Generalprobe: Henning Neuser in Berlin, ZMF

08. Februar 2011

„Oh, Henning Neuser spielt am 8. in Berlin und am 9. in Hamburg? Dann mache ich doch gleich beides mit!“ Gesagt, getan! 

Nach der Arbeit war etwas Stress angesagt: schnell in die Umkleidekabine, nach gefühlten zwei Minuten verließ ich diese und war, eh ich mich versah, schon zu Hause und schmiss den restlichen Kram in die Tasche. 

„Verdammt, mir fehlt noch die Fahrkarte!“. Allein deswegen musste ich den Weg zum Hauptbahnhof noch früher antreten und hatte –wie immer, wenn ich zu einem Konzert fahre- keine Zeit, noch irgendetwas zu essen. Wie ungesund! 

Mit der Fahrkarte in der Tasche und einer unangenehmen leere im Magen eroberte ich den ICE. Huch, wo kamen denn all die Geschäftsmänner her? Egal, denn Hauptsache, ich konnte noch einen freien Platz am Fenster ergattern. Während der Fahrt versuchte ich die Augen offen zu halten. Was mir auch relativ leicht fiel, denn die Sonne schien, als gäbe es kein Morgen mehr. Und erst dieser Sonnenuntergang. Traumhaft!

Nächster Halt: Berlin Hauptbahnhof. Den Weg zur S-Bahn kannte ich bereits auswendig.

Ziel: Ibishotel am Ostbahnhof. „Das macht dann 75 Euro!“ Jaha, für eine Nacht! Kein Wunder, dass ich manchmal für bescheuert gehalten werde… (Garantiert auch von Henning, auch wenn er es nicht so direkt sagen wollte. Aber das Lachen verriet doch alles!) Im Zimmer hieß es erstmal: Fernseher an & Füße hochlegen. Aber auch das nur für eine lächerliche Stunde & kurz darauf zog es mich zurück in den Großstadtdschungel. 

ZMF. Da war ich bislang nur einmal gewesen. Und zwar, als Juri Gagarin und Bratze sich dort die Ehre gaben. Und ich weiß noch, dass ich das ZMF auch nicht auf Anhieb fand, da es auf einem Hinterhof lag und man auch erst einige Stufen nach unten musste, eh man im Club stand. Dafür fand ich es jetzt umso besser. Aber auch hier hatte ich Bedenken, ob sich genug Leute einfinden würden.

Surprise, surprise: Zunächst einmal mußte ich auf Jana warten, doch glücklicherweise bog sie schon bald um die Ecke. Nichts wie rein und einen gemütlichen Platz auf einem der Sofas gesucht. Henning war noch beim Soundcheck. Dabei konnte man sich schon einen ersten kleinen Eindruck eines neuen Liedes machen. Nicht schlecht, nicht schlecht. 

Soundcheck: Fertig! Eine handvoll Leute haben sich ins ZMF verirrt- (Un-)Bekannte, Freunde von Henning. Es ist immer ein Jammer, wenn der Künstler eine lange Fahrt auf sich nimmt, um dann vor zehn Leuten spielen zu müssen. Schade, schade!

Beginn: 21 Uhr. Aber wie es immer so ist, verzögerte sich auch das. Henning war nicht nur der auftretende Künstler, nein, er sorgte auch für die passende „Pausenmusik“!

Henning Neuser: Der Mann für alle Fälle! Jana hat es noch treffender formuliert: Der McGyver der Unterhaltung!

Der Beginn zog sich hin, es wurde auffallend kühler im Kellerclub. Die anwesenden Gäste versorgten sich mit Getränken, unterhielten sich angeregt und Neuser drehte seine Runden, um mit jedem einen kleinen Plausch zu halten.

Gegen 22 Uhr war es dann doch endlich so weit: Er steuerte die kleine Bühne an. Das Zeichen für die Anwesenden, sich von den Sofas und Barhockern zu erheben, um ein Stückchen näher an die Bühne zu gelangen. Aber auch nicht zu nah, man wollte ja nicht aufdringlich wirken. Mit einem Sicherheitsabstand beobachtete man Neuser dabei, wie er sich schwungvoll die Gitarre umhing und kurz darauf das Publikum mit einem gutgelaunten „Hallo Berlin!“ begrüßte. Sein breites Grinsen steckte sofort an und schon verschwand der etwas mitleidige Blick aus unseren Gesichtern.

Er legte in guter alter Singer/Songwriter- Manier los, wir hingen förmlich an seinen Lippen und erfreuten uns an jeder gesungenen Textzeile. Auch die liebgewonnene Loop Station kam kurz darauf zum Einsatz. Was mir richtig richtig gut gefiel, war, dass er sich scheinbar im Vorfeld schon viele Gedanken darüber gemacht hatte, wie er einige ältere Songs aufmöbeln könnte. So wurde zum Beispiel der Song „Down under“ mit mehrstimmigen Arrangements aufgewertet und mit dem Gesang des Publikums verfeinert. Das sorgte für eine heitere und ausgelassene Stimmung.

Songs, wie Die Welt steht still, Chamaeleon, Nicht zu stoppen, Sommerregen oder (mein persönlicher Lieblingssong vom neuen Album) I just can´t stop wurden uns um die Ohren gehauen und ließen die Herzen höher schlagen! 

Henning selbst bezeichnete dieses Konzert als Generalprobe und testete an uns natürlich auch gleich einige neue Lieder, die mich doch wirklich schon begeisterten! Nun fällt es mir noch schwerer, auf ein neues Album zu warten. Und da war er wieder, dieser Gedanke: „Warum, zum Teufel, sind nicht mehr Leute an diesem Abend hergekommen? Das kann doch nicht sein, dass dieser großartige Künstler ungehört bleibt! Und dafür muss man noch nicht einmal tief in die Tasche greifen. Unglaublich.“ Und man hatte das Bedürfnis, sofort aus dem Club auf die Straße zu rennen und wildfremde Leute einfach mit in das ZMF zu ziehen, um diese von Neuser´s Livequalitäten zu überzeugen. Aber vielleicht sollte man da das nächste Mal über andere Maßnahmen nachdenken. Obwohl dieses reinziehen auch eine (letzte) Möglichkeit wäre. Manche Menschen muss man halt zu ihrem Glück zwingen. Jawoll! 

Mit den Worten, dass nun der letzte Song käme, spielte er „Ohne dich“, herzzerreißend wie immer! Ein großer Applaus folgte, Henning sprang von der kleinen Bühne, um nach dem ersten „Zugabe!“- Ruf wieder auf dieser zu stehen. Eines muss man ihm lassen: Auch wenn er nur vor 8 Leuten spielt- er lässt sich davon nicht beirren und man merkt ihm seine Spielfreude an. Ab und an gab es natürlich auch einige Sprüche auf Grund des Publikumsmangels, diese ernteten die entsprechenden Lacher und sorgte damit für eine intime Atmosphäre, die leider bei den meisten Konzerten abhanden kommt.

Dieser Abend war, auch wenn nicht viele anwesend waren, trotzdem ganz ganz großartig! Es wurde geklatscht, (Tränen) gelacht und mitgesungen. Ich habe es bisher keine Sekunde lang bereut, diese Strecke gefahren zu sein und werde auch nicht lange überlegen, wenn es heißt:

„Henning Neuser in Berlin? München? Dortmund? Ich bin dabei!“

Der liebe Matthias war sofort Feuer & Flamme, als ich ihn fragte, ob er einige Zeilen beisteuern möchte. Und da daraus viele Zeilen wurden, fand ich es zu schade, diesen Text zu kürzen. Deswegen gibt es nun zwei Berichte über diesen wunderbaren Abend zu lesen. Vielen Dank, Matthias!

 
Im Sommer 2010 stieß ich zufällig durch verschiedene Verlinkungen auf Myspace auf eine Seite eines Künstlers mit dem schlichten Namen Neuser.

Da ich generell auf die kreative Verwendung der deutschen Sprache bei Musik stehe, waren ruckzuck die drei bisher erschienenen Alben Selbstauslöser, Alles wird leichter und das frisch erschienene Werk Chamaeleon gekauft und wochenlang hoch und runter gehört.
Sehr inspirierend und berührend und ich wollte den Typen aus Köln unbedingt mal live sehen.

Am 8.Februar 2011 sollte es endlich soweit sein: Neuser in Berlin im ZMF. Während über einige Monate die Termine und auch die Besetzung, in der Neuser auftreten sollte, ständig wechselten, war ich dann doch sehr gespannt, was mich da erwarten würde.

Auf Grund der gewählten Location schwante mir allerdings nichts Gutes, da ich dort schon einige sehr feine Bands erleben durfte, das Publikum aber des Öfteren überwiegend mit Abwesenheit glänzte. Ob es an der versteckten Lage des verwinkelten Kellerclubs liegt oder welche anderen Einflüsse dafür zuständig sind, kann ich leider nicht nachvollziehen.

Kurz nach neun kam ich also an und meine Vorahnung hatte mich nicht getäuscht: 8 Leute, mittendrin ein kleiner unscheinbarer Typ. Wir sahen uns an und ein freundliches Begrüßungslächeln huschte über unsere Gesichter. Auf jeden Fall schon mal sympathisch, dieser Neuser.

Da in der Konzertankündigung Neuser Solo angekündigt war, erwartete ich eine intime Atmosphäre, Neuser auf der Bühne mit Akustikgitarre und die Interpretation seiner Songs im Singer/Songwriter-Gewand. Doch beim Blick auf die Bühne wurde ich eines besseren belehrt: Eine Akustikgitarre, eine E-Gitarre, diverse Effektgeräte und eine Loopstation. Das machte mich sehr gespannt.

Da noch nicht all zu viele Leute am Start waren und Neuser offensichtlich noch weitere Zuhörer erwartete, ließ er sich noch Zeit mit seinem Konzert. Traurigerweise kamen dann nur noch ein, zwei weitere Leute und die leichte Kälte im ZMF-Keller wurde dadurch leider auch nicht verdrängt.

Doch ganz professionell mit einigen selbstironischen Sprüchen hinsichtlich des zahlreich erschienenen Publikums garniert betrat Neuser dann gegen 22 Uhr die Bühne.

Nach einem herzlichen „Hallo Berlin!“ startete Neuser dann durch. Zunächst, wie von mir erwartet, eher in Singer/Songwriter-Tradition, aber unter kreativem Einsatz seiner Loopstation. So waren im Laufe des Abends dann mehrstimmige Arrangements und verschiedene rhythmische Ebenen zu hören. Man merkte ihm auf der Bühne nicht an, dass es ihn irgendwie verdross, für eine handvoll Zuhörer seine Musik zum Besten zu geben. Das Publikum hing denn auch an seinen Lippen und hörte seine Worte, lauschte seinen ergreifenden Harmonien. Und ab und zu waren wir dann auch gefragt, mitzusingen und mitzuklatschen, was auf Grund der Musik kein Problem war und tatsächlich so etwas wie ausgelassene Stimmung in den Saal brachte.

Besonders toll fand ich persönlich die Möglichkeiten, die die Loopstation mit sich brachte. Erstaunlich, wie es ein Typ auf der Bühne schafft, so abzugehen und absoluten Alarm zu machen. Und welche erstaunliche Vielfalt uns da entgegen schallte: von ruhigen melancholischen Singer-/Songwriter-Balladen bis zu krachig-lautem Elektropop war alles dabei. Auch die von ihm neu vorgestellten Songs waren, wie erwartet, sehr hör- und vor allem tanzbar.

Alles in allem ein sehr vergnüglicher Abend, der mir und auch den restlichen Anwesenden ein dickes Grinsen ins Gesicht zauberte.

Neuser darf einfach kein Geheimtipp bleiben, also, liebe Berliner, beim nächsten Konzert will ich ein paar mehr von Euch sehen!

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5 Antworten zu “Generalprobe: Henning Neuser in Berlin, ZMF”

  1. Jana sagt :

    Sehr schön,
    Auch der Bericht von Matthias!
    Das war ein ziemlich toller Abend 🙂

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