Tag 1: „home sweet home“

Tag 1: ClickClickDecker & Petula in Göttingen, Apex.

„Müssen Sie durchhalten oder möchten Sie gesund werden?“

Frage von der Mitarbeiterin in der Apotheke, die ich kurz & knapp mit „Beides!“ beantwortete. Wer kennt das denn nicht? Pünktlich zum Urlaub wird man krank. Da führt irgendwie selten ein Weg daran vorbei.

Aber mal ehrlich: Ich weiß, wer zumindest eine Teilschuld an diesem ganzen Schlamassel trägt: CLICKCLICKDECKER! Genau! Am 27. August spielte der Herr auf dem Dachgarten. Das Wetter in Hamburg war zu dieser Zeit alles andere als gut ausgestattet, trotzdem zog er es durch. Insgeheim habe ich mir gewünscht, dass das Konzert in den Club verlegt werden würde, aber nichts. Es regnete zwar nicht, aber es wehte uns in dieser Höhe ein eiskalter Wind um die Nase. Ich war nach dem Konzert so durchgefroren, dass ich meine innere Wärme erst am darauffolgenden Tag wiederfand. Schon auf dem Dach war mir klar: Ich fange mir garantiert etwas ein!

Und ich habe Recht behalten!

So starte ich also die Tour: Verschnupft. Wenn das nicht großartig ist, dann weiß ich aber auch nicht! Schon vorher überlegte ich: Sollte ich die Tour absagen? Oder erst später einsteigen?

Aber ich habe mich seit Monaten darauf gefreut. Ich habe mich durch die verdammte Touristenzeit geschlagen, nur mit diesem einen Ziel vor Augen: Die Tour von ClickClickDecker.

Also sage ich diese auch nicht ab. Punkt.

Wer die Berichte von der letzten 10-Tage-Tour gelesen hat, weiß, dass ich immer gerne aushole. Und so wird es auch dieses Mal laufen. Frei nach dem Motto: Wer das hier liest, ist selber schuld!

Das erste Konzert findet in Göttingen statt. Gott sei Dank keine zu große Distanz zu Hamburg. Der ICE fuhr los und es fing an zu regnen. Nun weiß ich, was ich mir vor der Tour noch besorgen wollte: Eine Regenjacke! Aber da mich die Erkältung niederstreckte, zog mich nicht viel in die Straßen von Hamburg.

Hamburg- Göttingen. 2 ½ Stunden Fahrt. Beste Durchsage auf dieser Strecke war, dass sich die Kaffeemaschine erst aufheizen müsste & es somit gute 40 Minuten dauern könnte, eh der erste Kaffee fließt. Gut, dass ich kein Kaffeetrinker bin. Ansonsten: Reibungslose Fahrt und sogar alles überpünktlich..!

Ankunft in Göttingen.

Ich kramte mein kleines schlaues Buch hervor, in dem ich mir am Vortag sämtliche Wegbeschreibungen aufschrieb und teilweise sogar aufmalte. Gut, dass ich früher in der Schule immer eine 3 oder 4 für meine „Werke“ kassierte.

München. Oder so.

Bei Google Maps sah die Entfernung vom Bahnhof bis zum „Hotel Rennschuh“ nicht so weit aus. 30 Minuten zu Fuß. Leider vergaß ich, dass ein Trekkingrucksack an mir haftete und mir die Erkältung den Rest gab. Immerhin hatte ich auf dieser Strecke nur zweimal das Gefühl, dass es mir gleich den Boden unter den Füßen wegreißt. Man überschätzt sich leicht, wenn man krank ist.

Angekommen im Zimmer, den Rucksack in die Ecke geschmissen & einige Tabletten später befand ich mich auf dem Weg zum Club. Das hieß: Die komplette Strecke zurück zum Bahnhof. Aber ohne Rucksack!

Ach, als ich mich in der wunderschönen Altstadt von Göttingen befand, kamen die Erinnerungen an 2009 zurück, als ClickClickDecker mit seiner Band im Theaterkeller spielte. Auch da spielte sich Petula schon in die Herzen des Publikums. Lars Lewerenz schlief seinen Rausch auf der Bühne aus & Simon Rass vergnügte sich mit dem Hund. Kevin & Oli standen Rede und Antwort. Wir verliefen uns in der Altstadt. Petula zerstörte meinen Stift & sorgte später für Ersatz. Und als es nach dem Konzert regnete & wir zurück zum Bahnhof mussten, bot uns Kevin an, dass sie uns auch eben mit dem Auto hinfahren könnten. Das war 2009.

Zwei Jahre später: Veranstaltungsort Apex. Angekommen und erst mal davor gesetzt, damit ich mich kurz erholen konnte. Die Leute, die rein und raus rannten, beobachtet. Und wieder festgestellt, wie schön es eigentlich in dieser Stadt ist. Zumindest in der Altstadt. Währenddessen durfte ich „Auskunft“ spielen. Eigentlich wollte ein junger Mann  nur wissen, was denn heute stattfindet. Während ich ClickClickDecker in einem Musikgenre stecken wollte, wollte er nur wissen, ob es ein Konzert wäre.

Blick auf die Uhr: Kurz nach 20 Uhr. Also mal rein in die gute Stube. Etwas unübersichtlich war es, weil irgendwie viele Leute in der Gegend rumstanden und einige nur in die angrenzende Kneipe wollten. Kurz darauf ließ man uns nach oben. Stühle (Juhu, keine Bierbänke!) erwarteten uns, gemütlich war es. Das Licht gedämmt, hier und da Kerzen und kleine Lampen. Es zog mich nach links. Auf den Stühlen befand sich ein Flyer und Schokolade. Welch ein Service!

Das Warten begann, im Hintergrund lief leise klassische Musik. Die Bühne war schön ausgestattet: Mit einem „Home sweet home“- Kissen, Stehlampe und Sessel. Wie in einem Wohnzimmer.

Irgendwann betrat Petula die Bühne. Er startete mit einem neuen Stück. Als ersten Song fand ich es etwas schwer verdaulich. Das Licht war anfangs nicht eingestellt, sodass die Leute erst spät mitbekamen, dass es schon losgeht und die Gespräche erst während des ersten Songs verstummten.

Zwischen den Songs herrschte eine gespenstische Stille. Ich persönlich kann dann nur schwer einschätzen, ob sie es nun mögen oder nicht. Aber wenn man nach dem Applaus  gehen würde, hat es gefallen, was Petula bot.

Einige neue Songs fanden den Weg auf die Setlist, die mir schon zusagten. Es ist ja für mich sehr schön, auch was zu hören, was vollkommen neu ist und was einem dann gleich fesselt. Es macht einfach Spaß, immer wieder neue Dinge bei einem Petula-Konzert zu entdecken. Jetzt, wo ich diesen Mann schon sehr sehr oft auf der Bühne sah. Es wird einfach nicht langweilig.

Beim Song „Connect the dots“ konnte man Kevin an der Seite beobachten: mitwippend und textsicher! So muss das sein!

Und da war er wieder: Der Song „Realgold“! Der Song, bei dem der Herr die Gitarre beiseitelegen kann, um sich tanzenderweise dem Rhythmus hinzugeben und allen Anwesenden zeigen kann, was er für eine gewaltige Stimme besitzt & damit immer wieder überrascht. Einer meiner Lieblinge von diesem Musiker.

„Let us be wonderful people“ als letzten Kracher. Ja, da ist er wieder: Der Ohrwurm, der mich auf der restlichen Tour begleiten wird. Und darüber hinaus! Und das ist auch gut so.

Das war es auch schon. Nach einem tobenden Applaus wurde die Bühne für ClickClickDecker hergerichtet. Die Temperatur im Raum stieg mit jeder Minute, so kam es mir jedenfalls vor.

Kevin Hamann & Oliver Stangl. Was soll man zu diesem Traumduo eigentlich noch sagen? Selten sieht man Musiker, die sich so einig und mit so viel Herzblut (und Schweiß) bei der Sache sind.   

Rotlicht. Dieses setzte Kevin dann doch nach einigen Songs zu und man bekam schon leicht Mitleid, da er schwitze. Und schwitzte. Und schwitzte.

Zwischen Klassikern wie „Händedruck am Wendepunkt“, „Mit Naumanns Füßen“ oder „Wer hat mir auf die Schuhe gekotzt“, schlichen sich neue Songs ein, die man auch schon Ende August auf dem Dachgarten hören konnte. Und lasst euch gesagt sein: Diese sind wunderbar! Wann kann man denn endlich mit einem neuen Album rechnen..? Zeit wird es!

Nach einem Song verschwand Kevin schnellen Schrittes von der Bühne. Was war passiert? Einige Sekunden später steckte er seinen Kopf aus dem Backstagebereich und fragte Oli, ob er auch ein Handtuch haben möchte. Dieser sagte natürlich nicht nein & schon bekam er es um die Ohren geschmissen. Kurz darauf kam auch Kevin mit einem Handtuch.. nein, mit einem Schal.. zurück auf die Bühne. Vorher wischte er sich den Schweiß am schönen „Home sweet home“- Kissen ab. Nun, Gott sei Dank, diese Miniaturausgabe eines Handtuches.

„Dialog mit dem Tölpel“ folgte. Und wie er schon bei der letzten Tour erwähnte: Er weiß nie, was er mit seinen Händen anstellen soll. So musste das Handtuch herhalten, welches er mal an den Mikroständer befestigte und im nächsten Moment ließ er es locker aus der Arschtasche hängen.

Wo zum Teufel ist eigentlich der Song „Zurecht ungerecht“ geblieben? Ich habe es, zugegeben, etwas vermisst.

Das Highlight: Die „B-Seite“ vom gemeinsamen Werk mit Gisbert zu Knyphausen. Also der Song von Kevin. „Die Aufgabe davor und die Abgabe danach“ Und dafür holten sie sich Unterstützung auf die Bühne. Petula gesellte sich dazu und so schmetterten sie uns diesen grandiosen Song um die Ohren! Wahnsinn, wahnsinn, wahnsinn! Großartig umgesetzt! Mehr davon, bitte.

Einige Mädels hatten  im hinteren Bereich wohl schon einiges an alkoholischen Getränken im Blut und fingen irgendwann an, „Aufstehen!“ zu rufen. Und das nicht nur einmal. Nein, unzählige Male. Einfach mal die Klappe halten. Wer zu spät kommt, muss halt stehen. Punkt.

Schön war aber, als eine Dame namens Eva fragte, ob das rote Licht ausgeschaltet werden sollte. Darauf meinte Herr Hamann, dass er das doch schon die ganze Zeit sagen würde. Und die Mädels von der hintersten Front riefen das Wort, was sie in diesem Zustand noch kannten: „Aufstehen!“

Schön kommentiert von Kevin: „Geht dann das Licht aus?“  Den Vogel schoss dann Herr Stangl ab, als er darauf noch sagte, dass wohl jemand auf der Leitung sitzen würde. Und er bat, doch schnell mit dem nächsten Song zu beginnen. Ich bin ja dafür, dass sich Herr Stangl öfter auf der Bühne zu Wort melden sollte!

Schutzraum“, Coversong von der Band Peer. Wunderbare Version. Und da die Mädels von hinten noch immer keine Ruhe gaben, setzte sich Kevin kurzerhand auf den Sessel in der Ecke & auch Oli machte es sich auf dem Hocker bequem.

Es war ein wunderschöner Tourstart, kann man nicht anders sagen. Und als das applaudieren verstummte und die meisten aufstanden, konnten es die Mädels nicht glauben und meinten, dass es nicht sein kann. Denn es würde bestimmt noch weitergehen und schließlich haben wir doch die ganze Zeit gesessen. Frechheit von uns einfach aufzustehen.

Während Petula am Merchstand gut beschäftigt war, musste ich dringend an die frische Luft. Nachdem er den Ansturm abgearbeitet hatte, wurde noch kurz die Sache mit den Postkarten geklärt. Vielen Dank fürs Mitmachen, Herr Cn! Und für den gutgemeinten Tipp mit dem warmen Bier mit Honig!

Das darauffolgende Konzert in Wiesbaden musste ich kurzfristig absagen. Ich muss zurück nach Hamburg. Denn jeder weiß: Wer in dieser Stadt eine neue Bude in zentraler Lage sucht, muss jede Möglichkeit wahrnehmen. Und wenn man sich vor 2 Wochen eine Wohnung angesehen hat und dann die Möglichkeit hat, den Vermieter zu treffen… Tour wird also in München fortgesetzt! Obwohl ich mich jetzt schon etwas vor der Strecke Hamburg- München fürchte.

Aber: Vorfreude!

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  1. Lybe beim Verhör! | Lybe – Eine Liebe zur Musik. Punkt. - 13. November 2011

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