Tag 8: „Dann bist du also ein Groupie…“

ClickClickDecker & Petula in Jena, Rosenkeller.

Das waren keine 7 Stunden Schlaf! Bildete ich mir jedenfalls ein. Nachdem ich teilweise ansprechbar war, genehmigte ich mir Frühstück und einen Blick in die Tageszeitung.

Danach Busfahrt bis Schwäbisch Hall und ab in den Regionalzug nach Nürnberg. Schlechter wie an diesem Tag habe ich mich selten auf der Tour gefühlt. In Nürnberg hatte ich eine Stunde Aufenthalt. Und da die Medikamente bereits knapp wurden, plünderte ich die Apotheke.

Nürnberg-Jena. Auf dieser Strecke wäre ich fast gestorben. Spätestens da bereute ich die Entscheidung, nicht für ein paar Tage ausgesetzt zu haben.

Gutes Wetter in Jena. Auf der Suche nach der Pension. Zimmer im dritten Stockwerk, Trekkingrucksack und kein Fahrstuhl. Nachdem ich es auf meiner imaginären Liste abhakte, mir etwas Warmes zu essen zu besorgen, befand ich es für besser, mich für 2 Stunden aufs Ohr zu hauen.

Nach 19 Uhr machte ich langsam los Richtung Rosenkeller. Irgendwie fand ich nicht direkt die Straßen, in die ich hätte einschlagen müssen. Aber was solls, ich hatte ja Zeit.

Nach einem kleinen Irrspaziergang stand ich vor dem Club.

Einmal den Ausweis bitte.“

Ausweis? Was zur Hölle?

Den habe ich im Pensionszimmer liegen lassen.“

Pensionszimmer? Du kommst also nicht von hier?“

Nein. Ich komme aus Hamburg.“

Ach, dann bist du also ein Groupie, welches der Band hinterherfährt!“

Jena, setzen, 6! Man sieht sich immer zweimal im Leben, werter Herr Ausweiskontrolleur.

Da ich ihm dem Spaß nicht nehmen wollte, sagte ich kurz und knapp: „Ja, selbstverständlich!“

Der weite Weg in den Keller begann. Endlose Stufen hinunter, hier und da (aus reiner Vorsichtsmaßnahme) wurde der Kopf eingezogen. Aber ein wirklich sehr sehr schöner Veranstaltungsort.

Keine Menschenseele da. Und weil ich bereits am Einlass als „Groupie“ abgestempelt wurde, setzte ich mich erst recht nach vorne auf die linke Seite. Wenn schon, denn schon!

Auch hier füllte sich der Raum nur sehr langsam. Ich versuchte die Zeit rumzubekommen, indem ich mir irgendwelche Notizen vom Vorabend machte.

Juhu! Petula schwang seinen Luxuskörper auf die Bühne! Er erzählte unter anderem davon, wie sein letzter Auftritt in dieser Stadt so war und was alles passierte. Leider konnte ich mir das nicht alles merken. Auf jeden Fall war Regen mit im Spiel.

A Circle Is A Lover´s Straight.

Sing!

Talking In Landslides.

Diese neuen Songs (Achtung: Bisher nur vorläufige Arbeitstitel!) brannten sich immer mehr in mein Hirn und bescherten mir nach jedem Abend einen wechselnden Ohrwurm.

Das Highlight: Er kündigte wieder den Song über „Edelmetalle“ an und meinte, dass er bei diesem Lied gut sehen kann, ob ihm auch zugehört wird. Das warf in mir einige Fragen auf, aber nun gut.

Während er sich das Mikro schnappte, tänzelte und die ersten Zeilen sang, dämmerte es mir langsam, was er meinen könnte. Ich hatte eine Idee, aber ob ich richtig lag?

Er schob den störenden Mikroständer und alles andere beiseite. Er steuerte zielgenau auf die Treppe zu, ging die Stufen hinunter. Genau da, wo er den letzten Teil einfach nur rausbrüllte, stand er vor uns. Es war eindrucksvoll. Nein, mehr als das! Sogar ich hielt für einige Sekunden den Atem an. Herr Cleemann- Immer für eine Überraschung gut! Ganz ganz groß war das. Wirklich! Jena nahm Petula sehr gut an und mit einem tobenden Applaus vom Publikum verabschiedete er sich und verließ die Bühne.

Umbaupause.

Da es doch langsam kalt im Keller wurde, zog ich die Jacke wieder an. Kurz darauf erreichte mich die Frage, ob es mir inzwischen wieder besser gehen würde. Ich bejahte, was aber doch nicht ganz der Wahrheit entsprach. Kann man eventuell als kleine Notlüge durchgehen lassen, eh wieder jemand ein schlechtes Gewissen aufgrund meiner Dummheit bekommt.

Kevin und Oli traten an die Mikrofone. Da zwischen Bühne und der ersten Stuhlreihe doch massig Platz vorhanden war, meinte Kevin, dass wir doch alle ein Stück vorrücken sollten, damit auch alle Interessierten in den Keller passten. Wir ließen uns nicht lange bitten und schon gab es ein Möbelrücken vom Feinsten! Kurz darauf fragte Oli, ob das gerade jemand aufgenommen hätte, was wohl leider nicht der Fall war. Schade!

Aber gut: Die erste Reihe konnte sich wie zu Hause fühlen und man lagerte die Füße größtenteils auf dem Bühnenrand. Gemütlich! Mittendrin statt nur dabei!

Nach den ersten Songs erzählte Kevin, dass er an diesem Abend schon mehrmals auf die Stühle angesprochen wurde. Wieso/Weßhalb/Warum bestuhlt? Weil sie es einfach so wollen. Punkt. Das Thema griff er auch im Song „Ich kenne meine Schwächen“ auf, indem er sang:

„Wahrscheinlich wirst du sagen: „Es war hammermäßig! Du hast wirklich was verpasst! Das Konzert war bestuhlt, war bestuhlt, war bestuhlt!“

Oder auch, als er eines der neuen Lieder anstimmte, erzählte er etwas zu diesem Thema, bis einer aus dem Publikum rief: „Das ist aber nicht der richtige Text!“

Und Oli schaute grinsend ins Publikum und meinte: „Woher willst du das denn wissen..?“

Das zweite Highlight des Abends:

Der Song „Die Aufgabe davor und die Abgabe danach“ war an der Reihe. Kevin rief nach Petula, der sich erst durch die Menschen schlängeln musste. Während er das tat, ergriff ein Herr die Chance und rief folgendes gut hörbar durch die Gegend:

„EIN SCHÖNER MANN!“

Gelächter bei Publikum und Musikern. Als Petula endlich auf der Bühne erschien, sagte er auf seine etwas schüchternen Art und Weise nur „Danke!“ und musste sich das Lachen doch sehr verkneifen. Ebenso wie Kevin und Oli. Aber wie Kevin meinte: Die Wahrheit muss auch mal gesagt werden!

Außerdem wurde noch erzählt, dass sie während der Fahrt von Künzelsau nach Jena eine Pause machten, um sich zu Stärken. Dort nahmen sie eine Brotzeit zu sich. „Streichelzoo“ inklusive.

Irgendwann gab es für Oli eine Pinkelpause. Während er auf die Treppe zusteuerte, wurde er von einem Herrn abgefangen. Dieser fragte ihn, ob sie „Durch die Bank“ spielen könnten. Als er Oli dann irgendwann Richtung Toilette entließ, fragte Kevin, ob er gerade jemanden kennengelernt hätte. Nun kümmerte er sich um den jungen Mann und meinte, dass er das später erst mit Oli abklären müsste. Diese Antwort genügte ihm und er verzog sich wieder nach hinten.

Jena war neben Köln und München das beste Konzert der Tour. Für mich!

Und weil es so schön war, erklärte sich Marisa sofort dazu bereit, auch einige Zeilen zu diesem grandiosen Abend zu schreiben. Vielen Dank dafür!

Clickclickdecker in Jena – endlich! Nachdem ich 2009 den „Du Ich Wir Beide Zu Den Fliegenden Bauten“-Auftritt auf dem Reeperbahn Festival verpasst hatte (Ich glaube, weil wir vor der Großen Freiheit standen und zu Deichkind wollten. So wie 200 weitere Personen, die es auch nicht mehr geschafft haben. Ja, ich war jung und ungestüm und im Nachhinein betrachtet ein bisschen doof), konnte ich nun endlich einen weiteren Haken auf meiner Audiolith-Konzert-Liste machen – einen der schönsten Haken überhaupt, so viel sei vorweg genommen. Also auf in die Rose nach Jena!

Zunächst Petula begutachten. Man, wieso hab ich den denn bisher so komplett übergangen? Anfangs etwas ungewohnt im Ohr, war ich am Ende komplett von dessen Qualitäten überzeugt – ich liebe Loops, so sieht’s aus. Pünktlich zu Clickclickdecker dann Sitzplätze ergattert (Mein drittes Sitzkonzert überhaupt. Und die waren alle großartig.). Kevins Aufforderung zum Stühlerücken führte zum schönsten Knarzkonzert, dass Jena je gehört hat. Nachdem die Stimmung nun also trotz Kelleratmosphäre kuschelig genug war, konnte das dynamische Duo auf der Bühne loslegen. Kevin und Oliver, zwei so sympathische Kerle mit dem klischeehaften Spaß an der Musik, die genau wissen, was sie da oben tun, zogen mich komplett in ihren Bann. Ich fühlte mich wie zu Weihnachten, wenn man mitten zwischen dem ganzen Stress vor dem glitzernd-funkelnden Tannenbaum sitzt und das Ding einfach nur gedankenverloren anstarrt. Gänsehaut und Seligkeit waren die Schlagwörter des Abends – neben einer Menge Spaß. Zwischenrufe aus dem Publikum (Petula kommt für einen Song auf die Bühne: „EIN SCHÖNER MANN!“), Diskussionen über die Qualität des Hausbiers sowie Geschichten über Eierlikör sorgten dafür, dass ich nicht komplett in Trance versank. Nach einer kurzen Pinkelpause für Oli ging es mit einem ausgedehnten Zugabenteil weiter – den Versuch einer einzelnen Person, Kevin als Jukebox zu missbrauchen, wollen wir an dieser Stelle einfach mal ignorieren – und viel zu früh war das Konzert zu Ende. Wenigstens habe ich so meinen Zug erwischt, lauschte mit den Liedern im Kopf dem monotonen Rattern und die Frage Wann gehen wir schlafen, wann soll ich dich abholen? beantwortete sich diesmal ganz von alleine. Clickclickdecker – immer wieder gerne.

.

Werbeanzeigen

Schlagwörter: ,

Trackbacks / Pingbacks

  1. Lybe beim Verhör! | Lybe – Eine Liebe zur Musik. Punkt. - 13. November 2011

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: