„Welt=Doof!“

Wer kennt das nicht: Da gibt es Songs und Textzeilen, die einen viel bedeuten und mit denen man einfach wahnsinnig  viel verbindet. So auch bei mir. Einer dieser Songs ist „Endlich einmal“ von Tomte. Darin geht es um die unbändige Lybe zum eigenen Hund. Ich habe nun diesen Text dazu geschrieben, weil es mir im wahrsten Sinne des Wortes auf der Seele brennt. Ich hoffe, dass es in Ordnung ist, dass es sich hierbei nicht 100%ig um Musik handelt  und etwas abdriftet. Kein Interview, kein Konzertbericht. Nichts. Nur einige Zeilen über einen treuen Freund.

Wenn man viele Kilometer von der Heimat entfernt ist und sich unregelmäßig per Telefon bei der Familie meldet, um zu hören, ob alles gut ist und dann irgendwann in der Mitte des Gespräches mitgeteilt wird: „Rex ist gestorben. Wusstest du das nicht?“ Kurze Fassungslosigkeit auf meiner Seite. Ein zögerliches „Nein..“ entglitt mir und ich musste mit den Tränen kämpfte, eh ich mit schon zitternder Stimme sagte: „Ich muss nun noch eben einkaufen gehen. Ich habe nichts mehr im Haus!“ Danach wurde das Telefon in die Ecke geschmissen & viele Taschentücher mussten dran glauben.

1996. Mein Bruder, der 6 Jahre älter ist als ich, wünschte sich einen Hund. So fuhr er mit den Großeltern an einem schönen Tag zum nächsten Tierheim. Viele Stunden später kehrten sie zurück und mit ihnen ein kleiner frecher Schnauzer- Mischling. Niedlich war er und eroberte unsere Herzen im Sturm. Ich muss dazu sagen, dass ich in diesem Alter einen großen Respekt vor Hunden hatte. „Respekt“ kann man auch mit „Angst“ ersetzen. Streicheln war okay, nur mit dem anspringen des Hundes hatte ich so meine Probleme. Trotzdem habe ich ihn gemocht.

Die Frage kam auf: „Wie nennen wir ihn?“ Ratlose Gesichter. Ich weiß nicht mehr, wer die Idee hatte, aber plötzlich kam der Name „Rex“ ins Gespräch. Für mich natürlich super, weil ich diese Serie damals (wie heute) liebte. Einwände hatte ich nicht und seitdem hörte er, mal mehr und mal weniger, auf den Namen Rex.

„In dieser Welt, die für uns aus 3 Sachen besteht: Eine Hand auf dem Bauch, eine Stunde an der Luft, eine Jagd auf dem Geruch, der Lust verspricht.“

Ein kleiner Wirbelwind, der meistens nur sehr schwer zu bändigen war. Besonders wenn es um das Thema „Duschen“ ging. Das war etwas, was er nicht mochte. Da war Rex ein Sturkopf. Aber irgendwie bekam man es immer hin, auch, wenn man selbst gleich teilweise mitduschte. Kaum war er wieder „befreit“, schüttelte er sich und schmiss sich direkt in den nächsten Sandhaufen. Aber man konnte es ihm nicht lange übel nehmen und schon übernahm ein lächeln das Gesicht.

Zusammen mit dem damals besten Freund meines Bruders, wurde der Zwinger hergerichtet. Überdacht war es, eine Hütte war vorhanden und der Zaun wurde gut mit Draht befestigt. Über den Eingang der Hütte sollte in roten Buchstaben der Name „Rex“ stehen. Leider wurde das „X“ etwas verhunzt, aber dafür hatte es seinen ganz persönlichen Charme.

„Ich und mein Hund, wir mögen zusammen gehen.“

Auch so hatten wir nicht die Durchsetzungskraft, die man bei der Erziehung eines Hundes so braucht. Er konnte kein „Platz!“, „Männchen!“ oder „Gib Pfote!“. Nein. Nur ich habe Rex mit Hilfe von Leckerchen „Sitz!“ beigebracht. Zumindest, wenn es eine Belohnung gab und er durch keine Katzen abgelenkt wurde. Ja, die Katzen freuten sich natürlich nicht wirklich über den Neuzugang. So jagte er diese ständig, die sich nicht mit den Krallen wehrten, bis er von einem Zaun gestoppt wurde.

Er liebte Bälle. Ob Basket-, Tennis- oder Fußball. Er machte keinen Unterschied und raste hinterher, als ob irgendjemand hinter ihm her wäre. Er brachte den Ball entweder rollend oder in der Schnauze zurück. Ein harter Gegner, den man austricksen musste, eh man wieder an das Spielzeug kam. Und dann begann es wieder vom Neuen… Er hätte sich gut als Torwart gemacht. So konzentriert war er in dem Spiel. Er ließ sich auch immer wieder verarschen, indem man so tat, als ob man den Ball wegwirft, ihn aber stattdessen in der Hand behielt.

Angst hatte er aber auch. Und das an Silvester. Die Raketen und Böller waren überhaupt nicht sein Ding und es jagte ihm jedes Jahr aufs Neue Panik in die Glieder. So wurde er entweder über Nacht in den Stall zu den Schweinen und Kaninchen gesperrt oder ich ging kurz vor Mitternacht nach draußen und setzte mich vor die Hundehütte und leistete Rex Gesellschaft.

„Wir bleiben stehen: Ich ziehe deine Anwesenheit den meisten Menschen vor.“

Mir fiel gerade ein, was er auch mal tat, wo ich mir das Lachen echt verkneifen musste. An einem sonnigen Tag kam jemand aus dem Dorf zu uns. Schick im Anzug und mit polierten Schuhen. Der Hund lief auch vorne rum: Am Zaun entlang, durch den Schuppen und durch das Blumenbeet. Irgendwann blieb er bei dem Mann stehen, der gerade irgendetwas erzählte und ich beobachtete den Hund. Er schnüffelte unbemerkt an dessen Hose, ging einen kurzen Schritt nach vorne, hob das rechte Hinterbein… Ja, den Rest kann man sich wohl denken! Eine herrliche Szene, bei der ich mir förmlich auf die Zunge beißen musste, um nicht vor Lachen umzufallen!

Ansonsten war er auch schneller weg, als man gucken konnte, wenn man die Türen versehentlich nach vorne offen ließ. Dass dabei noch nie etwas passierte, grenzte schon an ein Wunder. So hatte ich mir mal Leine und Fahrrad geschnappt, um ihn zu suchen. Erfolglos kehrte ich zurück. Und einen Blick nach hinten in den Garten verriet mir: Aha, da ist er ja wieder! Hechelnd kam er auf mich zu, als ob nichts passiert wäre und schien mir sagen zu wollen: Wo warst du denn so lange?

„Du trägst immer eine Leine und das nur wegen mir.“

Stichwort Spaziergänge. Ich erinnere mich daran, dass es Winter war. Überall lag Schnee und es herrschte eine angenehme Stille in den Straßen. Alles war schön für Weihnachten dekoriert und so konnte ich auch mal meine Mutter dazu überreden, Rex und mich zu begleiten. Es schneite leicht. Ich persönlich lybe diese Jahreszeit, wenn es noch nicht zu kalt ist und überall der Schnee liegt. Nach einigen zurück gelegten Schritten fragte ich meine Mutter, ob sie den Hund nicht auch mal nehmen möchte. Kurze Zeit später bereute sie die Entscheidung, die Leine genommen zu haben. Der Hund zog plötzlich an dieser und eh ich mich versah, lag meine Mutter am Boden. Genau unter dieser einen Stelle gab es unter dem Schnee eine kleine Eisschicht. Ziehen an der Leine + Eisschicht= Keine gute Kombination. Ich fand es wahnsinnig lustig und Rex verstand nur Bahnhof. Auf dem restlichen Weg durfte ich die Leine wieder übernehmen. Noch Jahre nach diesem Vorfall zog ich meine Mutter mit der Szene auf.

Es ging auch öfters mit der besten Freundin zum Spaziergang. Sie hatte einen kleinen Jack- Russell- Terrier namens Josie an ihrer Seite. Mittlerweile ebenfalls verstorben. Rex, der schon einige Jahre auf dem Buckel hatte, ließ sich sein Alter nicht anmerken und hetzte munter Josie hinterher. Das Gute war: Rief sie Josie zu sich, folgte auch Rex, ohne lange zu zögern. So hatte man gleich beide Energiebündel an seiner Seite. Schön auch, als es dort diesen tollen Sandhügel auf unserem Weg gab. Ich und Sarah setzten uns dort hin, Josie und Rex turnten um uns rum. Rex wollte wohl bis an die Spitze dieses Hügels. Er hatte sie erreicht und als ich mich zu ihm umdrehte, kam er urplötzlich auf mich zu, überschüttete mich mit dem aufgewirbelten Sand und ich schoss in Windeseile nach oben. Ich hatte keine Chance zu flüchten.

„Da vorne könnte etwas passieren.“

Alleine ging ich auch sehr gerne mit Rex spazieren. Und meistens hatte ich Begleitmusik dabei und sehr oft hatte ich dadurch den Song „Endlich einmal“ in meinem Ohr. Oft waren wir dort ganz alleine unterwegs. So sang ich diese Zeilen leise mit, mein Herz klopfte und ich war froh, dass dieser Hund an meiner Seite war. Ob nun 10m vor mir rennend oder nur einen cm neben mir stehend. Oft sah er sich nach 20m nach mir um und wenn ich zu weit weg war, kam er im Eiltempo auf mich zugeschossen, um sich zu vergewissern. Danach rannte er munter weiter, bis wir beide wieder den Heimweg antraten.

„Sie erreichen ihre Ziele. Für uns ist es unsagbar weit.“

Es gab noch viele dieser wunderbaren Momente. Er hat mich, uns, 15 Jahre begleitet. Andere würden sagen: „Es war doch nur ein Hund!“ Nein, es war nicht NUR ein Hund. Es war ein Familienmitglied, das mir sehr am Herzen lag und immer liegen wird. Ein wunderbares Wesen, das besser als jeder Mensch war. (Wie sagt man immer so schön: Hunde sind die besseren Menschen! Wie wahr, wie wahr…)Er war immer da, hat einen aufgeheitert und abgelenkt. Es waren schöne Stunden, Tage und Jahre mit ihm. Ich vermisse ihn wahnsinnig und ich weiß, dass es ein komisches Gefühl sein wird, wenn ich in die Heimat fahre und mir kein Hund entgegen kommen wird und mich mit seinen großen dunklen Augen anschaut und sich freut. Nein, dort wird nichts mehr sein, wie es einmal war. Ich weiß, dass er ein langes und erfülltes Leben bei uns hatte. Er musste nicht hungern, bekam Aufmerksamkeit… Aber er fehlt. Er wird immer fehlen. Ich werde den Song „Endlich einmal“ immer mit Rex verbinden. An die schönen Momente, die man erlebte. Und das kann mir keiner mehr nehmen. Punkt.

Ich danke Thees Uhlmann für diesen Song! Deswegen lauten meine letzten Zeilen:

„Endlich einmal etwas das länger als 4 Jahre hält.“

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