Verfolgt: Senore Matze Rossi in Leipzig, Berlin & Hamburg

Was gibt es bitte schöneres, als auf Tour zu sein? Man kann wunderbar diesen ganzen Arbeitsstress über Bord werfen und grandiose Abende verbringen. Deswegen entschied ich mich für die kleine Tour von Senore Matze Rossi & Nessi, welche am 14. Oktober in Leipzig startete. Danach folgten Berlin und Hamburg. Warum ich mich gerade für Senore Matze Rossi entschieden habe? Nun, er hat mir mit seinen Songs sprichwörtlich den Arsch gerettet! Man kann es einfach nicht anders sagen. Deswegen setzte ich alle Hebel in Bewegung, dass ich diese drei Abende miterleben konnte. Und es hat funktioniert!

Tag 1: Leipzig, Hinz & Kunz

Unscheinbar: Hinz & Kunz in Leipzig

Was für ein turbulenter Start in die Minitour: 9 Tage wurde durchgearbeitet, damit ich den Freitag und Samstag freibekomme, um Matze in Leipzig und Berlin sehen zu können. Also pünktlich am Donnerstag von der Arbeit weg & 1 ½ Stunden später stand ich mit gepackter Tasche am Hamburger Hauptbahnhof. Und siehe da: Der ICE nach Berlin hat Verspätung! Ich sah meinen Anschlusszug nach Leipzig in Gedanken schon ohne mich abfahren. Frust! 10 Minuten später als geplant kam er dann angerollt, rein und einige durchgelaufene Abteile später der Entschluss: Der beste Platz ist immer noch im Gang! Man hat genügend Platz, muss sich kein dämliches Gerede anhören. Perfekt? Perfekt! 10 Minuten vor Ankunft am Berliner Hauptbahnhof die Durchsage, dass der ICE nach Leipzig auf dem  gegenüberliegenden Gleis wartet. Juhu! Also fix in den Zug gesprungen, Sitzplatz ergattert und eh ich mich versah, kam man schon in Leipzig an. Wann war ich zuletzt in dieser Stadt? Ich weiß es nicht mehr, nur die Gründe dafür: Einmal, um sich diesen riesigen Bahnhof anzusehen und das andere Mal zum Umsteigen. Die Zeit drängte, denn es war bereits nach 19 Uhr. Die richtige Straßenbahn ließ auch nicht lange auf sich warten, 15 Minuten später war ich schon da. Erstmal im Hotel Merseburger Hof eingecheckt, welches nur 1 Minute Fußweg vom Hinz & Kunz entfernt lag. Top! Erst hier realisierte ich anhand des Dialektes, dass ich angekommen war. Zimmer klein, aber fein. Ausblick auf eine Tankstelle. Hätte ich mich aufs Bett gelegt, wäre ich wahrscheinlich vor Erschöpfung eingeschlafen. Meine Augenringe wurden notdürftig versteckt und schon zog es mich wieder nach draußen in die Kälte. Vor dem Hinz & Kunz stand die Polizei, von drinnen hörte ich bereits Nessi singen. War es etwa so laut, sodass die Polizei gerufen wurde? Nein, Eheprobleme waren der Grund. Aber wie es immer so ist: Die Polizei kann erst helfen, wenn etwas passiert ist. Traurig! Irgendwie kam ich mir vor wie auf dem Dorf: Keine Menschen auf der Straße, alles war ruhig. Ab und an fuhr die Straßenbahn vorbei. Nichts wie rein in das kleine „Zimmerchen“. In der Mitte stand ein kleiner Ofen, der für die nötige Wärme sorgte. Trotzdem sah man fast keinen im T-Shirt sitzen oder stehen. Bis auf diejenigen, die unmittelbar vor oder neben dem Ofen saßen. Von Nessi bekam ich die letzten 3 Songs mit und ich war wirklich sprachlos! Ich kann mit Sängerinnen eher

Senore Matze Rossi

wenig anfangen, weil mich die Stimmen mit der Zeit nerven und langweilen. Aber bei Nessi war das ganz anders: Man glaubt gar nicht, was in so einem kleinen und zierlichen Körper für eine gewaltige Stimme stecken kann! Wahnsinn! Mir fehlen da noch immer die Worte. Zum Schluss gab es ein wunderschönes Cover von Robyn. Das war es auch schon und ich ärgerte mich, dass ich nicht alles mitbekommen habe. Irgendwie kam ich mir vor, wie bei einem Wohnzimmerkonzert. Viel größer war das Hinz & Kunz auch nicht. Und alle hörten aufmerksam zu. Bei Veranstaltungen die kostenlos sind, sieht das meistens immer ganz anders aus. Matze kam nach vorne. Schnallte sich die Gitarre um, legte die Mundharmonika an seine linke Seite und zog zwei winzige Zettelchen aus der Tasche, die er hinter sich auf die Box legte. Da stand er nun- ohne Blinddarm- und spielte drauf los. Wenn ich mich nicht ganz irre, fing er mit Analog am Stück an. Gänsehaut, die mich bis zum Ende des Konzertes nicht mehr losließ. Bei dem zweiten Stück Bald zu Hause hatte er mich auch schon: Wovon träumst du, wenn du wach bist/Wovon träumst du, wenn du schläfst/So ein Leben ist gefährlich/Und wer hält dich, wenn du fällst/Wer hat dich so mitgenommen/Wer hat dich auf Eis gelegt/Das ist der Zeiger deiner Uhr, der dir den Kopf verdreht./ Komm gib dich jetzt nicht auf/Wir sind doch bald zu Haus/Dann malen wir es noch einmal aus/ Das alte vergilbte Bild, das dringend wieder Farbe braucht./ Dieser Kloß im Hals, das zurückdenken an die Zeit, wo es mir alles andere als gut ging & ich die Songs von Matze rauf und runter hörte. Die Tränen stiegen hoch und ich war kurz davor, den Raum zu verlassen. Es ist immer wieder erstaunlich, was Musik alles bewirken kann.

Sehr sympathisch ist es auch, wenn man keine Setlist hat. Zwischendurch schaute er immer wieder auf die kleinen Zettelchen- wo die Songs auch scheinbar sehr klein draufstanden- und suchte sich immer irgendein Lied aus. So ist nie ein Konzert gleich und das ist das Wunderbare daran. Natürlich gab es auch einige Songwünsche vom Publikum, die er gerne annahm. In Armen ist zum Beispiel ein Wunsch, der jedes Mal kommt. Verständlich! Zwischenzeitlich erzählte er, dass die geplanten Konzerte in Mainz, Köln und Herne ausfielen, weil sein Blinddarm ihm einen Strich durch die Rechnung machte. Da kann er doch froh sein, dass er ihn los ist! Sein Arzt meinte, dass es passieren könnte, dass die Narbe platzt. Aber aus der vorsorglich angekündigten Blutshow ist dann doch nichts geworden. Leider? Zum Glück? Kann man sehen, wie man will! Bei der Band GWAR kann man zum Beispiel für eine regelrechte Blutschlacht garantieren. Da sollte man dann auch bitte mit einem weißen Shirt auftauchen. Etwas vom Thema abgekommen? Ja! Weiter im Text: Egal, welcher Song gespielt wurde- Er steckte unwahrscheinlich viel Leidenschaft und Herzblut hinein. Wenn man in das Publikum schaute, sah man einige, die die Augen schlossen und jede Zeile genossen, andere sangen leise mit und wippten mit dem Fuß. Textpatzer gab es einige, die er aber gekonnt mit einem schelmischen Grinsen überspielte. Von Holzschwertern ist ein Song für seine 3 Kinder, wo er den Text dementsprechend umänderte: Komm, nimm dein Bruder und dein Holzschwert/ Und vergesst bloß nicht eure Schwester. Auch Balsam, der Song aus der Tagtraum-Zeit, wurde zum Besten gegeben, was mich sehr gefreut hat. Es blieben keine Wünsche offen. Obwohl ich gerne Aus Traum (Ruinen) gehört hätte, aber diesen Song kann ich mir auch noch in Berlin oder Hamburg wünschen. Das Publikum war glücklich und begeistert und ließ Matze nur ungern von der „Bühne“. Nach dem Auftritt gab es Autogramme auf Schuhe und gekaufte Poster. Tobi hatte am Merchtisch gut zu tun. Der Raum leerte sich, der Ofen strahlte nur noch halb so viel Wärme wie am Anfang aus. Da ich eh schon total übermüdet war, fing ich schon leicht an zu zittern. Super! Nun die Frage, die ich und Matze uns stellten: Wollen wir das Interview heute noch machen oder auf Morgen verschieben? Die Entscheidung fiel auf „Sofort!“ und da man keinen Raum zur Verfügung hatte, setzte man sich ins Treppenhaus, wo es wesentlich kälter war. (Mal so nebenbei: Mein „kältestes Interview“ hatte ich mit Torsun von Egotronic im Berliner Rosis. Es war Januar. Könnt ihr euch noch erinnern, als die Strassen und Gehwege komplett vereist waren? Wie kalt das war? Gerade an diesem Tag wehte dazu noch ein eisiger Wind. Im kleinen Backstageraum war es fast genauso kalt wie draussen- so kam es mir jedenfalls vor. Alles andere als angenehm, aber witzig war es dennoch!) So saß man im Treppenhaus. Und wie das immer so ist, geht irgendwann das Licht aus. Interview im Dunkeln hatte ich auch noch nie. Matze spendete mir Licht, beantwortete Frage für Frage und was er zu sagen hatte, könnt ihr nun hier lesen! (Da dies ein Minitourbericht ist, bezogen sich die Fragen auch auf Konzerte, Publikum und das Touren allgemein!)

Wie fandest du das heutige Konzert hier im Hinz & Kunz?

Matze: Ich fand es auf jeden Fall sehr schön. Als wir hier angekommen sind, waren wir erst etwas skeptisch, weil es so kalt in diesem Raum war. Da haben wir erstmal gleich eingeheizt. Die Atmosphäre war total schön und es waren viele Leute da. Besonders gut fanden wir es, dass in den Momenten, wo man leiser gespielt hat, die Leute wirklich leise waren und zugehört haben. Es hat keiner zwischendurch geredet, sondern alle waren dabei. Das ist der schönste Moment bei einem Konzert: Wenn man merkt, dass es ein Nehmen und Geben ist.

Die letzten 3 Konzerte in Mainz, Köln & Herne wurden Blinddarmbedingt abgesagt. Wie geht es dir jetzt?

Matze: Mir geht es nicht ganz so gut. Es tut ziemlich weh, wenn ich singe. Aber mir war es ganz wichtig, dass ich die Konzerte spiele.

Gab es bei dir schon andere krankheitsbedingte Ausfälle?

Matze: Ganz früher bei Tagtraum, als  ich noch geraucht habe wie ein Schlot und ich eine Stimmbandentzündung bekommen habe. Da mussten wir die Tour abbrechen, weil nichts mehr rauskam. Und einmal noch, wo ich Fieber hatte. Ansonsten habe ich auch schon mit einer gebrochenen Hand und gebrochener Schulter gespielt.

Echt? Das ging?

Matze: Ja! Die Schulter wurde getapt und dann konnte ich spielen. Und als ich mir die Hand gebrochen hatte, habe ich nur gesungen. Das war alles bei Tagtraum.

Was können die Leute von einem Konzertabend erwarten?

Matze: Das ist schwierig zu sagen! Jedes Konzert ist einfach anders. Heute war es gut- also wer heute da war.. (lacht) Was kann man erwarten? Ich spiele schlecht Gitarre und singe dazu..

…Und du vergisst die Texte!

Matze: Genau, manchmal vergesse ich die Texte, weil ich immer so viele Bilder und Gedanken im Kopf habe und mich dann nicht mehr auf die Texte konzentriere. Das geht halt nicht gleichzeitig.

Solo oder mit Band: Was ist dir lieber? Wo siehst du die Vor- und Nachteile?

Matze: Wenn ich einige Tage Solo spiele, dann denke ich mir: Jetzt möchte ich die Band dabei haben! Wenn ich eine Weile mit der Band unterwegs bin, dann denke ich: Jetzt bräuchte ich mal wieder ein Solokonzert. Was nicht gerade ist, finde ich gut. Ich genieße aber immer den Moment. Wie heute zum Beispiel: Das hätte hier in diesem Laden mit Band einfach nicht funktioniert. Es ist keine Anlage und nichts da. Aber auf der anderen Seite habe ich mal alleine auf einem Festival vor 1000 Leuten gespielt, wo ich mir gewünscht hätte, dass die Band dabei ist.

Was macht für dich ein gutes Konzert aus?

Matze: Was ich vorhin schon erwähnt habe: Wenn ich mir zum Beispiel ein Konzert anschaue und ich merke, dass da eine gewisse Kommunikation zwischen dem Publikum und dem Musiker da ist, ohne das etwas verbal stattfindet und eine gewisse Spannung im Raum liegt. Das macht für mich ein gutes Konzert aus. Das gelingt nicht immer, aber wenn, dann ist es das schönste Gefühl, was es gibt. (Treppenlicht fällt aus. Matze spendet Licht.)

Ist dir schon einmal etwas Peinliches bei einem Auftritt passiert?

Matze: Ja! Öfters…

Erzähl!

Matze: Neben dem Textvergessen- was mittlerweile ja nicht mehr peinlich ist, weil es bei mir einfach schon dazugehört- bin ich neulich vor dem Konzert auf die Bühne gesprungen, weil keine Treppe da war und dabei ist mir hinten die Hose komplett gerissen. Ich hatte nur die eine Hose dabei und musste mit der dann auch spielen. Aber eigentlich ist mir nichts peinlich!

Licht!

Matze: Licht!

Gibt es Konzerte, die dir noch gut in Erinnerung geblieben sind?

Matze: Klar, einige! Das letzte Konzert im Berliner Schokoladen war super. Und negative Konzerte…(überlegt kurz) Kann ich gerade gar nicht so sagen, fällt mir nichts ein.

Wie suchst du dir die Songs aus, die du spielst?

Matze: Gar nicht, wie du heute gesehen hast. Ich habe nur einen kleinen Zettel, auf dem die ganzen Songs stehen. Aber in keiner Reihenfolge oder sonst wie. Es ist kein richtiges durchgehendes durchdachtes Konzert, sondern ich spiele das, was mir gerade durch den Kopf geht. Ich muss dann natürlich auch oft auf den Zettel gucken, wenn gerade nichts im Kopf ist. Also es steckt kein Konzept dahinter.

Und das hast du schon immer so gemacht?

Matze: Ja, eigentlich schon. Mit Band spielen wir aber immer mit Liste, weil die anderen wissen wollen, wie die Lieder losgehen und was als nächstes kommt. Wenn ich alleine spiele, dann spiele ich immer konzeptlos und finde es für mich immer ganz angenehm. Wie ist es für den Zuhörer?

Es macht Spaß! Niemand weiß, was als nächstes gespielt wird- nicht einmal du! Ich finde das spannend. Hast du Lieblingsclubs, wo du immer gerne hinfährst und spielst?

Matze: Wo ich gerne hinfahre und schon gespielt habe: Im Schokoladen in Berlin. Das ist für mich einer der besten Konzertlocations. Oder auch im Stattbahnhof in Schweinfurt, da ist nichts Außen rum. Der Stattbahnhof ist wirklich schon Outstanding. Ein super Laden! In Hamburg würde ich gerne auf der Dachterrasse beim Uebel & Gefährlich spielen wollen. Da habe ich noch nie gespielt. Oder wieder im Grünen Jäger. Mir kommt es jetzt auch nicht darauf an, dass ich vor tausenden von Leuten spiele. Mir reichen auch 40 oder 50 Leute, wenn dieser Moment da ist, den man für das Konzert anstrebt.

Bist du auf Tour jemals mit dem Gesetz in Konflikt gekommen?

Matze: Mit dem Gesetz? Ja, ich bin öfter geblitzt worden. Aber sonst… Wir wurden mal verhaftet…

Okay! Bitte ausführlicher!

Matze: Nee, das war eine Verwechslung…

Ja ja, das sagen alle!

Matze: (lacht) In Hamburg war das. Lassen wir das so stehen! Wir sind auch gleich wieder freigelassen worden.

Super! Das war es schon für heute! 

Schluss. Aus. Ende: Gute Nacht, Leipzig. Ich fiel ins Hotelbett und schlief sofort ein.

Tag 2: Berlin, Privatclub

Nächster Tag: Von Leipzig nach Berlin

9:45 Uhr- Der Wecker klingelte Erbarmungslos. Vielen Dank! Das Frühstück habe ich verpasst. Aber das war mir egal, denn der Schlaf war mir wichtiger. Ab unter die Dusche, meinen ganzen Kram in die Tasche geschmissen und runter zur Rezeption. „Das macht dann 49 Euro.“ Wenn es weiter nichts ist! Mit der Rechnung in der Hand ging es nach Draußen, rein in die Straßenbahn und am Hauptbahnhof raus. Noch etwas Ungesundes zum Essen besorgt und in den ICE nach Berlin gestiegen. Mein Gott, wer hat denn hier gewütet? Achja, die Bayern! Bierflaschen, Krümel, Chips. Alles auf Tische und Sitze verteilt. Lecker! Oktoberfest im ICE? Wahrscheinlich! Gut, dass die Bayern alle in Leipzig ausgestiegen sind, so herrschte eine angenehme Ruhe und man hatte freie Sitzplatzwahl. Vor 14 Uhr am Ostbahnhof angekommen. Erstmal runter zu LIDL. Ach, da ist sie wieder: Die berühmt berüchtigte Berliner Schnauze! Einkaufen kann bei den richtigen Verkäufern wirklich Spaß machen! Nun aber auf zum Hotel. Das Wetter war alles andere als gut: Regen! Und ich hatte nur eine Jacke mit, großartig! Gut, dass das Hotel nicht weit weg vom Bahnhof lag. Eingecheckt. „Das macht dann 69 Euro.“ Dafür geht man doch gerne Arbeiten! Das Zimmer gefiel. Da das Wetter nicht gerade das Beste war, entschied ich mich für einen Gammel-Nachmittag: Heizung an, ins Bett und den Fernseher angeschaltet. Luxus! 4 Stunden später löste ich mich von Bett und Fernseher und machte mich auf zum Privatclub. Das Gute: Es regnete nicht mehr. Das Schlechte: Ich fand den Privatclub nicht! Als ich wenigstens das Auto von Matze entdeckte, wusste ich, dass ich auf jeden Fall schon in der Nähe war. Trotzdem kam ich nicht weiter. Was tun? Eine verzweifelte SMS an Jana, da ich wusste, dass sie auch zu dem Konzert kommen wollte. Ahja, wenn man zum Privatclub möchte, muss man erst durch ein Restaurant und ab in den Keller. Und das soll man wissen… Auf Jana gewartet, rein, bezahlt und einen gemütlichen Platz auf dem Sofa gesucht. Der Raum war viel Größer als am Vortag in Leipzig und ich war gespannt, wie viele Leute sich einfinden werden. Es waren viele Freunde und Bekannte von Nessi und Matze da, sodass Nessi auf der Bühne zugab, etwas aufgeregt zu sein. Trotzdem haute sie das Publikum mit ihrer Stimme und ihren Songs um! Als kleine Zugabe gab es wieder den Coversong von Robyn. Schöner Auftritt war das! Fliegender Wechsel: Nessi ging, Matze kam. Was mir schon bereits beim Support auffiel: Das Publikum war unruhiger als in Leipzig. Schade! Gerade, wenn Musiker nur mit einer Gitarre bewaffnet auf der Bühne stehen, sollte man doch soviel Anstand haben und einfach Mal die Klappe halten. Es lenkt ja auch diejenigen ab, die zuhören wollen und sich dann notgedrungen irgendwelche Gespräche über das letzte Wochenende anhören müssen. Wenn unbedingt geredet werden muss, dann bitte nicht in die erste oder zweite Reihe stellen, sondern ganz nach Hinten. Danke für Ihr Verständnis! Und wer ist eigentlich dieser mysteriöse Atze Ossi, nach dem immer gerufen wurde? Auf jeden Fall darf man das nicht bei Facebook posten, weil dieser Herr Ossi dann sehr böse wird! Und das will doch Niemand, oder? Von Holzschwertern wurde auch wieder gespielt, aber das Gerede der Leute machte gerade diesen Song kaputt, wie ich fand. In Armen, Balsam, Dreh mich, Unendlich… Um nur einige Songs zu nennen, die gespielt wurden. Ein großartiger Konzertmoment war für mich, als er den Song Ich hoffe dass du findest was du suchst spielte, den er damals für Katha Karg geschrieben hat. Diese besagte Katha war ebenfalls beim Konzert und nach diesem Song liefen bei ihr die Tränen. Das Publikum sang ordentlich mit, was Matze auch sichtlich gefreut hat. Textpatzer gab es wieder einige, dieses Mal auch eine gerissene Saite. Aber kein Problem: Er schickte die Leute zur Bar, um sich ein Bier zu holen und er wechselte in der Zwischenzeit –in einem rasanten Tempo- die Gitarrensaite. Achja: Mein Wunsch Aus Traum (Ruinen) wurde nicht gespielt. Tz, letzter Versuch in Hamburg! Das Konzert vorbei, der Raum leerte sich recht schnell, das geplante Interview wurde auf den nächsten Tag verschoben und Jana und ich liefen durch Berlin. Bis zum Alexanderplatz und zurück. Und ich habe noch nie Jemanden so telefonieren sehen, wie diesen besoffenen Jugendlichen, der sämtliche Blicke auf sich zog. Selbst wir mussten stehen bleiben und amüsierten uns köstlich. Eigentlich hatten wir schon überlegt, das aufzunehmen und bei Youtube reinzustellen. Schade, dass wir das nicht gemacht haben. Jana fuhr nach Hause, ich lief den restlichen Weg zurück zum Hotel und fiel ins Bett. Gute Nacht, Berlin!

Tag 3: Hamburg, Hanseplatte

10:45 Uhr- auch hier hatte der Wecker kein erbarmen! Vorhang aufgezogen, der Blick nach draußen: Regen! Oh nein, nicht schon wieder. Unter die Dusche, Sachen gepackt und ausgecheckt. Weiter ging es bis zum Hauptbahnhof, in den vollen EC nach Hamburg. Ich kann mir wirklich besseres vorstellen, als mit 6 Personen zusammengequetscht in einem Abteil zu sitzen. Dafür gibt es ja immer diese schönen Klappsitze auf dem Flur, was ich doch als angenehmer empfand. Was haben mich die zwei Tage eigentlich gekostet? Da ich viel Zeit hatte, rechnete ich mir das aus: Für Hotelzimmer, Zugtickets, Eintritt, T-Shirt, Poster und Verpflegung habe ich etwa 280 Euro ausgegeben. Aber es hat sich wirklich gelohnt! Gut, dass ich mittlerweile in Hamburg wohne und kein weiteres Hotel brauchte. Also ab nach Hause, die Tasche in die Ecke geschmissen und gegen 19 Uhr Richtung Hanseplatte aufgebrochen. 20 Minuten Fußweg durch die Kälte und schnell rein in den Plattenladen, wo noch der Soundcheck lief. Danach folgte das finale Interview mit Matze & Nessi, was es bald zu lesen geben wird. Man darf gespannt sein! Die Warterei begann. Der Laden füllte sich langsam, auch hier mit Freunden, Bekannten & Verwandten. Nessi legte los. Es herrschte eine angenehme Stille. Auch hier hat sie wieder Fans für sich gewonnen. Bei einem Song

Nessi

gab es bei ihr einen Texthänger, den sie danach nur so kommentierte: „Jetzt fängt es bei mir schon so wie bei Matze an!“ So schnell kann das gehen! Wie schade, dass dies nun schon der letzte Tag war. Nessi legte sich dafür noch mal richtig ins Zeug & ließ das Publikum sprachlos und begeistert zurück. So soll es sein! Dann Matze. Er war in Topform! Er spielte. Und spielte. Und spielte. Er spielte die üblichen verdächtigen Songs: Balsam, Dreh mich, Das ist für die Lieblingslieder, In Armen, Ich lasse mir nichts mehr nehmen,… Und der Song Von Holzschwertern war unglaublich. Denn es stimmte einfach alles: Die Leute waren still, die leisen Passsagen im Song erzeugten Gänsehaut und die Zeilen erwärmten das Herz. Dieses Lied soll euch begleiten, wenn ihr nicht mehr wisst wohin. Ich kann nicht viel und ich hab noch viel, viel weniger, aber ihr kriegt alles, was ich bin. Und ich will immer für euch da sein bis ans Ende meiner Kraft. Und diese Arme sollen euch tragen durch jeden Sturm und jede Nacht. Gerade bei diesem Lied merkt man, wie wichtig ihm seine kleine Familie war, ist und immer bleiben wird. Und das ist großartig!

Matze & Alfred

Auch ein Hund befand sich im Publikum, der doch die meiste Zeit schlief, aber an Niedlichkeit kaum zu übertreffen war. Alfred weiß halt, wie er die Blicke von Matze, Nessi und den restlichen Zuhörern auf sich ziehen kann. Hoffentlich ist er auch beim nächsten Konzert in Hamburg dabei! Aber was war eigentlich mit Matze los? Er wollte nicht mehr aufhören zu spielen, weil es ihm auch wahnsinnig viel Spaß und Freude bereitet hat. Und wir nahmen es ihm nicht übel & waren über jeden weiteren Song glücklich! Und als ihm keine spielbaren Songs mehr einfielen, waren wir gefragt. So kamen wir in den Genuss von Illusion der Kontrolle oder Du weißt doch noch wie das geht, oder? Und auch ich versuchte erneut mein Glück und rief Aus Traum (Ruinen) rein. Mit dem Kommentar, dass er dieses schon lange nicht mehr gespielt hat, legte er los. Und es war atemberaubend. Einige Songwünsche wurden leider nicht erfüllt, da das eher Songs sind, die nur mit Band richtig funktionieren würden. Meinte er zumindest und das werden wir einfach mal glauben!

An diesem Abend kam mir Matze wie eine lebendige Jukebox vor. Nur, dass wir keine Münzen reinwerfen mussten. Es war wirklich ein unglaubliches Konzert und es wird schwer, dieses jemals zu toppen!

Ach ja: Carmen war ebenfalls in Leipzig dabei & schreibt folgendes darüber:

„Meine Liebe begann an einem grauen Dezemberabend 2008 im Studentenwohnheim einer englischen Uni. Eine gute Freundin kam mich während eines Austauschsemesters besuchen und schwärmte für eine ihrer neuesten musikalischen Entdeckungen. Kaum gehört, konnte ich ihre Begeisterung verstehen: „Wenn das ein Film wär“ und „Einer von den Spinnern“ waren nur einige der Lieder, die die nächsten Monate musikalisch mitprägten, im Liebestaumel und bei spontanen Euphorieanfällen zur Stimmungsverstärkung mitgegrölt wurden. Noch heute überkommt mich bei „Ich: Idiot auf meinem Hügel“ die Erinnerung an mein auf einer leichten Anhöhe gelegenes Wohnheim und diese geniale Zeit dort.

Als mir meine Freundin dann in heller Aufregung schrieb, „Waaah!!! Matze Rossi kommt nach Leipzig!! Da müssen wir hin!!!!“, war natürlich klar, dass wir das ausnutzen mussten. Also schwangen wir uns am 14.10. in die S-Bahn und düsten von Halle nach Leipzig, in der Hoffnung, rechtzeitig da zu sein und nicht vor einem ausverkauften Veranstaltungsort zu stehen. Diese Sorge war zum Glück unbegründet, denn wir waren augenscheinlich die ersten, die vorm „Hinz und Kunz“ standen und Einlass begehrten.
Als es dann soweit war, waren wir erst mal überrascht, in was für einer schnuckeligen kleinen Location wir waren, wegen der Außentemperaturen zwar wahnsinnig kalt, aber dank Kachelofen und Stehlampen aber irre gemütlich.
Nach dem tollen Auftritt von „Set Sails“ war dann Matze an der Reihe. Gespannt kuschelten wir uns, auf dem Fußboden zwei Meter vor ihm sitzend, aneinander, denn Platz war hier rar. Dann begann er zu spielen, etwas vorsichtig wegen der noch nicht völlig verheilten Blinddarmnarbe, aber gefühlvoll und mitreißend.
Es war ein familiäres Konzert, mit (fast) allen erwarteten Songs, vielen Interaktions- und Gesprächsmöglichkeiten, wie man sie bei Konzerten selten hat.
Glücklich, unsere Poster mit persönlicher Widmung in den Händen, machten wir uns dann nach zwei Stunden toller, handgemachter Musik, auf den Heimweg.“

Vielen Dank dafür!

Und auch Tobi, Merchboy und Trommler bei Matze Rossi, blieb nicht verschont & wurde gezwungen befragt.

Tobi, wie hast du Matze kennengelernt?

Ich habe Matze zur Schulzeit kennengelernt. Das ist schon ewig her und wir sind immer zusammen früh morgens mit dem Stadtbus gefahren. Irgendwann hat er mich dann gefragt, ob ich nicht Lust hätte bei seiner Band Drums zu spielen… Das ganze war eher als „Session“geplant, als eine reguläre Bandprobe.Tja, was soll ich sagen? Ich werde diese „Session“ nie vergessen, weil wir in diesem Moment etwas geteilt und gefühlt haben was ich nicht wirklich in Worte fassen kann. Es fühlte sich einfach nur richtig und vertraut an mit Matze / Barni / David zusammenzuspielen und diese Musik zu teilen.

Wie würdest du Matze jemanden beschreiben, der ihn nicht kennt?

Ein Mensch mit Herz und Hirn am richtigen Fleck.

Deine Meinung über die kleine Solotour?

Wie immer schön mit Matze auf Soloshows zu fahren. Ich fühl mich richtig schlecht, wenn ich an den Soloshow-Wochenenden arbeiten muß und nicht dabei sein kann. Bin nunmal gerne Co-Pilot in Matzes Cockpit!

Konzerterlebnisse, die dir noch gut in Erinnerung geblieben sind?

Ich will das garnicht in Positiv und Negativ aufsplitten, ich weiß nur eines ganz genau und dichte dazu mal schnell eine Textzeile von Matze um : „Immerwieder würd ich mich für diese Band entscheiden und nicht für die Rettung der Welt “

Vielen Dank, Tobi!

Und das Beste zum Schluß: Matze ist so lieb und stellt uns je 2 Exemplare seiner Alben zur Verfügung: Und wann kommst du aus deinem Versteck & …Und wie geht es deinen Dämonen? Wer diese schon immer haben wollte, der teilt uns bitte als Kommentar sein schönstes Konzerterlebnis mit Senore Matze Rossi mit! Dann könnte schon bald eine dieser CDs euch gehören!

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7 responses to “Verfolgt: Senore Matze Rossi in Leipzig, Berlin & Hamburg”

  1. Frank says :

    Mein schönstes Konzerterlebnis mit Senore Matze Rossi…
    findet im Januar statt, weil ich ihn mir dann hoffentlich zum ersten Mal anschaue.
    Zählt das? 🙂

  2. herzlos13 says :

    Ja, das zählt!:)
    Und wenn hier keiner weiter mitmacht, dann würde ich sagen, dass du dann evtl. gleich von jedem Album eins bekommst.;) Dann bist du immerhin bestens gerüstet im Januar! Aber eine Woche lassen wir das noch laufen. Mal sehen, mal sehen!

  3. Miriam says :

    Mein bestes Senore Matze Rossi Konzert wäre das in Ibbenbüren am 19.11. gewesen, wenn es nicht leider abgesagt worden wäre! Also sollte das unbedingt nachgeholt werden und am besten gleich direkt in Osnabrück und nicht so weit außerhalb… xD
    so zählt das nu auch? 🙂

  4. Alfred says :

    Mein schönstes Konzerterlebnis mit Matze war im Oktober in der Hanseplatte. Es war auch mein allerallererstes Konzert und es war soo toll. Obwohl ganz viele Leute da waren konnte ich ganz entspannt faulenzen und zuhören. Und Nessie war übrigens auch ganz wundervoll. Seitdem weiß ich auch, dass Gitarren gut klingen können, und nicht so wie bei meinem Weib zuhause 😀
    Deshalb will ich auf jeden Fall eine CD, damit hier auch mal ordentliche Musik läuft. :o)
    Wuff,
    der Alfred =)

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