„Plemo allein reicht mir nicht.“

„Was macht eigentlich Plemo zur Zeit?“
„Hast du es etwa noch nicht gehört?“ 
„Nein. Was denn?“
„Er hat jetzt ein Label gegründet, welches auf UAE! hört.“
„Echt? Erzähl mal!“
„Gerne, denn er hat mir verraten, wie das alles überhaupt soweit kam. Und zwar war das so…“

Wie und wann entstand die Idee für ein eigenes Label?

Tammy.

Die Idee, ein eigenes Label zu betreiben, gibt es schon ziemlich lange. Unser erstes Label gab es 1996. Da war wegen Techno die elektronische Musik voll am Start und wir wollten unsere Musik veröffentlichen. Wir fanden den Namen KIND und es gab noch 2 Sub-Labels: Stereofant und Mondefld. Davor habe ich versucht ein Label Names Fühlerplatten zu machen. Es gab ein paar Releases, aber es scheiterte dann immer daran, dass wir nie über die Hürden der offiziellen Geschäftsanmeldung kamen. Als 2003/4 Lars Lewerenz Audiolith Records entwickelte, habe ich etwa zeitgleich versucht, unter dem Namen HotPop Veröffentlichungen zu machen. Es gab zwei 7 Inches und diverse Mini CDs. Das HotPop-Logo steht ausserdem auf fast allen Audiolith-Veröffentlichungen von Plemo mit drauf. Da es dann aber mit Lars so gut lief habe ich das vernachlässigt und Audiolith wurde im wahrsten Sinne mein Zuhause. Das durchgeknallte Cobretti Label gab es auch. Das haben bekanntlich andere gemacht, aber ich wollte da immer mitwurschteln. Jüngst ergab es sich nun so, dass Audiolith und ich uns musikalisch nicht mehr richtig einig werden konnten und da habe ich mir quasi aus Heimatlosigkeit heraus UAE! ausgedacht. Da steckt sehr viel Protest drin und Marc (Johnny Kasalla aka Tomarcte) hat mir seine Hilfe angeboten.

Wie kam es zum Namen UAE!?

Wir beide dachten über einen Namen nach und Marc meinte „Randale“, wegen dem Protest und so. Aber es gibt schon ein Label namens Randale Records. Randale kommt von dem alten Plemo- Song Randale UAE. Und bumm, da ist er: UAE! mit Ausrufezeichen. Weil man aber für eine GbR noch einen Art-beschreibenden Zusatz braucht, haben wir No Records hinzugefügt, weil wir ein Plattenlabel sein wollen bei dem es „eigentlich“ keine Tonträger im herkömmlichen Sinne geben soll.

Soll das Ganze dann nur im Netz erscheinen?

Nein, ein reines Netzlabel finden wir langweilig. Die Musik ist eher ein Dach über all dem, was wir hoffentlich machen werden. In welcher Weise wir die Musik speichern werden kann variieren, es wird sie aber immer auch zusätzlich als Download geben.

War es erst als eine Art Spaßprojekt gedacht?

Absolut nicht. Ich brauche immer was zum entwickeln. Plemo allein reicht mir nicht. Ich bin leider komisch, unkoordiniert hyperaktiv. Deswegen habe ich z.B. auch so viele Profile bei Facebook: Mein Studio Phonraum Berlin. Die Musikprojekte Plemo, Rauschmonzter, Plemo and Rampue, KlöterBox und jetzt das Label UAE! Ausserdem noch einige geplante Projekte. Ich will nicht mehr sehr lange selber auf der Bühne stehen und deshalb habe ich nach einem Weg gesucht, meine recht umfangreichen Erfahrungen nicht einfach so verpuffen zu lassen. Da ich das Studio habe und immer auf der Suche nach neuer Musik und schönen Ideen bin, dachte ich, dass ein Label genau das richtige ist.

Welche Rolle spielt der Hund? Bzw. warum ist es gerade dieses Tier geworden?

Weil jeder der Beteiligten mit einem oder mehreren Hunden zusammenlebt. Er ist quasi ein Bindeglied. Ausserdem sind Hunde die besseren Menschen und Menschen kommen oft auf den Hund, wenn sie traurig sind und ich für meinen Teil war traurig. Es gab auch andere Entwürfe: Zum Beispiel ein „schreiend protestierendes Kind“. Das war auch super. Davon machen wir sicher T-Shirts. Der stilisierte Hund ist „Bobby“. Einer der Welpen, die unsere Hündin Frida 2007 zur Welt gebracht hat.

Wer gehört mit zum Team?

Das ist schwer zu beantworten. Wir sind aktuell 6 Leute. Ich habe so ein pseudo-romantisches Bild vor Augen: Ich stelle mir z.B. die grandiose Band Motorpsycho immer so vor, als ob sie da im Norden der Welt im Dunklen bei Kaminfeuer in so einer Stube sitzen, Käse essen, Schallplatten schnitzen und die dazugehörigen Taschen aus Filz herstellen. So ein Bild habe ich. Jeder macht das, was er am besten kann. Und die Hunde dösen oder hampeln rum.

Warum wurden gerade Marc, Tammy & Björn ins Boot geholt?

Marc ist einfach ein Mensch, der sich in den letzten Jahren als ein sehr sehr guter Freund herausgestellt hat. Außerdem sind wir uns musikalisch und in der Weltanschauung zu 99,997% einig. Das ist schon fast mystisch.

Marc.

Tammy und ich fühlen gleich und ohne sie würde etwas sehr wesentliches fehlen. Sie gestaltet super und hat Ideen, die einfach so aus dem Nichts da sind.

Björn Peng steht für sich. Björn ist so konsequent, dass wir uns alle eine Scheibe davon abschneiden könnten. Wir kennen uns musikalisch schon lange, aber dass wir jetzt so eng sind, ist eher Zufall gewesen. Es scheint sehr gut zu passen.

Wie teilt ihr euch die Arbeit auf? Wer macht was?

Das ist sehr fließend. Das kann man so genau gar nicht sagen. Tammy und Björn beherrschen z.B. Computerprogramme, mit denen man Grafiken erstellen kann. Das braucht man ja sehr sehr sehr sehr sehr viel. Sowas kann ich gar nicht. Ich kann nur Bleistift-Skizzen machen. Ich denke, dass sich das alles entwickeln wird. Die Dinge wachsen lassen könnte auch sowas wie eine Betriebsphilosophie sein. Ich bin sehr froh, dass in der GbR noch Angelika und Wolfgang sind. Das sind familiäre Freunde, die sich um BWL- und Orga-Fragen kümmern. Zum Beispiel hat Wolfgang die gesammten amtlichen Anmeldungen vorgenommen. An sowas sind andere Labelgründungen gescheitert.

Was ist das Besondere an diesem Label?

Das hervorstechendste ist, dass wir keinen Anspruch haben irgendwie cool zu sein. Wir sind Uncool. Uncool ist das neue Cool. „UAE! Himbeergelee!“

Nee, jetzt mal wirklich: Wir haben keine Lust, Stilikonen oder Vorbilder für den nächtlichen Ausgehtrend zu sein. Ich persönlich glaube an selbstverständliche Individualität. Und immer, wenn die sich irgendwo in Szenestyles auflöst, bin ich darüber bestürzt.

Für welche Leute könnte euer Label interessant sein?

Das wird sich finden. All denen, die irgendetwas an unserer Idee mögen. UAE! No Records ist ja auch ein „sich nicht abfinden wollen mit dem Gejammere in der Musikindustrie“. Wir verstehen uns eher als eine Art Ansammlung von Leuten, die aus innerem Antrieb ihr Ding durchziehen müssen. Dazu kann alles gehören: Jedes Produkt oder eine Neuzüchtung einer Kakteenart. Was auch immer. Die Musik ist eher so etwas wie der Himmel über dem Ganzen. Es gibt viele Bilder mit denen man die Idee beschreiben könnte. Oder wir sind eine Insel wo wir uns verbarrikadiert haben und keiner kann uns was. Trotz und Wut sind auch so Stichworte. Ich liebe das Buch/den Film Wo die wilden Kerle wohnen.

Ist es als reines Elektrolabel gedacht?

Es ist ein reines „Alles Mögliche“-Label.

Welche Musiker sind bei euch derzeit zu finden?

Tomarcte, Johnny Kasalla, Björn Peng, Raketenkind, Herr Stenzel, Rauschmonzter und Plemo. Die alle werden jetzt so nach und nach Dinge bei uns veröffentlichen.

Was müssten Künstler mitbringen, um zu euch zu passen?

Das kann so unterschiedlich sein. Es muss uns gefallen. Nicht zögern, meldet Euch.

Was sind eure Ziele im Bezug zum Label?

Die Berliner Quing „Sookee“ hat über ihrer Label Homepage Wir retten die Welt stehen. Da würde ich uns gerne mit einreihen. Das ist doch nicht zuviel verlangt, den Ast retten zu wollen, auf dem unsere Hintern sitzen. Ey komm, wirklich!

Gibt es noch etwas zu sagen? Dann, lieber Plemo, hast du jetzt die Möglichkeit dazu!

UAE Bedeutung:

Eine direkte Bedeutung wie:

Unterschätzt Auffälliges Ereignis. Urlaub Am Elbstrand. Unsere Ausgleichende Ersatzwelt. Ungemein Andere Ebene. Unangenehme AtomEnergie. Gibt es nicht!

Eventuell vielleicht Unicornis Aertana Est – Unser Absoluter Ernst.

UAE! ist ja eher eine Art Urschrei. Ein Brüllen der Vokale U, A und E. Das unterstreicht den Protest in dem Gedanken und es sind 3 herrliche einfache Buchstaben. Jeder darf sich seine eigene Bedeutung da rein basteln. Wir haben eine Sammlung, die bisher etwa 100 Bedeutungen umfasst. Schön fand ich auch: Ultimativ Allergiegeplagte Elektropunx oder Und Anders Eben.

Björn.

Vielen Dank an Plemo!

Aber auch Chrissie von Mainstage und Sven Naumann von Audiolith Records waren so freundlich und beantworteten kurzer Hand 3 kleine Fragen über UAE! Danke!

Was ich davon halte, dass Henning UAE aus dem Boden gestampft hat?

Chrissie: Ich finde es selbstredend gut! „Randale“ war ohnehin schon immer einer der Songs, der am meisten im Kopf geblieben ist und diesen drei Leitbuchstaben nun größeren Raum zu geben, finde ich wunderbar! Mal sehen, was draus wird. Die ersten gesignten Mega-Acts sind ja schon der Bringer!

Sven: Ich kann jedem Menschen nur viel Glück wünschen bei allem was sie tun und vorhaben. Es ist aber oft kein einfacher Weg, den man da in die Wege leitet. Ein Musik-Label sollte genauestens geplant werden, damit man dann auch sicher die Früchte seiner Arbeit ernten kann.

Die Buchstaben UAE bedeuten meiner Ansicht nach…

Chrissie: Ich komme aus der schönen Stadt Eutin, wohn ja erst seit knapp 3 Jahren in Hamburg. Damals bedeutete UAE für unsere Dorfjugend ganz eindeutig „Ultra Antifa Eutin“ und der Überzeugung bin ich auch heute noch. Mir egal, was damit ursprünglich gemeint war.

Sven: Ursache. Anfang. Ende.

Folgendes möchte ich Henning, Tammy, Marc & Tammy mit auf den Weg geben:

Chrissie: Ich möchte den Herrschaften mit auf den Weg geben: Nur weiter so. Das wird schon werden. Immer die Hände in den Himmel und den Kopf in den Nacken, dann wird das funktionieren! Prost!

Sven: Nehmt euch Zeit und plant alle Projekte energisch durch, damit man das Ziel auch erreicht. Vor allem plant euer Budget (Einnahmen / Ausgaben), denn nichts ist schlimmer als viel Arbeit erledigt zu haben und am Ende ist eine Null unterm Strich. Viel Glück!

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