„Sie sind Audiolith!“

Ich will Saalschutz,
den ganzen Tag.
Nichts als Saalschutz,
weil ich Saalschutz mag.
60 Minuten pro Stunde oder öfter,
denn ich mag Saalschutz so sehr.

(Aus „Saalschutz, den ganzen Tag„)

Ja, was soll man dazu eigentlich noch sagen? Die Überschrift und der Textauszug fasst alles das zusammen, was man manchmal mühselig in den Einleitungstext zu quetschen versucht. Der eigentliche Plan war, dass man Saalschutz beim Reeperbahnfestival abfängt und ihnen dort die Fragen, z.B. zu dem neuen Album und überhaupt, um die Ohren schmeißt. Hat aber nun doch nicht geklappt und somit wurde daraus ein kleines E-Mail-Interview. Warum auch nicht? Ist für die hier Schreibende auch eine Arbeitserleichterung! Also lasst euch in die Welt von Saalschutz entführen. Am Ende kommen auch Personen zu Wort, die einiges über diese Band zu berichten haben! Deswegen kann man dieses Interview unter der Rubrik: Saalschutz & Freunde verbuchen.

Ravepunk für eine bessere Welt erscheint bereits am 24. September. Warum ist es gerade dieses Lied geworden?

Alle haben gesagt „Das ist es!“ und wir haben ihnen geglaubt.

Wie fielen die bisherigen Resonanzen aus?

Es wurde auf Soundcloud gehört und wohlwollend kommentiert. Unter anderem von uns selbst. Bis jetzt kommt es wohl gut an, es kamen jedenfalls noch keine Klagen.

Auch ein Video wurde vor kurzem dazu gedreht. Könnt ihr schon etwas darüber verraten?

Ja. Wir veredeln eine Schnapsidee zu einem ausgeklügelten Konzept. Es gibt sexy Vampire und digitales Blut, aber leider keine explodierenden Köpfe. Letztere wurden uns für ein nächstes Video versprochen. Man kann auch nicht immer gewinnen.

Ende Oktober kommt nun endlich euer drittes Album Entweder Saalschutz in die Läden. Wie ist es für euch, dieses nach gefühlten 10 Jahren in die weite Welt zu entlassen?

Ein gutes Gefühl. Aber natürlich sind wir auch ein bisschen müde.

Gab es einen bestimmten Grund, warum man so lange Jahre darauf warten musste?

Wir haben viel in der Schweiz, insbesondere in Zürich gemacht. Aufgelegt, Partys organisiert, mit anderen Leuten Musik gemacht. Das interessiert natürlich niemanden 30 km weiter. Außerdem waren wir schon immer langsam. Genau genommen wartete man sogar 4 Jahre.

Macht ihr euch viele Gedanken darüber, wie es bei den Fans ankommen wird?

Ja schon. Wir hatten immer den Eindruck, dass es unser Publikum im Allgemeinen gut mit uns meint. Wir hoffen natürlich, dass die neuen Sachen den Leuten gefallen. Wir wollen aber keine Vorschusslorbeeren. Bitte hört die Platte, als wäre sie von einer Band, die Ihr hasst! Wenn Ihr sie dann gut findet, ist sie wohl gut.

Was kann man von diesem Album erwarten? Welche Unterschiede gibt es zum Beispiel zum Vorgängeralbum?

Die Songs heißen anders.

Wieso/ Weshalb/ Warum heißt es überhaupt Entweder Saalschutz?

Das ist ein sogenanntes Anakoluth. Eine faszinierende rhethorische Figur der Unvollständigkeit/Fehlerhaftigkeit, häufig im sprechsprachlichen Bereich anzutreffen. Gleichzeitig hat der Titel etwas Arrogantes, weil er keine Alternativen eröffnet. Offensichtliche Unzulänglichkeit und Arroganz gehen oft Hand in Hand, der Titel dokumentiert das. Außerdem spielt er auf Kierkegaards „Entweder/Oder“ an, was uns einen Touch von schicker Bildungsbürgerlichkeit verpasst. War aber alles keine Absicht.

Foto: Jo Henker

 

Im Dezember geht es auf Tour, die den Namen Headliner der Herzen trägt. Wer euch -noch- nicht kennt: Auf was kann man sich einstellen?

Der Name der Tour ist noch gar nicht verbindlich geklärt. Man kann sich auf unglaublich hohe Qualität zu unglaublich günstigen Preisen einstellen. Wir werden uns Mühe geben, Konzerte nach allen Regeln der Kunst zu spielen. Es gibt Blut, Schweiß und Tränen. Wir werden an schwer zu schleppenden uralten Geräten malochen, bis wir umkippen. Es werden Knöpfe gedreht und Tasten gedrückt. Es kann immer etwas schief gehen. Aber dann haben wir immer einen Witz parat. Also keine Sorge.

Wie würdet ihr Saalschutz jemandem näher bringen, der euch überhaupt nicht kennt?

Wir verweisen solche Leute jeweils an unseren Booker Artur Schock. Er beantwortet gerne Mails.

Und zum Schluss (weil es interessiert): Silke will ihr Geld zurück. Was ist daraus geworden? Wird noch immer gesammelt? Wird es endlich ein Happy End geben?

Ist im Sand verlaufen. Das war sowieso nur eine Art lächerliche Promoaktion auf Kosten einer außenstehenden Kritikerin. Eigentlich sollten wir uns dafür schämen. Andererseits hat sie ja angefangen.

Und nach dem Schluss: Wie kam es zu den genialen Namen M T Dancefloor und DJ Flumroc?

Wir haben die von anderen Leuten erhalten. Flumroc ist eigentlich eine Firma für Isolationsmaterial. M T Dancefloor war das Resultat eines missglückten DJ-Abends.

Jetzt reicht es aber… Obwohl, eine geht noch! Bart: Pro oder Contra?

Weder noch.

Ravepunk für eine bessere Welt!

Aber das war noch längst nicht alles! Denn nicht nur Saalschutz beantworteten fleißig Fragen, sondern es wurden auch Personen befragt, die etwas ÜBER Saalschutz sagen konnten. Vielen Dank an Artur Schock, Lars Lewerenz, Ira Atari, Plemo, Johnny Kasalla & Torsun!

Wie hat sich die Welt für dich verändert, seitdem Saalschutz in dein Leben getreten ist?

Lars Lewerenz (die Alkoholvernichtungsmaschine!): „Ich habe
begriffen, dass es noch mehr schlaue Menschen auf dieser schönen Welt gibt. M T Dancefloor und DJ Flumroc haben mir die Augen geöffnet. Zwei Menschen, die vor Eloquenz strotzen und ihr gegenüber zu tiefst beeindrucken können. Allein die Wortwahl eines M T Dancefloors begeistert mich so sehr, dass ich mich der Anziehungskraft des Herren kaum entziehen kann. Auf eine Art und Weise hat es was Sexuelles. Ich mags, wenn die beiden mich beschimpfen, da ich weiß, dass es alles nicht so gemeint ist, wie es sich anhört. Ich liebe diese beiden. Wenn ich heiraten würde, würden sie meine Trauzeugen sein. Sie sind Audiolith!“

Johnny Kasalla: „Hm. Mal überlegen. Ich bin auf Saalschutz ca. Mitte der 00er Jahre gestoßen. Zu Zeiten der Saalschutz-Split mit Egotronic. Seit diesem Zeitpunkt sind Saalschutz bei mir die erste Assoziation, wenn ich an die  „Schweiz“ denke. Das war vorher anders, da fielen mir bei der Schweiz zunächst „Kurt Felix“ und „Emil“ ein. Und natürlich „Yello“.  Wenn ich an Yello denke, fallen mir immer direkt die Schnäuzer ein. Und ich finde schon, die Boys von Saalschutz könnten sich rein moustachetechnisch mal eine Scheibe von den Herren Meier und Blank abschneiden. Und der Klamottenstyle ist ja bis heute unerreicht! So will ich später auch mal rumlaufen. Also wie der Meier, nicht wie der Blank. Was machen Yello eigentlich heute, bringen die noch Platten raus? Weiß das jemand? Und kennt eigentlich noch jemand „Goldrush“? Man, war das ein Hit! Aber um die Frage mal abschließend zu beantworten: Seit Saalschutz in mein Leben getreten sind kleide ich mich besser.“

 
„Headliner der Herzen“ – Berechtigter Titel oder gibt es eine andere Band, die es mehr verdient hätte?

Ira Atari: „Nein, keine andere Band verdient den Titel ‚Headliner der Herzen‘ mehr als unsere schweizer Charmeure von Saalschutz. DJ M T Dancefloor und DJ Flumrock – Entertainer und Philosophen zugleich – wissen die Leute mit ihrer Musik und ihren Texten zu begeistern und zu überzeugen.  Mit Blumen und Konfetti machen sie unsere Welt ein bisschen besser. Meiner Meinung nach die einzig wahren ‚Headliner der Herzen‘ .“

Wenn man Saalschutz einfach so bei Google eingibt, erscheint irgendwann: „Whats so funny about: Saalschutz“ Ja, was ist denn deiner Meinung nach so „funny“ an Saalschutz?

 

Artur Schock (Booker des Vertrauens!): „Lustig an der Gruppe Saalschutz ist in dieser Reihenfolge: der Name; so wie Sie aussehen; so wie MTDF aussieht; so wie Flumroc aussieht; Flumrocs Bart; Flumrocs Hut; wie ihr Tisch aussieht auf dem sie Musik spielen; wie Ihr Auto aussieht, wenn Sie auf Tour fahren; wie Ihr Tourbegleiter aussieht; wie Ihre Mischerin heißt; wie Sie ihre Buchhaltung organisieren, wenn Sie auf Tour fahren; dass sie überhaupt Erfolg haben; dass Sie auf eine Bühne steigen; dass Sie Gage bekommen; dass Sie klüger sind als wir alle; dass Sie dreckiger sind als wir alle; dass sie bei ZickZack waren; dass Sie Knuddels sind.“

Wie stellst du dir die zwei Privat vor?

Johnny Kasalla: “ Man wird als Beobachter auf alle Fälle kein Wort verstehen, nehme ich mal an, da die beiden mit Sicherheit die ganze Zeit Schwyzerdütsch reden. Bei Schwyzerdütsch versteht man kein Wort, aber der Dialekt hört sich einfach gut an. Es macht sehr großen Spaß zuzuhören. Jedenfalls so lange, bis es zu viel wird. Das geht bekanntlich auch ganz schnell. Aber das ist ja mit allen Dingen so. Manchmal schaue ich mich übrigens heimlich auf dem Facebook-Profil von MT Dancefloor um – auf der Suche nach geschriebenem Schwyzerdütsch. Das machen die Menschen aus der Schweiz scheinbar sehr gerne: Schwyzerdütsch schreiben. Ich finde das großartig und will das auch können!“

Plemo (Der, der immer mehr als 3 Sätze antwortet. Spitzenmäßig!): „Als sogenannter ‚Insider‘ wurde ich gefragt, wie Saalschutz denn so privat sind. Gut, das ist natürlich eine Frage, auf die man als Insider eine Menge schreiben könnte. Eigentlich trifft das Wort ‚Insider‘ die Sache nicht direkt. ‚Freund‘ würde die Sache eher treffen. Ich habe die Jungs 2003 oder 2004 erstmals über Räuberhöhle gehört und war absolut überzeugt. Ich habe es der Musik angehört, dass man den gleichen Humor teilt. Als man sich dann 2005 nach gemeinsamen Chats auf Soulseek auf einer gemeinsamen (der ersten?) Audiolith – Tour kennenlernte, bestätigte sich die Vermutung. Man konnte sich pausenlos über diverse Absurditäten der Welt schraddelig lachen, z.B. die Atomhandgranate. Flumroc und ich stellten fest, dass wir psycholgisch recht ähnlich gemastelt sind. Mit all unseren stadtneurotischen Kleinfilmen verbrachten wir die Zeit im Tourbus damit, den täglichen Kater damit tot zu kloppen, dass ich mir stoisch auf den Kopf schlug und er sich auf die Brust. An dieser Stelle muss das „XD“ kommen, denn es war köstlich Leute zu treffen, mit denen man so vorzüglich über die eigenen Schwächen lachen kann. Bis heute hat sich eine echte Freundschaft zu den beiden entwickelt. 2007 habe ich zusammen mit M T Dancefloor Saalschutz‘ zweites Album produziert. Auch hier war es extremst wertvoll den Humor zu teilen und eine sehr ähnliche Vorliebe für bestimmte Musiken der Vergangenheit zu haben. Ich kann nur sagen, privat sind die beiden mit die entspanntesten und liebsten Jungs, die man treffen kann, auch wegen ihres traumhaften Hangs zum „zu spät kommen“. Hierzu sollte man mal den Kollegen Knarf Rellöm befragen, der schon sehr früh versucht hat, die Jungs von Zürich nach Hamburg zu locken. So gegen 16 Uhr, wo oftmals Ankunft am Club ist, ruft Knarf sie erwartend an: „…wo bleibt ihr denn?“ Saalschutz: „Wir sind schon auf der Brücke!“ Mit dieser Brücke war aber nicht die Elbbrücke gemeint, sondern eine Brücke im 800 km entfernten Zürich. Ich finde das bezeichnend und sehr positiv zu bewerten. Besucht man die Beiden in ihrem Städtchen, macht sich dieser Umgang mit der Zeit immer mit absoluter Tiefenentspannung bemerkbar. Um es auf den Punkt zu bringen: Mit Saalschutz befreundet zu sein, ist besser als jede Mitgliedschaft im lokalen Wellness-Club.“

Peinliche Stories gibt es immer zu erzählen: Welche gibt es da im Bezug zu Saalschutz? Raus mit der Sprache!

Torsun: „Saalschutz ist eine der wenigen Bands, die niemals peinlich ist. Selbst in Situationen, in denen andere gerne vor Scham im Boden versinken würden, bleiben die beiden Züricher stehts gelassen und schlagfertig. Zum Beweis möchte ich eine Situation beschreiben, die mir zwar nur vom Hören bekannt, aber mit 100%iger Sicherheit wahr und haargenau so passiert ist: Vor einigen Jahren sollten Saalschutz auf einer Party im Waschhaus in Potsdam spielen, was sie auch taten. Leider war das Publikum dort eher auf Chart-Musik aus und gegenüber Saalschutz dementsprechend abweisend. Die beiden DJ-Bobos der Schweiz ließen sich davon nicht beirren und spielten standhaft weiter. Selbst dann noch, als ihnen alle anwesenden Gäste -und das waren einige hunderte- kollektiv den Mittelfinger zeigten. Als sich dann langsam ein aggressiver werdendes Murren im Saal breitmachte und für körperliche Unversehrtheit nicht mehr unbedingt garantiert werden konnte, taten die beiden Bergschönheiten das einzig Richtige: Sie spielten eine Zugabe! Ich bin ihnen seit diesem Zeitpunkt komplett verfallen!“

Wie würde das perfekte treffen mit Saalschutz aussehen?

Johnny Kasalla: „Wenn ich da mit einem Zitat antworten darf: „Ohne Kerzenlicht wäre es nur ein Besäufnis.“ Es sollte daher auf alle Fälle eine Kerze auf dem Tisch stehen. Zimmertemperatur ca. 21 Grad. Nebelmaschine und Stroboskop dürfen natürlich auch nicht fehlen. Der Rest ist egal.“

 

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