Tag 4: „Gesundheitsfanatiker vs. Reutlinger“

ClickClickDecker & Petula in Reutlingen, Franz K

Die erste Frage nach dem klingeln des Weckers: „In welcher Stadt bin ich gerade?“ Ah, stimmt. Noch immer in München. Alles zusammengepackt, kurz an Jack gedacht und ab zur Rezeption. Dort zwei Personen. Ein Mann und eine Frau. Der Mann schaute mich an und meinte zur Dame: „Pass auf, Sie ist gefährlich!“ Wahrscheinlich sollte man in München darauf achten, keine Shirts mit Totenkopf anzuziehen. Nun denn…  Auch mittags schien die Sonne ohne Erbarmen. Wenn das so weitergeht mit dem Wetter, muss ich mir wohl ein Shirt am Merchstand kaufen, weil alles andere schon durchgeschwitzt ist.

Ab nach Reutlingen. Ungefähr 4 Stunden mit dem Zug.

In Reutlingen angekommen: HITZE! Aber das Hotel lag nur 5 Minuten zu Fuß entfernt und das Beste daran: Der Club befand sich direkt auf der anderen Straßenseite. Luxus.

Herzlicher Empfang an der Rezeption, so muss das sein. Das Zimmer ungeheuer groß. Hätte fast als eine Ein-Zimmer-Wohnung durchgehen können. Und das Bett erst. Himmlisch! Ich hätte eher bock gehabt, nur in diesem Zimmer abzuhängen und keinen Schritt mehr nach draußen zu gehen.

Dennoch tat ich es. Einmal quer durch die Fußgängerzone. Sehr schön, wirklich. Danach folgte: ausgiebige gammelei!

Kurz vor 20 Uhr überquerte ich die Straße, suchte mir einen guten Platz im Franz K. Der Raum war recht groß. Tischsitzgruppen. Es wirkte etwas verloren. Auch als die meisten saßen. Die Musik, die vorher lief, ging mir allmählich ziemlich auf den Sack. & ich betete, dass es doch bitte langsam beginnen würde.

Petula trabte zur Bühne. Heute: Mit Turbostaat-Shirt. Er begann seicht, die Gespräche wurden eingestellt. Das Publikum war aufmerksam. Wahnsinnig aufmerksam.

Auch schon dort schön zu beobachten: Durch das Licht fiel sein Schatten überdimensional an die seitliche Wand. Also wenn man genug vom kleinen Petula hatte, konnte man sich gut mit dem großen Petula beschäftigen. Abwechslung muss schließlich sein.

Das Licht wechselte zwischen grün, rot, blau und lila. Durch das bläuliche Licht und die Kerzen auf den Tischen meinte Cleemaus, dass er es ihn gerade an Arielle erinnern würde, weil es etwas Lagunenhaftes an sich hatte.

Auch so erzählte er, dass er das Kassettenalbum „Elephant Dresses“ dabei hätte. Für diejenigen, die ein Kassettenrekorder besitzen. Für die anderen gibt es „die Kassette zum…äh…den Kassetteninhalt zum downloaden. Vielleicht kann man demnächst auch die Kassette downloaden, wenn es die 3-D-Drucker irgendwann zu kaufen gibt…äh…Ich fange jetzt besser mit dem nächsten Song an!“ (Nicht der genaue Wortlaut. Es war zu wirr, um es im Kopf zu behalten!)

„Hills&Hill&Hil&Hi&H“ gab es endlich wieder zu hören. Und ein neuer Song, den ich auch noch nicht kannte, der mich aber ziemlich umhaute. Ich sollte wohl mal in Erfahrung bringen, wie diese neuen Songs alle heißen. Außerdem sollte man auch öfters vor dem Mischpult sitzen, denn dort ist der Sound einfach am besten. Herr Cleemann beendete sein Set.

Umbaupause. Und wieder begann die Pausenmusik  von vorne, die sich langsam in mein Hirn fräste.

Das Licht verdunkelte sich, Kevin betrat die Bühne ohne Schuhe und Strümpfe. Die Gespräche wurden pünktlich zum ersten Ton eingestellt. Während Kevin beim ersten Song mit dem Fuß auf dem Boden stampfte, hörte man von ihm kurz darauf ein „Aua!“.

„Das ist kein Holz. Das ist Beton!“

Zwischen den Songs herrschte eine drückende Stille. Kevin und Oli konnten sich noch so anstrengen, aber es konnte keinerlei Verbindung zum Publikum hergestellt werden. Auch auf die Frage: „Was macht man an einem Samstagabend in Reutlingen?“ gab es keinerlei Reaktionen. Wahrscheinlich, weil man in dieser Stadt nicht wirklich viel machen kann. Das hingegen fand er sympathisch, da er auch nie weiß was er antworten soll, wenn er gefragt wird, was man an einem Samstagabend in Hamburg so macht.

Der Merchtisch befand sich dieses Mal im Raum, hinterste Ecke. Petula hat es sich dort bequem gemacht. Und da niemand mit Kevin und Oli reden wollte, versuchte er mit Sebastian ins Gespräch zu kommen. Er fragte die Techniker, ob es möglich wäre, dass er ebenfalls ein Mikro bekommt. Selbst darauf bekam er keine Antwort. Jedenfalls keine mündliche. Kevin fand es gut, dass Petula sogar sein eigenes kleines Scheinwerferlicht hatte und sein Buch weiterlas.

Irgendwann fragte jemand, ob die Leute am gestrigen Tag in München ebenfalls saßen, bzw. ob es auf der kompletten Tour durchgezogen wird. Herr Hamann nahm jede Möglichkeit wahr, um Leute in ein Gespräch zu verwickeln. So sprang er von der Bühne, ging ein Stück auf den jungen Mann zu (der leise ein „oh oh“ ausstieß), und beantwortete die Frage. Und auch darauf folgte, ob es denn in Ordnung wäre mit dem Sitzen. Das Publikum war geteilter Meinung. Und wer Lust hätte, der dürfte auch aufstehen. Kevin zeigte verschiedene „Standorte“ an.

Sehr schön auch die Bemerkung von einer Person, als wieder gesagt wurde, dass es viel zu still wäre:

„Wir wollen Unterhalten werden!“

Aber komischerweise wollte Herr Hamann kurz nach dieser Aussage schnellstens mit dem nächsten Song beginnen.

„Wir spielen morgen in Magdeburg. Das sind 600km. Aber das kennen wir ja schon“

Vielen Dank für diese Erinnerung. Ich würde aber behaupten, dass man diese 600km im Auto besser als im vollgestopften Zug verbringen kann. Mit dem Auto kann man wenigstens spontan irgendwo halten, ohne großartig darauf zu achten, wie spät es ist. Und man hat seinen Sitzplatz. Und man muss sich nicht mit irgendwelchen Möchtegern- Gangstern rumschlagen oder schreienden Kleinkindern, oder oder oder.

Oli nutzte nach „Die Aufgabe davor und die Abgabe danach“ die Zeit für eine kleine Werbepause und Hamännchen spielte den passenden Jingle dazu.

„Pt 82“, „Einbahnstraße“ oder „Mit Naumanns Füßen“ (mein persönlicher Soundtrack der letzten 3 Monate) suchten sich einen Weg durch unsere Gehörgänge.

Irgendwann entwickelte sich wieder ein kleines Gespräch zwischen Kevin und Sebastian. „…das nächste Lied passt perfekt..Dialog mit dem Tölpel.“

Und Oli meinte, dass man gerne zu Petula gehen und irgendeine Frage stellen könne. Meistens bekommt man dann eine Gegenfrage an den Kopf geschmissen. Hat das jemand ausprobiert?

Nachdem sich der letzte Song dem Ende nährte, dachte ich, dass es bestimmt keine Zugabe geben wird. Aber es kam überraschenderweise anders als gedacht: Der Applaus war jetzt zwar nicht allzu mächtig, aber er zeigte dennoch Wirkung. Kevin kam zurück auf die Bühne und meinte, dass sie überhaupt nicht damit gerechnet hätten.

Nach alten Krachern („Niemand tanzt so kacke wie ich“, „Wer erklärt mir wie das hier funktioniert“) war auch dieses Konzert vorbei. Was bei den Zugaben aber meistens immer auffällt: Kevin fragt in die Runde, was man sich an Songs wünscht. Trotzdem spielt er das, worauf er Lust hat, weil er die vorgeschlagenen Songs (wie zum Beispiel „Stolpern“) nicht spielen könne. Schade eigentlich. Wie meinte er schon an anderen Abenden: „Mut zu Fehlern!“ Nur zu, Herr Hamann. Es ist sicher keiner böse, wenn ein Song mal daneben gehen sollte. Ganz im Gegenteil!

Danach: Rüber ins Hotel, den letzten Rest von „Titanic“ (Haha!) gesehen und den Wecker auf 7.30 Uhr gestellt.

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  1. Lybe beim Verhör! | Lybe – Eine Liebe zur Musik. Punkt. - 13. November 2011

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