstehen können, dass Sie das machen?“

Frau D.: „Mmh… Ja, doch, solche Momente gab es tatsächlich. Da macht man sich aber auch einfach schon automatisch Gedanken um das Thema: „Was denken die Musiker eigentlich darüber? Finden Sie es nervig? Halten sie mich für bescheuert?“ Diese Fragen waren während der Tour öfter Gast in meinem Kopf.“

„Was bedeutet Ihnen die Musik von ClickClickDecker?“

Frau D.: „Lebensretter. Die Texte sind der Wahnsinn! Es gibt einige spezielle Texte, die mir sehr ans Herz gehen. Wie ich zum Beispiel schon am Anfang sagte, ist „Mit Naumanns Füßen“ so ein Kandidat: „Und was kommt dabei raus, wenn du aufwachst und nicht einmal mehr den Grund dafür erkennst? Was kann es beklemmenderes geben, wenn die Außenhülle schläft, du dabei innerlich verbrennst?“ Es ist unglaublich, was ein einziger Text/Song in einem auslösen kann. Ja, ClickClickDecker hat mir bereits einige Male den Arsch gerettet. Vielen Dank dafür!“

„Gut. Ihre Aussagen werden nochmal überprüft. Aber bis jetzt sieht es so aus, als ob Sie ein wasserdichtes Alibi haben. Sie werden von uns hören. Auf Wiedersehen!“

Foto: Ralf Synowzik

Foto: Ralf Synowzik

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2 responses to “Lybe beim Verhör!”

  1. lieblingstape says :

    „Denn es ist seltsam: Man hat die Musiker an jedem Tag gesehen und plötzlich sind sie nicht mehr da. Es gab an jedem Abend ein Konzert und nun?“
    – Es ist nicht seltsam – es ist absolut beschissen. Es ist ein Loch, eine schwarze Leere und es dauert Tage, bis man da mühsam wieder raus kommt.

  2. Marc says :

    Das von mir zu hören ist eher selten, aber: Entzückend!
    Und eine feine Idee, das so aufzuziehen!

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