Es reichen ein paar Zeilen – Pele Casters „Wasimmer“

Ben & Pele 2010 (Foto: Doro)

Vor etwa einem Jahr sah ich mir einen Auftritt während der Tour von Ben Schadow und Pele Caster an. Jasmin hatte mir von den beiden erzählt und das wollte ich mir mal angucken. Und was soll ich sagen: Es war ein bezaubernder Abend. Es waren natürlich viel zu wenige Zuschauer in diesem großen Raum und die Bühne wirkte ziemlich groß für die beiden Musiker. Aber für mich hatte es was ganz verzauberndes. Es kommt mir vor wie gestern, als ich noch schnell nach der Uni nach Rüsselsheim fuhr, mir nicht sicher war, wann es anfing, ich aber rechtzeitig ankam. Es war sogar noch Zeit vorher ein paar Worte mit Ben zu reden. Sie waren schon einige Tage unterwegs und was soll man sagen: Man sah es ihnen an. Auch schien es mir, dass das Veröffentlichen der eigenen Platte eher schwieriger werden würde, als gedacht. Beide hatten sie doch quasi fertig. Aber das Musikerbusiness scheint doch mehr Haifischbecken als Streichelzoo zu sein.

Dann der Auftritt. Es war zwar eigentlich „nur“ ein ganz normaler Singer-Songwriter Abend, bei denen Ben und Pele jeweils ihre eigenen Songs spielten, während jeweils der andere den anderen begleitete. Und trotzdem ist in meiner Erinnerung dieser Abend als ganz bezaubernd abgespeichert. Denn ganz besonders ist mir das Lied „Wir haben uns“ von Pele in Erinnerung geblieben. Vielleicht auch, weil es ein schöner Song ist, keine Frage, aber es lag wohl eher daran, wie Ben und Pele ihn darboten und generell zusammen auf der Bühne argieren. Damals kam mir zum ersten Mal der Vergleich mit dem kleinen Tiger und dem kleinen Bär von Janosch. Denn ihnen ging es gut. Denn sie hatten schließlich immer noch sich.

"Wasimmer" Cover

Und jetzt, fast ein Jahr später gehen die beiden wieder zusammen auf Tour. Doch diesmal haben sie eine Platte dabei: Pele Casters Album „Wasimmer“. Das ist ja eigentlich normal für Musiker. Doch wenn man versteht, was dahinter für Arbeit steckt, vor allem für wenig bekannte Musiker, dann freut man sich umso mehr.

Und noch mehr freut es mich, dass auf der Platte die Songs drauf sind, die ich schon von vor einem Jahr kannte. Wie auch ebenjenes für mich besonderes „Wir haben uns“. Auf der Platte im Duett mit einer Frauenstimme, Meike Büttner. Neben dieser schönen Ballade zeigt uns Pele aber auch, wie vielseitig er sein kann. Mal verliebt romantisch, mal mitreißend, mal nachdenklich mal dada oder gaga.

Pele weiß schließlich, was so zu tun ist. Seine Astra Kid Vergangenheit steckt noch immer in ihm, in der er Sänger und Gitarrist war. Während seiner noch andauernden Anstellung als Bassist bei der Band Klee hält er sich eher zurück, doch werkelt er schon länger an den Songs für sein Album. Wie es sich für einen Rheinländer gehört hat er das Album nun am 11.11.2011 veröffentlicht. Paare heiraten, Eltern wollen ihr Kind entbinden, Musiker wollen ihr Debutalbum rausbringen. Schnapszahlen bringen Glück.

Und das wünscht man. Mit solchen Rocknummern wie der ersten Single „Der Laden“ konnte man sich schon überzeugen lassen. Alle Lieder werden von Gitarre und Peles Stimme getragen. Auch elektronische Töne sind mal zu hören. Genregrenzen sind schließlich zum Überwinden da. Da treibt der Bass bei „Ziehen wir mit“, mal ist er total verspielt in „Gin Tonic“ oder nachdenklich in „Halbstark gelebt“.

Freuen werde ich mich, die Lieder in ihrer Bestimmung zu erleben: Mit Band auf den Bühnen dieses Landes. Zum Plattenrelease ist Pele just unterwegs. Natürlich darf sein Musikerfreund Ben Schadow nicht fehlen. Denn was wäre sonst der „kleine Tiger“ ohne seinen „kleinen Bären“? Und damit das alles nach Band klingt und aussieht, haben die beiden zwei weitere Musiker mit im Gepäck: Michael Fromme und Dirk Haefner von Pretty Mery K. Das verspricht viel und könnte man sich angucken.

Natürlich reichten keine wenige Zeilen. Ein Anspruch, den ich nie einhalten kann oder auch nur versuche. Doch zum Schluss muss ich klugscheißen: Im Song „Nichts vergessen“ singt Pele: „Hast du wirklich nichts vergessen außer mich?“ Da schaltet sich die eine Hälfte als Germanistikstudentin in mir ein, die Alarm ruft! Nach meinem Sprachgefühl sollte das „außer mir“ heißen. Ich habe das tatsächlich nachgeschlagen und war danach nur noch verwirrter. Blöde Präposition. Ihr Kasus hängt nämlich vom Verb ab. Oder so. Aber: Ich mag Musiker, die mich geistig fordern.

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